SEC schlägt Krypto-Ausnahmen vor: 5 und 75 Millionen Dollar ohne Registrierung – und ein Ausgang aus dem Wertpapierrecht
Inhaltsverzeichnis (22)
- SEC schlägt Krypto-Ausnahmen vor: 5 und 75 Millionen Dollar ohne Registrierung – und ein Ausgang aus dem Wertpapierrecht
- Was genau schlägt die SEC vor?
- Wie funktioniert der Safe Harbor?
- Woher kommt die Idee?
- Wie ordnet sich der Vorschlag in Project Crypto ein?
- Was besagt die Token-Taxonomie?
- Was bedeutet das für deutsche Anleger?
- Was ist der Unterschied zum europäischen Ansatz?
- Warum handelt die SEC jetzt selbst?
- Welche Kritik gibt es?
- Was sagen die Befürworter?
- 🧭 Einordnungs-Tool: Betrifft mich das?
- Was bedeutet der Vorschlag für einzelne Coins?
- Wie verhält sich das zur Durchsetzung in Europa?
- Wie geht es weiter?
- Was heißt das für dich konkret?
- Was sich bei Neuprojekten ändern könnte
- Ändert der Vorschlag etwas an meiner Steuer?
- Fazit
- Häufige Fragen zum SEC-Vorschlag
- Weiterführende Artikel
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SEC schlägt Krypto-Ausnahmen vor: 5 und 75 Millionen Dollar ohne Registrierung – und ein Ausgang aus dem Wertpapierrecht
Während in Europa nach dem MiCA-Stichtag über 1.700 Anbieter ihr Geschäft einstellen müssen, geht die US-Börsenaufsicht den entgegengesetzten Weg: SEC-Chairman Paul Atkins stellte am 18. August Regulation Crypto Assets vor – zwei Ausnahmen von der Registrierungspflicht und einen Safe Harbor, über den ein Token das Wertpapierrecht dauerhaft verlassen kann. Der Vorschlag ist noch nicht in Kraft. Was drinsteht, was er für deutsche Anleger bedeutet und warum die Kritik nicht von ungefähr kommt.
Die SEC hat den Entwurf am 18. August 2026 veröffentlicht und eine 60-tägige öffentliche Kommentierungsfrist eröffnet. Erst danach kann die Behörde an einer endgültigen Regel arbeiten. Bis dahin ändert sich rechtlich nichts – weder in den USA noch für dich in Deutschland, wo ohnehin MiCA gilt.
Einordnung für Einsteiger
Wer die Begriffe hinter dieser Meldung noch nicht kennt: Wir erklären in eigenen Beiträgen, was ein Token ist, wie eine Blockchain funktioniert und was Stablecoins ausmacht. Den europäischen Rahmen beschreibt unser Beitrag zur MiCA-Verordnung, das parallel laufende US-Gesetzgebungsverfahren der Artikel zum Clarity Act.
Was genau schlägt die SEC vor?
Drei Bausteine, die zusammen wirken sollen.
| Baustein | Umfang | Zweck |
|---|---|---|
| Startup-Ausnahme | bis 5 Mio. $ über vier Jahre | Frühphasen-Finanzierung ohne Registrierung |
| Fundraising-Ausnahme | bis 75 Mio. $ je Zwölfmonatszeitraum | größere Runden mit strengeren Auflagen |
| Investment Contract Safe Harbor | Bescheinigung des Emittenten | Ausgang aus dem Wertpapierstatus |
| Offenlegungspflichten | prinzipienbasiert, auf Kryptowerte zugeschnitten | Anlegerschutz erhalten |
| Verhältnis zum Landesrecht | Verdrängung bestimmter einzelstaatlicher Regeln | einheitlicher Rahmen |
Angaben nach der Erklärung von Chairman Atkins vom 18.08.2026 sowie The Crypto Times und AMBCrypto.
Wie funktioniert der Safe Harbor?
Das ist der inhaltlich weitreichendste Teil – und der umstrittenste.
