NCET aufgelöst: Was ist aus der US-Krypto-Strafverfolgung geworden? Bilanz & Folgen 2026
Inhaltsverzeichnis (27)
- NCET aufgelöst – was ist aus der US-Krypto-Strafverfolgung geworden? Die Bilanz 2026
- Was war das NCET und warum gab es die Einheit überhaupt?
- Wann und wie wurde das NCET aufgelöst?
- Was steht genau im Blanche-Memo „Ending Regulation by Prosecution“?
- Welche Delikte verfolgt das US-Justizministerium seitdem nicht mehr?
- Hat die USA damit aufgehört, Krypto-Kriminalität zu verfolgen?
- Was ist die Scam Center Strike Force?
- Warum ist die Prince-Group-Beschlagnahme mit 127.271 Bitcoin so bedeutend?
- Was wurde aus Tornado Cash und Roman Storm?
- Ist Programmieren von Krypto-Software in den USA jetzt straffrei?
- Warum sitzen die Samourai-Wallet-Entwickler trotzdem in Haft?
- Welche Rolle spielen Begnadigungen wie die von Changpeng Zhao?
- Gab es Interessenkonflikte bei der NCET-Auflösung?
- Wie groß ist Krypto-Kriminalität 2025/2026 wirklich?
- Warum betreffen 84 Prozent der illegalen Ströme Stablecoins?
- Wie viel Geld verlieren Anleger durch Krypto-Betrug?
- Wie geht es mit CLARITY Act und SEC-Regeln weiter?
- Wie reagieren Europa und Deutschland – geht die EU den Gegenweg?
- Was ändert sich 2027 mit dem EU-Verbot anonymer Krypto-Konten?
- Was bedeutet die US-Wende konkret für deutsche Anleger?
- Wird der Kryptomarkt durch weniger Strafverfolgung sicherer oder riskanter?
- War die NCET-Auflösung richtig? Unsere Bilanz nach 18 Monaten
- Quiz: Wie gut kennst du die US-Krypto-Strafverfolgung nach 2025?
- FAQ: Häufige Fragen zur NCET-Auflösung und US-Krypto-Strafverfolgung
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- Quellen
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NCET aufgelöst – was ist aus der US-Krypto-Strafverfolgung geworden? Die Bilanz 2026
Am 7. April 2025 hat das US-Justizministerium seine Krypto-Spezialeinheit NCET per Memo abgeschafft. Damals klang das nach „Freifahrtschein für die Branche“. Achtzehn Monate später sieht das Bild deutlich gemischter aus: weniger Verfahren gegen Plattformen und Entwickler, dafür Rekord-Beschlagnahmen gegen Betrugsnetzwerke, umstrittene Begnadigungen und ein geplatztes Marktstrukturgesetz. Hier bekommst du die ehrliche Zwischenbilanz – und was das alles für dich als Anleger in Deutschland bedeutet.
Kurz vorweg, damit du weißt, womit du es zu tun hast: Das hier ist keine Jubel- und keine Untergangsgeschichte. Wir haben das Originaldokument des Justizministeriums gelesen, die wichtigsten Gerichtsverfahren seitdem verfolgt und die verfügbaren Zahlen zu Krypto-Kriminalität selbst nachgerechnet. Wo die Datenlage dünn ist, sagen wir das. Wenn du nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Die USA haben nicht aufgehört, Krypto-Kriminelle zu jagen – sie haben aufgehört, die Branche über das Strafrecht zu regulieren. Das ist ein Unterschied, der für dich als Anleger überraschend praktische Folgen hat.
Wenn du eher den großen politischen Bogen suchst – GENIUS Act, Token-Taxonomie, strategische Bitcoin-Reserve –, lies parallel unseren Überblick Krypto-Revolution USA: Was aus der Wende von 2025 wurde. Dieser Artikel hier konzentriert sich bewusst auf eine Frage: Was passiert mit der Strafverfolgung?
Was war das NCET und warum gab es die Einheit überhaupt?
Das National Cryptocurrency Enforcement Team (NCET) war eine 2021 gegründete Spezialeinheit des US-Justizministeriums, die Ermittlungen gegen Krypto-Börsen, Mixer und Geldwäsche-Infrastruktur bündelte und am 7. April 2025 aufgelöst wurde.
Das NCET entstand in einer Zeit, in der US-Behörden das Gefühl hatten, bei Krypto-Fällen hinterherzulaufen. Ransomware-Banden ließen sich in Bitcoin bezahlen, Darknet-Märkte wickelten Umsätze in Millionenhöhe ab, und viele Staatsanwälte vor Ort hatten schlicht keine Ahnung, wie man eine Transaktion auf der Blockchain nachverfolgt. Die Idee war deshalb, Know-how zentral zu bündeln: Ein kleines Team aus Staatsanwälten mit Erfahrung in Geldwäsche, Cybercrime und Vermögensabschöpfung sollte Verfahren landesweit unterstützen und selbst führen.
In der Praxis bedeutete das zweierlei. Einerseits ging das NCET gegen klassische Kriminelle vor, die Krypto nutzten – also Erpresser, Drogenhändler, Betrüger. Andererseits, und das war der politisch umstrittene Teil, richtete sich die Arbeit auch gegen die Infrastruktur: Börsen ohne ausreichende Geldwäsche-Kontrollen, Mixing-Dienste, Wallet-Anbieter. Die Logik dahinter: Wer Kriminellen die Werkzeuge liefert, soll mithaften. Genau an diesem zweiten Strang setzte die Kritik der Branche an. Sie sprach von „Regulierung durch Strafverfolgung“ – also davon, dass Regeln, die der Gesetzgeber nie klar formuliert hatte, im Gerichtssaal durchgesetzt wurden.
Aus der Praxis: Für deutsche Anleger war das NCET lange ein abstraktes Thema. Spürbar wurde es indirekt – etwa wenn große Börsen wegen US-Verfahren Funktionen abschalteten, Nutzer aus bestimmten Ländern aussperrten oder plötzlich deutlich strengere KYC-Prüfungen verlangten. Viel von dem, was du heute beim Kontoeröffnen an Ausweis-Fotos und Herkunftsnachweisen hochlädst, ist eine Folge genau dieser Verfahren.
Wann und wie wurde das NCET aufgelöst?
Das NCET wurde am 7. April 2025 durch ein Memo des stellvertretenden US-Justizministers Todd Blanche mit dem Titel „Ending Regulation by Prosecution“ mit sofortiger Wirkung aufgelöst.
Es gab dafür kein Gesetz, keine Abstimmung im Kongress und keine lange Übergangsfrist. Ein internes Memo reichte, weil das Justizministerium seine eigenen Prioritäten und seine Organisation selbst festlegt. Das Dokument ist öffentlich und erstaunlich kurz. Neben dem NCET betrifft es auch die Market Integrity and Major Frauds Unit der Wertpapierbetrugs-Abteilung, die ihre Krypto-Arbeit einstellen und sich auf andere Schwerpunkte konzentrieren sollte US-Justizministerium, Blanche-Memo, 7. April 2025.
Wichtig für die Einordnung: Das Memo kam nicht aus dem Nichts. Es setzte eine Executive Order des Präsidenten vom Januar 2025 um, die eine krypto-freundlichere Linie der gesamten Regierung vorgab. Die Auflösung des NCET war also ein Baustein in einem größeren Umbau, zu dem auch der Rückzug der Börsenaufsicht SEC aus zahlreichen Klagen und später das Stablecoin-Gesetz gehörten.
Was steht genau im Blanche-Memo „Ending Regulation by Prosecution“?
Das Blanche-Memo vom 7. April 2025 weist US-Staatsanwälte an, sich bei Krypto-Fällen auf Täter zu konzentrieren, die Anleger schädigen oder Krypto für Terror, Drogen-, Menschenhandel und organisierte Kriminalität nutzen – und Plattformen nicht mehr für die Taten ihrer Nutzer anzuklagen.
Das Memo lässt sich in drei Teile zerlegen. Erstens die Prioritäten: Verfolgt werden sollen Leute, die Krypto-Anleger direkt schädigen – durch Unterschlagung auf Börsen, Anlagebetrug, Rug Pulls, Hacks von Börsen oder DAOs und Exploits von Smart Contracts. Dazu kommen Täter, die Krypto als Werkzeug für schwere Verbrechen nutzen, etwa Terrorfinanzierung, Fentanyl-Handel, Menschenhandel oder Kartell-Finanzierung.
Zweitens die Abgrenzung: Börsen, Mixer und sogenannte Offline-Wallets sollen nicht mehr für das angeklagt werden, was ihre Endnutzer tun, oder für unwissentliche Regelverstöße – es sei denn, der Fall passt in die genannten Prioritäten. Drittens eine Liste von Delikten, die künftig in Krypto-Fällen grundsätzlich nicht mehr angeklagt werden sollen Blanche-Memo, 7. April 2025.
Unsere Einschätzung: Der Titel ist Programm. „Ending Regulation by Prosecution“ ist ein Kampfbegriff, den die Branche jahrelang gegen die Vorgängerregierung verwendet hat. Dass ein Justizministerium diesen Begriff wörtlich übernimmt, zeigt, wie stark sich die politische Stimmung gedreht hatte. Man kann das gut oder schlecht finden – sachlich ist es eine bewusste Entscheidung, Regelsetzung wieder an Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden zurückzugeben.
Welche Delikte verfolgt das US-Justizministerium seitdem nicht mehr?
Seit dem 7. April 2025 sollen US-Staatsanwälte in Krypto-Fällen keine reinen Regulierungsverstöße mehr anklagen – also unlizenzierte Geldübermittlung nach 18 U.S.C. § 1960(b)(1)(A) und (B), Verstöße gegen den Bank Secrecy Act sowie unregistrierte Wertpapier- und Broker-Geschäfte –, außer der Täter kannte die Pflicht und verstieß vorsätzlich dagegen.
Klingt juristisch, ist aber der Kern der ganzen Geschichte. Die meisten großen Verfahren gegen Krypto-Firmen der Jahre 2020 bis 2024 stützten sich genau auf diese Normen: Eine Plattform hat keine Lizenz als Geldübermittler, kein ordentliches Geldwäsche-Programm, verkauft Token, die eigentlich Wertpapiere sein könnten. Wer das nicht mehr anklagt, nimmt der Strafverfolgung ihren wichtigsten Hebel gegen Unternehmen.
Zwei Einschränkungen solltest du kennen. Die erste ist der Vorsatz: Wer nachweislich wusste, dass er eine Lizenz braucht, und es trotzdem ließ, kann weiterhin angeklagt werden. Die zweite ist der Unterabsatz (C) von § 1960 – die Übermittlung von Geldern, von denen man weiß, dass sie aus Straftaten stammen. Der ist ausdrücklich nicht ausgenommen. Zusätzlich sagt das Memo, dass Staatsanwälte die Frage „Ist dieser Token ein Wertpapier oder eine Ware?“ nicht mehr vor Gericht ausfechten sollen, wenn es eine gleichwertige Alternative wie Betrug per Post oder Telekommunikation (Mail oder Wire Fraud) gibt Blanche-Memo, 7. April 2025.
| Delikt / Fallgruppe | Vor April 2025 | Nach dem Blanche-Memo |
|---|---|---|
| Anlagebetrug, Rug Pull, Ponzi | verfolgt | verfolgt (Priorität) |
| Hack von Börse, DAO, Smart Contract | verfolgt | verfolgt (Priorität) |
| Krypto für Terror, Drogen, Menschenhandel | verfolgt | verfolgt (Priorität) |
| Wissentliches Waschen krimineller Gelder (§ 1960(b)(1)(C), § 1956) | verfolgt | weiter verfolgt |
| Plattform ohne Geldübermittler-Lizenz (§ 1960(b)(1)(A)/(B)) | häufig angeklagt | nur noch bei Vorsatz |
| Bank-Secrecy-Act-Verstöße (fehlendes AML-Programm) | häufig angeklagt | nur noch bei Vorsatz |
| Unregistrierte Wertpapieremission / Broker | angeklagt | nur noch bei Vorsatz |
Quelle: eigene Zusammenfassung von KryptoZukunft.com auf Basis des Blanche-Memos vom 7. April 2025; Stand 13. Oktober 2026.
Fall-Check: Würde das US-Justizministerium heute anklagen?
Wähle eine Konstellation. Die Einschätzung folgt der Logik des Blanche-Memos und der Galeotti-Aussagen – sie ersetzt keine Rechtsberatung und sagt nichts über deutsches Recht.
Hat die USA damit aufgehört, Krypto-Kriminalität zu verfolgen?
Nein – nach Auswertung von KryptoZukunft.com hat das US-Justizministerium zwischen Oktober 2025 und Februar 2026 sogar Rekordsummen gegen Krypto-Betrüger eingezogen, darunter eine Einziehungsklage über 127.271 Bitcoin und über 580 Millionen US-Dollar durch die neue Scam Center Strike Force.
Das ist der Punkt, an dem die alte Version dieses Artikels am deutlichsten danebenlag. Wer im April 2025 „Ende der Krypto-Strafverfolgung“ gelesen hat, hätte erwartet, dass es danach still wird. Das Gegenteil ist passiert – nur eben an anderer Stelle. Die Ressourcen sind von den Plattformen zu den Tätern gewandert. Das passt übrigens ziemlich genau zum Wortlaut des Memos, das Betrug an Anlegern zur obersten Priorität erklärt.
Man muss dabei ehrlich sein: Ob das insgesamt mehr oder weniger Strafverfolgung bedeutet, lässt sich nicht sauber messen. Es gibt keine offizielle Statistik, die alle Krypto-Verfahren des Justizministeriums vor und nach April 2025 vergleicht. Was wir sehen, sind einzelne, sehr große Fälle – und das Fehlen neuer großer Verfahren gegen Börsen. Beides zusammen ergibt das Bild einer Umschichtung, nicht eines Rückzugs.
Was ist die Scam Center Strike Force?
Die Scam Center Strike Force ist eine im November 2025 gegründete Ermittlungsgruppe unter Führung der US-Staatsanwaltschaft für den District of Columbia, die bis zum 26. Februar 2026 Krypto-Werte von mehr als 580 Millionen US-Dollar aus südostasiatischen Betrugsfabriken eingefroren, beschlagnahmt oder eingezogen hat.
Beteiligt sind unter anderem die Cybercrime-, Betrugs- und Geldwäsche-Abteilungen des Justizministeriums, das FBI, der Secret Service und die Steuerfahndung der IRS. Im Fokus stehen sogenannte Scam Compounds – oft in Kambodscha, Myanmar oder Laos –, in denen teils zur Arbeit gezwungene Menschen per Chat und Dating-App Opfer anwerben und zu angeblichen Krypto-Investments überreden. Laut der Behörde verlieren Amerikaner durch diese Industrie schätzungsweise fast 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr US Attorney’s Office D.C., 26. Februar 2026.
Unsere Rechnung: 580 Millionen US-Dollar in rund drei Monaten entsprechen etwa 193 Millionen pro Monat. Hochgerechnet auf ein Jahr wären das rund 2,3 Milliarden – also grob ein Viertel der geschätzten jährlichen Schadenssumme. Das klingt beeindruckend, ist aber mit Vorsicht zu genießen. Eingefroren heißt nicht zurückgezahlt, Hochrechnungen aus den ersten Monaten einer neuen Einheit sind meist zu optimistisch, und die 10-Milliarden-Schätzung ist selbst unsicher. Trotzdem zeigt die Größenordnung: Hier wird nicht symbolisch ermittelt.
Warum ist die Prince-Group-Beschlagnahme mit 127.271 Bitcoin so bedeutend?
Die Einziehungsklage gegen 127.271 Bitcoin aus dem Umfeld der kambodschanischen Prince Group vom 14. Oktober 2025 ist laut US-Justizministerium die größte Einziehungsaktion in der Geschichte der Behörde; damals entsprach sie rund 15 Milliarden US-Dollar.
Angeklagt wurde der Gründer und Vorsitzende der Prince Holding Group, Chen Zhi, wegen Verschwörung zum Überweisungsbetrug und zur Geldwäsche. Ihm wird vorgeworfen, Zwangsarbeits-Lager betrieben zu haben, aus denen heraus Anlagebetrug im industriellen Maßstab lief. Chen ist laut Behörde flüchtig, die Bitcoin befinden sich aber bereits in staatlicher Verwahrung US-Justizministerium, 14. Oktober 2025.
Warum das für dich als Anleger relevant ist, hat zwei Gründe. Erstens die schiere Menge: 127.271 BTC sind nach Berechnung von KryptoZukunft.com rund 0,61 Prozent der maximal möglichen 21 Millionen Bitcoin. Wenn ein Staat so viel hält, wird jede Entscheidung über Verkauf oder Halten marktrelevant. Zweitens die politische Verknüpfung: Beschlagnahmte Bitcoin sind genau der Topf, aus dem die US-Regierung ihre strategische Bitcoin-Reserve speisen will. Wie die Debatte darüber weiterläuft, haben wir in unserem Beitrag zum ARMA-Gesetzentwurf über eine Million Bitcoin aufgeschlüsselt.
Live-Check: Was sind die 127.271 Prince-Group-Bitcoin bei deinem Kurs wert?
Voreinstellung 87.000 $ = Kursniveau Ende September 2026 laut unserem Marktbericht vom 25. September 2026. Gib den aktuellen Kurs ein, um die Rechnung zu aktualisieren.
Was wurde aus Tornado Cash und Roman Storm?
Tornado-Cash-Mitgründer Roman Storm wurde im August 2025 von einer Jury in Manhattan wegen Verschwörung zum Betrieb eines unlizenzierten Geldübermittlungsgeschäfts schuldig gesprochen; bei Geldwäsche und Sanktionsverstößen konnte sich die Jury nicht einigen, die Neuauflage dieser Punkte wurde am 25. August 2026 auf den 26. April 2027 verschoben.
Der Fall Tornado Cash ist der Lackmustest für die ganze Debatte. Tornado Cash ist ein Protokoll auf Ethereum, das Transaktionen verschleiert, indem es Einzahlungen vieler Nutzer in einem Smart Contract mischt. Legale Nutzer schätzen das als Privatsphäre-Werkzeug; nordkoreanische Hacker nutzten es nachweislich, um Beute zu waschen. Die Anklage gegen Storm stammte noch aus der Zeit vor dem Memo – und wurde trotz des Kurswechsels weitergeführt.
Der Stand im Oktober 2026: Für den einen Schuldspruch, der maximal fünf Jahre Haft bedeutet, ist Storm noch nicht verurteilt worden. Sein Antrag auf Freispruch, verhandelt am 9. April 2026, war Ende August noch nicht entschieden. Die Staatsanwaltschaft unter US-Attorney Jay Clayton wollte die offenen Punkte eigentlich schon im Oktober 2026 neu verhandeln; die Richterin verlegte den Termin auf Ende April 2027, teilweise auf Wunsch der Verteidigung Decrypt, 26. August 2026. Die beiden Punkte, um die es dann geht, sehen zusammen bis zu 40 Jahre Haft vor.
Aus der Praxis: Dass ein Justizministerium, das „Regulierung durch Strafverfolgung“ beenden will, gleichzeitig einen Entwickler erneut vor Gericht stellen möchte, wirkt widersprüchlich. Die Erklärung liegt im Detail: Bei Storm geht es nicht mehr nur um die fehlende Lizenz, sondern um den Vorwurf, er habe gewusst, dass Kriminelle das Werkzeug nutzen, und nichts unternommen. Genau dieser Vorsatz-Vorwurf ist vom Memo nicht gedeckt.
Ist Programmieren von Krypto-Software in den USA jetzt straffrei?
Nur eingeschränkt: Der damalige amtierende Leiter der Strafrechtsabteilung, Matthew Galeotti, erklärte am 21. August 2025, dass „das bloße Schreiben von Code ohne böse Absicht kein Verbrechen“ sei und neue Anklagen nach § 1960(b)(1)(C) gegen Entwickler wirklich dezentraler, nicht-verwahrender Software nicht mehr genehmigt würden.
Die Aussage kam nur wenige Tage nach dem Storm-Urteil und war als Signal an Entwickler gedacht. Sie hat aber drei Bedingungen, die man nicht überlesen sollte: Die Software muss wirklich dezentral sein, sie darf nur Peer-to-Peer-Transfers automatisieren, und der Entwickler darf zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf Nutzergelder haben. Wer mit krimineller Absicht handelt, kann weiter wegen Geldwäsche nach § 1956 angeklagt werden Alston & Bird, 3. September 2025. Außerdem gilt die Linie laut Galeotti nur für neue Verfahren – laufende Fälle wie der von Storm blieben davon unberührt.
Für die DeFi-Welt ist das trotzdem eine spürbare Entlastung. Viele Teams, die in den USA aus Angst vor Anklagen keine Protokolle mehr veröffentlichen wollten, haben ihre Haltung danach überdacht. Unsere Einschätzung: Rechtssicherheit sieht anders aus. Eine Aussage in einer Rede kann die nächste Regierung mit einer anderen Rede wieder kassieren. Solange der Kongress keine klare gesetzliche Regel schafft, hängt der Schutz von Entwicklern am politischen Wetter.
Warum sitzen die Samourai-Wallet-Entwickler trotzdem in Haft?
Die Samourai-Wallet-Gründer Keonne Rodriguez und William Lonergan Hill wurden am 19. November 2025 zu fünf beziehungsweise vier Jahren Haft verurteilt, nachdem sie sich schuldig bekannt hatten; eine von Präsident Trump im Dezember 2025 in Aussicht gestellte Prüfung einer Begnadigung blieb bis Mai 2026 ohne Ergebnis.
Samourai war eine Bitcoin-Wallet mit eingebauter Mixing-Funktion. Anders als bei Tornado Cash lief ein Teil der Infrastruktur über Server der Betreiber, was den Fall juristisch näher an einen klassischen Dienstleister rückte. Die Gründer entschieden sich für ein Schuldbekenntnis statt eines Prozesses. Rodriguez sagte im Mai 2026, er rechne inzwischen damit, seine volle Strafe abzusitzen; eine Petition für seine Begnadigung hatte zu dem Zeitpunkt knapp 16.000 Unterschriften Cointelegraph, 7. Mai 2026.
Unsere Rechnung zeigt die Schieflage: Die Samourai-Gründer kommen zusammen auf neun Jahre Haft – für Delikte, die nach der neuen Linie in vergleichbaren künftigen Fällen womöglich gar nicht mehr angeklagt würden. Gleichzeitig wurde ein Börsengründer, der ein fehlendes Geldwäsche-Programm einräumte, begnadigt. Das ist der Teil der Bilanz, bei dem selbst viele Krypto-Befürworter von Willkür sprechen.
Welche Rolle spielen Begnadigungen wie die von Changpeng Zhao?
Präsident Trump begnadigte am 23. Oktober 2025 Binance-Gründer Changpeng Zhao, der sich 2023 schuldig bekannt hatte, kein wirksames Programm gegen Geldwäsche unterhalten zu haben, und dafür eine Haftstrafe verbüßt hatte.
Das Weiße Haus begründete den Schritt damit, die Vorgängerregierung habe Zhao aus dem Wunsch heraus verfolgt, „die Kryptoindustrie zu bestrafen“; es habe weder Betrugsvorwürfe noch identifizierbare Opfer gegeben. Gleichzeitig berichtete AP über Verbindungen zwischen Zhao und World Liberty Financial, dem Krypto-Unternehmen der Trump-Familie, sowie über einen Deal, bei dem ein Investmentfonds aus den Emiraten 2 Milliarden US-Dollar des Stablecoins USD1 für eine Beteiligung an Binance nutzen wollte AP via PBS NewsHour, 23. Oktober 2025.
Wir haben die Begnadigung und ihre Marktwirkung damals eigens analysiert in Trump begnadigt Binance-Gründer – was das für den Kryptomarkt bedeutet. Was belegt ist und was nur behauptet wird, trennt unser Faktencheck zu Binance, USD1 und der Trump-Verbindung. Unsere Einschätzung: Juristisch passt die Begnadigung zur Logik des Memos, denn Zhaos Delikt war genau ein solcher Regulierungsverstoß. Politisch ist sie das stärkste Argument der Kritiker, dass die neue Linie nicht nur von Prinzipien, sondern auch von Nähe zur Regierung abhängt.
Gab es Interessenkonflikte bei der NCET-Auflösung?
Laut einer Recherche von ProPublica vom 22. Dezember 2025 hielt Todd Blanche zum Zeitpunkt seines Memos vom 7. April 2025 noch Bitcoin im Wert von 100.000 bis 250.000 US-Dollar und trennte sich erst Ende Mai und Anfang Juni 2025 von seinen Krypto-Anlagen – später als in seiner Ethik-Vereinbarung zugesagt.
Laut ProPublica wiesen seine Offenlegungen Krypto-Anlagen zwischen 159.000 und 485.000 US-Dollar aus, darunter neben Bitcoin auch Solana, Ether und Coinbase-Aktien. Die Ethik-Vereinbarung sah vor, digitale Vermögenswerte innerhalb von 90 Tagen nach der Bestätigung am 5. März 2025 abzugeben. Den Großteil übertrug er schließlich an seine erwachsenen Kinder und ein Enkelkind. Befragte Ethik-Juristen sprachen von einem offensichtlichen Interessenkonflikt; Ministerium und Blanches Büro äußerten sich nicht ProPublica, 22. Dezember 2025.
Fairerweise: Ein Verstoß ist nicht gerichtlich festgestellt, und die inhaltliche Richtung des Memos war politisch ohnehin vorgegeben. Trotzdem gehört dieser Punkt in jede ehrliche Bilanz. Die Frage, ob Amtsträger Krypto halten dürfen, während sie Krypto-Politik machen, war übrigens einer der Gründe, an denen im September 2026 das große Marktstrukturgesetz im Senat scheiterte – dazu gleich mehr.
Wie groß ist Krypto-Kriminalität 2025/2026 wirklich?
Laut Chainalysis-Bericht vom 8. Januar 2026 flossen 2025 mindestens 154 Milliarden US-Dollar an illegale Krypto-Adressen – ein Plus von 162 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber weiterhin weniger als 1 Prozent des gesamten zuordenbaren On-Chain-Volumens.
Beide Hälften dieses Satzes sind wichtig, und je nachdem, wer zitiert, fällt gern eine davon weg. Die 154 Milliarden sind eine Untergrenze: Chainalysis zählt nur, was Adressen zugeordnet werden kann, die nachweislich zu Kriminellen, sanktionierten Akteuren oder Betrugsnetzwerken gehören. Den größten Teil des Anstiegs erklärt der Analyseanbieter mit Zahlungen an sanktionierte Einheiten, deren empfangenes Volumen um 694 Prozent zulegte Chainalysis, 8. Januar 2026.
Nach unserer Rückrechnung entspricht ein Plus von 162 Prozent einem Vorjahreswert von rund 59 Milliarden US-Dollar. Der Sprung hat also weniger mit klassischen Betrügern zu tun als mit Staaten und Organisationen, die Sanktionen umgehen. Für die Frage, ob die NCET-Auflösung Kriminalität befeuert hat, heißt das: Die Zahlen geben es nicht her. Ein Effekt von ein paar Monaten veränderter Strafverfolgungspraxis lässt sich aus einem Jahreswert, der von geopolitischen Strömen dominiert wird, nicht seriös herauslesen.
Gleichzeitig zeigt die Unter-1-Prozent-Quote, warum das alte Klischee „Krypto ist vor allem was für Kriminelle“ nicht trägt. Wer behauptet, die Branche habe ohne NCET ein Kriminalitätsproblem, sollte erklären, warum der Anteil illegaler Ströme seit Jahren in derselben Größenordnung liegt. Wer umgekehrt behauptet, das sei alles harmlos, sollte sich die Opferzahlen weiter unten ansehen.
| Kennzahl | Wert | Quelle, Stichtag |
|---|---|---|
| Illegale Krypto-Ströme 2025 (Untergrenze) | 154 Mrd. US-$ | Chainalysis, 8.1.2026 |
| Rückgerechneter Vorjahreswert 2024 | ca. 59 Mrd. US-$ | eigene Berechnung |
| Anteil am zuordenbaren On-Chain-Volumen | unter 1 % | Chainalysis, 8.1.2026 |
| Anteil Stablecoins am illegalen Volumen | 84 % (≈ 129 Mrd. US-$) | Chainalysis; Betrag eigene Berechnung |
| Gemeldete Krypto-Verluste USA 2025 | 11,37 Mrd. US-$ | FBI IC3 via Bitcoin Magazine, 7.4.2026 |
| Gewaltsame „Wrench Attacks“ 1. Hj. 2026 | 46 Fälle, über 30 Mio. US-$ | Chainalysis, 6.8.2026 |
Warum betreffen 84 Prozent der illegalen Ströme Stablecoins?
Stablecoins machten laut Chainalysis 2025 rund 84 Prozent des illegalen Krypto-Transaktionsvolumens aus, weil sie dollarstabil, schnell und weltweit übertragbar sind – genau die Eigenschaften, die auch Kriminelle und Sanktionsumgeher schätzen.
Bitcoin ist für Geldwäsche eigentlich ein schlechtes Werkzeug: Der Kurs schwankt, und jede Transaktion ist dauerhaft öffentlich sichtbar. Ein Dollar-Stablecoin auf einer günstigen Blockchain löst das erste Problem komplett. Deshalb überrascht es kaum, dass sich die Ströme dorthin verlagert haben. Interessant ist aber die Kehrseite: Zentral ausgegebene Stablecoins können vom Emittenten eingefroren werden. Das US-Stablecoin-Gesetz GENIUS Act, unterzeichnet am 18. Juli 2025, macht genau das zur Pflicht – Emittenten müssen Geldwäsche-Programme betreiben und technisch in der Lage sein, Coins auf Anordnung einzufrieren, zu beschlagnahmen oder zu vernichten Weißes Haus, Factsheet, 18. Juli 2025.
Das ist ein spannender Widerspruch der US-Politik: Auf der einen Seite verzichtet das Justizministerium darauf, Plattformen für fehlende Geldwäsche-Programme anzuklagen. Auf der anderen Seite schreibt ein neues Gesetz Stablecoin-Emittenten genau solche Programme vor. Unsere Einschätzung: Das ist weniger widersprüchlich, als es aussieht. Die Regierung will Pflichten per Gesetz und Aufsicht durchsetzen, nicht per Strafverfahren im Nachhinein. Ob das funktioniert, hängt davon ab, wie hart die Aufsicht tatsächlich prüft. In Europa haben die Regeln für Stablecoins übrigens schon ganz praktische Folgen gehabt – welche Börsen nach dem Ende von USDT für EU-Kunden noch was anbieten, steht in unserer Übersicht Krypto-Börsen mit Stablecoins 2026.
Wie viel Geld verlieren Anleger durch Krypto-Betrug?
Laut dem am 7. April 2026 veröffentlichten FBI-IC3-Jahresbericht meldeten Betroffene in den USA für 2025 Krypto-bezogene Verluste von 11,37 Milliarden US-Dollar, davon 7,2 Milliarden durch Krypto-Anlagebetrug und 4,43 Milliarden bei Menschen ab 60 Jahren.
Nach Berechnung von KryptoZukunft.com entfallen damit rund 63 Prozent aller gemeldeten Krypto-Verluste auf Anlagebetrug und knapp 39 Prozent auf die Altersgruppe ab 60. Besonders auffällig sind Krypto-Automaten: 389 Millionen US-Dollar Schaden bei 13.460 Beschwerden, ein Plus von 58 Prozent gegenüber 2024 Bitcoin Magazine zum FBI-IC3-Bericht, 7. April 2026. Unsere Rechnung: Das sind im Schnitt knapp 29.000 US-Dollar pro gemeldetem Automaten-Fall – meist das Ersparte von Menschen, die am Telefon von angeblichen Behörden oder Bankmitarbeitern unter Druck gesetzt wurden.
Das ist der Grund, warum wir die Verlagerung der US-Ressourcen hin zu Betrugsfällen grundsätzlich für richtig halten. Die Schäden, die direkt bei Privatleuten ankommen, sind real und groß. Ein Beispiel aus unserem Postfach, leicht verfremdet: Ein Leser aus Niedersachsen hatte über eine Dating-App jemanden kennengelernt, der ihm nach sechs Wochen eine „Trading-Plattform“ empfahl. Erst 500 Euro, dann ein Gewinn auf dem Bildschirm, dann 8.000 Euro Nachschuss, am Ende rund 23.000 Euro weg. Genau dieses Muster – Pig Butchering – ist das Geschäftsmodell der Scam Compounds, gegen die die Strike Force vorgeht.
In Europa nutzen Betrüger zusätzlich Umbrüche wie den MiCA-Stichtag: Wenn Plattformen schließen und Nutzer umziehen müssen, kommen gefälschte „Migrations-Mails“. Wie das konkret abläuft, beschreibt unser Bericht Über 1.700 Kryptoplattformen müssen den EU-Betrieb einstellen. Und auch physische Gewalt nimmt zu: Chainalysis zählte bis Ende Juni 2026 weltweit 46 gewaltsame Übergriffe auf Krypto-Besitzer mit mehr als 30 Millionen US-Dollar Beute, Frankreich allein kam auf 30 öffentlich bekannte Fälle Chainalysis, 6. August 2026.
Selbsttest: Wie viele Betrugs-Warnsignale hat dein Angebot?
Hake alles an, was auf das Angebot oder den Kontakt zutrifft. Der Test ist eine Orientierung, kein Freispruch.
Wie geht es mit CLARITY Act und SEC-Regeln weiter?
Der CLARITY Act, das geplante US-Marktstrukturgesetz für Krypto, scheiterte am 15. September 2026 im Senat mit 49 zu 50 Stimmen bei der Verfahrensabstimmung und blieb damit 11 Stimmen unter der nötigen Mehrheit von 60; seitdem bauen SEC und CFTC ein Übergangsregime auf Basis bestehender Befugnisse.
Streitpunkte waren laut der Kanzlei Orrick vor allem Ethik-Regeln für Krypto-Besitz von Bundesbeamten und Renditen auf Stablecoins, bei denen Banken einen Abfluss von Einlagen fürchten. Ein Senator stimmte taktisch mit Nein, um das Gesetz später wieder aufrufen zu können; wegen der Zwischenwahlen im November gilt eine Verabschiedung in dieser Legislaturperiode aber als unwahrscheinlich Orrick, 2. Oktober 2026. Die SEC hat am 18. August 2026 „Regulation Crypto Assets“ vorgeschlagen, mit Kommentarfrist bis 20. Oktober 2026; die CFTC hat am 17. September 2026 einen eigenen Regelentwurf zur Prüfung eingereicht.
Warum das zur NCET-Geschichte gehört? Weil das Blanche-Memo ausdrücklich davon ausging, dass Regeln künftig von Gesetzgeber und Aufsicht kommen sollen statt vom Staatsanwalt. Wenn der Gesetzgeber nicht liefert, entsteht eine Lücke. Das Strafrecht hält sich zurück, das Gesetz fehlt, und die Behördenregeln können nicht alles abdecken – insbesondere keine umfassende Vorrangwirkung gegenüber Landesrecht. Was der CLARITY Act inhaltlich vorsah, erklären wir in Clarity Act einfach erklärt; die SEC-Vorschläge im Detail findest du in SEC schlägt Krypto-Ausnahmen vor.
Unsere Einschätzung: Für Anleger ist diese Lücke kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur Vorsicht bei US-Projekten. Die Kurse haben das Scheitern im Senat bemerkenswert gelassen verdaut – Bitcoin stand zehn Tage später laut unserem oben verlinkten Marktbericht bei rund 87.000 US-Dollar. Das spricht dafür, dass der Markt die US-Regulierung inzwischen als langsamen Prozess einpreist und nicht mehr als binäres Ereignis.
Wie reagieren Europa und Deutschland – geht die EU den Gegenweg?
Die EU geht seit 2024 den umgekehrten Weg zur US-Linie: Statt Strafverfahren zurückzufahren, setzt sie mit der MiCA-Verordnung, deren Übergangsfrist am 1. Juli 2026 endete, und der neuen Geldwäschebehörde AMLA in Frankfurt auf flächendeckende Lizenzpflichten und Aufsicht im Vorfeld.
Wichtig ist der Unterschied in der Logik. Die USA sagen inzwischen: Wir bestrafen nicht, wer gegen unklare Regeln verstößt, sondern wer Menschen schadet. Die EU sagt: Wir machen die Regeln klar und lassen nur noch zugelassene Anbieter auf den Markt. Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Krypto-Dienstleister, die vorher nach nationalem Recht tätig waren, nur noch mit MiCA-Zulassung weitermachen; die ESMA führt dazu ein zentrales Register zugelassener Anbieter ESMA, MiCA-Seite, abgerufen 12. Oktober 2026. Was die MiCA-Verordnung im Alltag für dich bedeutet, haben wir ausführlich aufgeschrieben.
Daneben baut die EU mit der AMLA eine eigene Geldwäschebehörde mit Sitz im Frankfurter MesseTurm auf, die nationale Aufseher koordinieren soll; Anfang Oktober 2026 hat sie unter anderem eine Stellungnahme zur laufenden Überprüfung von MiCA veröffentlicht AMLA, Website, Stand 7. Oktober 2026. Und auch bei der klassischen Strafverfolgung ist Europa aktiv: Ende November 2025 haben das Bundeskriminalamt und Schweizer Behörden mit Unterstützung von Europol den Mixing-Dienst Cryptomixer abgeschaltet und Krypto-Werte von über 25 Millionen Euro beschlagnahmt; über den Dienst sollen seit 2016 mehr als 1,3 Milliarden Euro in Bitcoin gewaschen worden sein TRM Labs, 26. November 2025.
Ein Vergleich, der die unterschiedlichen Philosophien greifbar macht: Gegen einen reinen Mixing-Dienst, der Kundengelder durchschleust, würden US-Staatsanwälte nach der neuen Linie nur noch vorgehen, wenn sie Vorsatz nachweisen. Deutsche Ermittler haben genau so einen Dienst abgeschaltet. Unsere Rechnung zum Cryptomixer: 1,3 Milliarden Euro über knapp zehn Jahre sind im Schnitt etwa 130 Millionen Euro pro Jahr; beschlagnahmt wurden rund 1,9 Prozent der mutmaßlich gewaschenen Summe. Auch hier gilt also: Strafverfolgung trifft vor allem die Infrastruktur, das meiste Geld ist längst weg.
Für die Lage in Deutschland insgesamt lohnt ein Blick auf das Bundeslagebild Cybercrime 2025, das am 12. Mai 2026 vorgestellt wurde: rund 334.000 registrierte Fälle, 1.041 gemeldete Ransomware-Angriffe (etwa 10 Prozent mehr als im Vorjahr) und Lösegeldzahlungen von insgesamt rund 15,5 Millionen US-Dollar Bundesregierung, 12. Mai 2026. Lösegeld wird in aller Regel in Krypto gefordert – ein Thema, bei dem Europa und die USA trotz unterschiedlicher Philosophien eng zusammenarbeiten.
Was ändert sich 2027 mit dem EU-Verbot anonymer Krypto-Konten?
Ab dem 10. Juli 2027 gilt die EU-Geldwäscheverordnung (EU) 2024/1624, nach der Krypto-Dienstleister keine anonymen Konten mehr führen und keine anonymitätsfördernden Krypto-Werte wie Monero mehr anbieten dürfen.
Die Verordnung wurde am 31. Mai 2024 erlassen und gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten EUR-Lex, Verordnung (EU) 2024/1624. Für Privacy Coins bedeutet sie, dass regulierte Börsen sie aus dem Angebot nehmen müssen – was viele bereits vorab getan haben The Defiant, 3. Mai 2025. Der Besitz selbst wird dadurch nicht verboten; wer Coins in einer eigenen Wallet hält, ist nicht direkt betroffen. Wie der Markt mit diesem Gegenwind umgeht, zeigen unsere Analysen zu Monero (XMR) 2026 und Zcash (ZEC) 2026.
Aus der Praxis: Für die allermeisten Anleger in Deutschland ändert sich dadurch wenig, weil anonyme Konten bei regulierten Börsen schon heute nicht möglich sind. Wer aber Privacy Coins hält und sie irgendwann wieder in Euro tauschen will, sollte sich rechtzeitig überlegen, über welchen legalen Weg das 2027 noch geht.
Was bedeutet die US-Wende konkret für deutsche Anleger?
Für Anleger in Deutschland ändert die NCET-Auflösung an den eigenen Pflichten nichts: Hier gelten MiCA, das deutsche Geldwäschegesetz und das Steuerrecht unverändert, und Behörden erhalten über die EU-Meldepflicht DAC8 seit dem 1. Januar 2026 Daten von Krypto-Dienstleistern.
Indirekt spürst du die US-Wende aber an drei Stellen. Erstens bei den großen internationalen Börsen: Weniger Strafdruck aus den USA heißt nicht weniger Kontrollen in der EU. Wer in Europa eine Lizenz will, muss die strengeren europäischen Regeln erfüllen – das erklärt, warum manche Börsen für Deutsche gesperrt oder eingeschränkt wurden, während sie anderswo expandieren. Welche Anbieter für deutsche Nutzer derzeit infrage kommen, zeigt unser Vergleich Beste Kryptobörse in Deutschland 2026.
Zweitens bei Kontosperren: Regulierte Börsen in der EU frieren Konten ein, wenn Gelder aus Mixern oder verdächtigen Quellen kommen. Das passiert auch ehrlichen Nutzern, etwa wenn sie Coins von einer Privatperson gekauft haben, deren Historie problematisch ist. Wie du damit umgehst, steht in Mein Konto bei der Kryptobörse wurde gesperrt – was jetzt?.
Drittens beim Thema Transparenz gegenüber dem Staat. Viele Leser fragen uns, ob die lockerere US-Linie bedeutet, dass auch hierzulande weniger hingeschaut wird. Die Antwort ist klar nein. Was deutsche Behörden über deine Kryptowerte wissen, haben wir in Kann das Finanzamt meine Wallet sehen? zusammengefasst; die steuerlichen Grundlagen stehen im Krypto-Steuer-Guide 2026. Und weil die Bundesregierung gerade an der Haltefrist schraubt, lohnt auch ein Blick auf Klingbeils Krypto-Steuer-Entwurf.
Wird der Kryptomarkt durch weniger Strafverfolgung sicherer oder riskanter?
Nach Einschätzung von KryptoZukunft.com (Stand Oktober 2026) wird der Kryptomarkt durch die US-Wende weder eindeutig sicherer noch riskanter: Das Risiko verschiebt sich von staatlichen Verfahren gegen Plattformen hin zu Hacks, Betrug und Verwahrungsrisiken, gegen die sich Anleger vor allem selbst schützen müssen.
Weniger Verfahren gegen Börsen bedeutet für dich zunächst weniger Risiko, dass eine Plattform über Nacht wegen einer US-Anklage einfriert. Das ist ein echter Vorteil. Gleichzeitig fällt ein externer Druck weg, der Plattformen gezwungen hat, in Sicherheit und Kontrollen zu investieren. Wie teuer Sicherheitslücken werden können, haben im Herbst 2026 gleich zwei Fälle gezeigt: der Bitget-Hack mit 351,6 Millionen Dollar Abfluss und die manipulierten Ledger-Geräte über den Händler CryptoBilis.
Unsere Einschätzung: Die wichtigste Konsequenz für Privatanleger ist banal, wird aber oft ignoriert. Wenn der Staat sich zurückzieht, wächst die Eigenverantwortung. Das heißt konkret: nur bei Anbietern mit EU-Lizenz handeln, größere Beträge in eigener Verwahrung halten, Hardware nur direkt beim Hersteller kaufen und jedes Renditeversprechen mit mehr als einer Handvoll Prozent im Jahr kritisch prüfen. Wer neu einsteigt, findet die Grundlagen im Einsteiger-Guide 2026.
War die NCET-Auflösung richtig? Unsere Bilanz nach 18 Monaten
Die Bilanz von KryptoZukunft.com nach 18 Monaten (Oktober 2026) fällt gemischt aus: Die Konzentration auf Betrug und schwere Kriminalität hat messbare Erfolge gebracht, doch ungleiche Behandlung vergleichbarer Fälle, ungeklärte Interessenkonflikte und das Scheitern des CLARITY Act lassen eine Rechtsunsicherheit zurück.
Fangen wir mit dem Positiven an. Die Idee, dass Strafrecht nicht der richtige Ort ist, um ungeklärte Regulierungsfragen zu entscheiden, ist vernünftig. Wenn selbst Fachleute streiten, ob ein Token ein Wertpapier ist, sollte nicht ein Geschworenengericht diese Frage mit Haftstrafen beantworten. Und die Verlagerung der Kräfte auf Anlagebetrug und Scam-Fabriken hat zu den größten Einziehungen in der Geschichte des Ministeriums geführt. Das hilft Opfern direkter als ein Prozess gegen eine Börse wegen Formfehlern.
Jetzt das Negative. Erstens die Ungleichbehandlung: Der Börsengründer mit Geldwäsche-Versäumnissen wird begnadigt, die Wallet-Entwickler sitzen, der Tornado-Cash-Entwickler muss erneut vor Gericht. Für Außenstehende ist kaum nachvollziehbar, nach welchem Prinzip hier entschieden wird. Zweitens die Interessenkonflikte, die zumindest den Eindruck erwecken, dass persönliche Nähe zur Branche eine Rolle spielt. Drittens die Lücke: Ein Memo kann man mit dem nächsten Memo rückgängig machen. Ohne Gesetz bleibt alles vorläufig.
Was heißt das für die nächsten Jahre? Unsere Szenarien, ehrlich mit Unsicherheit: Bleibt es bei der aktuellen Linie und kommt ein Marktstrukturgesetz nach den Zwischenwahlen doch noch zustande, dürfte sich ein stabiler Rahmen bilden, in dem Plattformen klare Pflichten haben und Strafverfolgung sich auf echte Kriminelle konzentriert. Kippt die politische Mehrheit, ist ein Pendelschlag zurück zu härteren Verfahren gegen Plattformen realistisch – dann könnten heutige Freiräume rückwirkend teuer werden. Die Wahrscheinlichkeiten dafür können wir nicht seriös beziffern. Wir halten aber das erste Szenario mittelfristig für etwas wahrscheinlicher, weil beide großen Parteien in Washington inzwischen grundsätzlich einen gesetzlichen Rahmen wollen und vor allem über Details streiten. Wie sich Krypto insgesamt von der Nische zur regulierten Anlageklasse entwickelt, beschreibt unser Überblick Krypto wird erwachsen – der Stand 2026.
Laut KryptoZukunft.com-Analyse (Felix Rieger, Oktober 2026) hat die Auflösung des NCET am 7. April 2025 die US-Strafverfolgung von Krypto-Plattformen und Entwicklern stark zurückgefahren, die Verfolgung von Krypto-Betrug aber nicht beendet, sondern verstärkt.
Die Scam Center Strike Force hat zwischen November 2025 und dem 26. Februar 2026 Krypto-Werte von mehr als 580 Millionen US-Dollar eingefroren, beschlagnahmt oder eingezogen.
Die Einziehungsklage über 127.271 Bitcoin gegen das Umfeld der Prince Group vom 14. Oktober 2025 entspricht nach Berechnung von KryptoZukunft.com rund 0,61 Prozent aller jemals existierenden Bitcoin.
Illegale Krypto-Ströme lagen 2025 laut Chainalysis bei mindestens 154 Milliarden US-Dollar und damit unter 1 Prozent des zuordenbaren On-Chain-Volumens; 84 Prozent davon liefen über Stablecoins.
Für deutsche Anleger ändert die US-Wende nichts an den eigenen Pflichten: MiCA gilt seit dem 1. Juli 2026 ohne Übergangsfrist, und ab dem 10. Juli 2027 verbietet die EU-Geldwäscheverordnung anonyme Krypto-Konten bei Dienstleistern.
Als ich im April 2025 die erste Version dieses Artikels geschrieben habe, war ich ehrlich gesagt euphorisch. Endlich, dachte ich, hört der Staat auf, eine ganze Branche wie einen Tatverdächtigen zu behandeln. Diese Euphorie hat dem Text nicht gutgetan. Ich habe die Auflösung als mutigen Schritt gefeiert, ohne zu fragen, was danach mit Betrugsopfern passiert, ohne an die Entwickler zu denken, deren Verfahren weiterliefen, und ohne zu prüfen, wer an der Entscheidung persönlich ein Interesse haben könnte. Achtzehn Monate später sehe ich das nüchterner. Ich halte es weiterhin für richtig, dass Staatsanwälte keine offenen Regulierungsfragen im Gerichtssaal entscheiden sollten. Aber ich habe unterschätzt, wie willkürlich ein System wirkt, das auf Memos und Begnadigungen statt auf Gesetzen beruht. Dass die Samourai-Entwickler sitzen, während andere begnadigt werden, finde ich schwer erklärbar. Und ich muss zugeben, dass ich die Interessenkonflikte damals gar nicht auf dem Schirm hatte – das hätte ich als Redakteur prüfen müssen, bevor ich applaudiere. Für dich als Leser ziehe ich daraus eine einfache Lehre: Verlass dich nicht darauf, dass irgendeine Behörde dich schützt oder in Ruhe lässt. Handle bei regulierten Anbietern, verwahre größere Beträge selbst und sei misstrauisch gegenüber jedem, der dir am Telefon oder im Chat Renditen verspricht. Das hier ist meine persönliche Einordnung als Redakteur, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Felix Rieger · Gründer & Chefredakteur · KryptoZukunft.com · 13. Oktober 2026
Quiz: Wie gut kennst du die US-Krypto-Strafverfolgung nach 2025?
1. Wann wurde das NCET aufgelöst?
2. Welche Fallgruppe ist laut Blanche-Memo weiterhin Priorität?
3. Wie viele Bitcoin umfasst die Einziehungsklage gegen das Prince-Group-Umfeld?
4. Wofür wurde Roman Storm im August 2025 schuldig gesprochen?
5. Welcher Anteil der illegalen Krypto-Ströme 2025 lief laut Chainalysis über Stablecoins?
6. Ab wann verbietet die EU-Geldwäscheverordnung anonyme Krypto-Konten bei Dienstleistern?
Punkte: 0 von 6 – klick dich durch die Fragen.
FAQ: Häufige Fragen zur NCET-Auflösung und US-Krypto-Strafverfolgung
Was bedeutet NCET?
Wer hat das NCET aufgelöst?
Warum wurde das NCET aufgelöst?
Werden Krypto-Betrüger in den USA noch verfolgt?
Welche Delikte werden in Krypto-Fällen nicht mehr angeklagt?
Was ist die Scam Center Strike Force?
Wie viele Bitcoin wurden bei der Prince Group beschlagnahmt?
Wurde Roman Storm verurteilt?
Ist das Entwickeln von Mixer-Software in den USA legal?
Wie lange müssen die Samourai-Wallet-Gründer in Haft?
Wurde Changpeng Zhao begnadigt?
Gab es Kritik wegen Interessenkonflikten?
Wie hoch war die Krypto-Kriminalität 2025?
Wie viel Geld verloren Amerikaner 2025 durch Krypto-Betrug?
Was ist aus dem CLARITY Act geworden?
Gilt die lockerere US-Linie auch in Deutschland?
Werden Privacy Coins in der EU verboten?
Verfolgen deutsche Behörden Krypto-Mixer?
Was sollten Anleger aus der NCET-Auflösung lernen?
Weiterlesen auf KryptoZukunft.com
Quellen
- US-Justizministerium: Memo „Ending Regulation by Prosecution“, 7. April 2025
- ProPublica: Todd Blanche Shut Down Crypto Enforcement While Holding Crypto Assets, 22. Dezember 2025
- US Attorney’s Office D.C.: Scam Center Strike Force Seizures Top $580 Million, 26. Februar 2026
- US-Justizministerium: Chairman of Prince Group Indicted, 14. Oktober 2025
- Decrypt: Roman Storm’s Tornado Cash Retrial Pushed to April 2027, 26. August 2026
- Alston & Bird: DOJ Illicit Finance Enforcement and DeFi, 3. September 2025
- Cointelegraph: Samourai Wallet Co-Founder Appeals for Donations, 7. Mai 2026
- AP via PBS NewsHour: Trump Pardons Binance Founder Changpeng Zhao, 23. Oktober 2025
- Chainalysis: 2026 Crypto Crime Report – Introduction, 8. Januar 2026
- Chainalysis: Violent Wrench Attacks Targeting Crypto Holders, 6. August 2026
- Bitcoin Magazine: American Crypto Fraud Topped $11 Billion (FBI IC3 2025), 7. April 2026
- Weißes Haus: Fact Sheet GENIUS Act, 18. Juli 2025
- Orrick: The CLARITY Act Stalls in the Senate, 2. Oktober 2026
- ESMA: Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA), abgerufen 12. Oktober 2026
- AMLA – EU-Behörde zur Bekämpfung der Geldwäsche, Stand 7. Oktober 2026
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/1624 (AMLR), 31. Mai 2024
- The Defiant: EU AML Rules Ban Anonymous Accounts, Privacy Coins, 3. Mai 2025
- TRM Labs: Cryptomixer Taken Down by Europol, German, Swiss Authorities, 26. November 2025
- Bundesregierung: Bundeslagebild Cybercrime 2025, 12. Mai 2026
Zitiervorschlag: Rieger, Felix (2026): NCET aufgelöst: Was ist aus der US-Krypto-Strafverfolgung geworden? Bilanz & Folgen 2026. KryptoZukunft.com, aktualisiert am 13. Oktober 2026. https://kryptozukunft.com/2025/04/08/aufloesung-der-ncet/
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Kryptowerte sind hochspekulativ und können bis zum Totalverlust führen. Rechtliche Einschätzungen zu US-Recht sind vereinfachte Zusammenfassungen öffentlicher Dokumente und können sich jederzeit ändern. Prüfe vor jeder Entscheidung die aktuellen Bedingungen und hole bei Bedarf fachkundigen Rat ein. Stand aller Angaben: 13. Oktober 2026.