Der Gedanke dahinter: Ein Token wird oft im Rahmen eines Investmentvertrags ausgegeben – ein Team sammelt Geld ein und verspricht, ein Netzwerk zu bauen. Solange dieses Versprechen läuft, greift das Wertpapierrecht. Ist die Arbeit abgeschlossen und das Netzwerk läuft eigenständig, endet nach dieser Lesart auch der Vertrag.
Konkret könnte ein Projekt bei der SEC eine Mitteilung einreichen, dass es die wesentlichen zugesagten Leistungen erbracht oder dauerhaft eingestellt hat. Sind die Bedingungen erfüllt, könnten weitere Transaktionen mit dem Token getrennt vom ursprünglichen Wertpapierangebot behandelt werden.
Der Haken, den Beobachter benennen
Die Einreichung der Mitteilung könnte als Eingeständnis gewertet werden, dass der Token vorher sehr wohl Teil eines Wertpapiergeschäfts war. Für Projekte, die bislang argumentieren, nie ein Wertpapier gewesen zu sein, ist der Weg damit nicht risikofrei.
Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern eine Konsequenz der Systematik: Wer einen Ausgang nutzt, bestätigt implizit, drinnen gewesen zu sein.
Woher kommt die Idee?
Von Hester Peirce – und das ist mehr als eine Fußnote.
Die SEC-Kommissarin schlug bereits 2020 einen „Token Safe Harbor“ vor, veröffentlicht unter dem Titel Running on Empty: A Proposal to Fill the Gap Between Regulation and Decentralization. Sechs Jahre später ist genau dieser Gedanke die intellektuelle Grundlage des Safe-Harbor-Bestandteils. Atkins würdigte Peirce in seiner Erklärung ausdrücklich als Urheberin.
Der Zeitfaktor, den man kennen sollte
Peirce ist seit Januar 2018 SEC-Kommissarin und leitete ab Januar 2025 die Crypto Task Force. Ihre Amtszeit lief bereits Mitte 2025 aus – Kommissare können bis zu achtzehn Monate darüber hinaus amtieren, bis ein Nachfolger bestätigt ist.
Nach Berichten steht ihr Ausscheiden im November 2026 an. Das ist für den Zeitplan der Regelsetzung relevant: Die 60-tägige Kommentierungsfrist endet Mitte Oktober, die endgültige Regel würde danach erarbeitet.
Wie ordnet sich der Vorschlag in Project Crypto ein?
Atkins kündigt Token-Taxonomie an
In einer Grundsatzrede skizziert der SEC-Chairman „Project Crypto“ und die Absicht, eine formale Token-Taxonomie zu schaffen. Kernaussage: Die meisten heute gehandelten Token seien selbst keine Wertpapiere.
Taxonomie für tokenisierte Wertpapiere
Eine Stellungnahme der Behörde legt eine Systematik für tokenisierte Wertpapiere vor und bereitet die Regelsetzung vor.
Gemeinsame Interpretation mit der CFTC
SEC und CFTC veröffentlichen eine gemeinsame Auslegung, wie das Wertpapierrecht auf Kryptowerte anzuwenden ist – mit fünf Kategorien, von denen vier keine Wertpapiere sind.
Innovation Exemption angekündigt
Zum ersten Jahrestag seiner Amtszeit kündigt Atkins eine Ausnahmeregelung für den Handel tokenisierter Wertpapiere on-chain an und formuliert die Strategie „Advance, Clarify, Transform“.
Abstimmung fällt aus
Die für diesen Tag angesetzte Sitzung zur Abstimmung über Regulation Crypto wird abgesagt – die Veröffentlichung verschiebt sich um wenige Tage.
Regulation Crypto Assets veröffentlicht
Die SEC legt den Vorschlag vor und eröffnet die 60-tägige Kommentierungsfrist. Es ist der erste förmliche Regelvorschlag der Behörde zu Kryptowerten unter Atkins.
Was besagt die Token-Taxonomie?
Sie ist die Grundlage, auf der der neue Vorschlag aufbaut – und sie verschiebt die Zuständigkeit der SEC erheblich.
Digital Commodities
Auch Netzwerk-Token genannt. Ihr Wert entsteht aus einem funktionierenden, dezentralen System – nicht aus der Managementleistung einer Person oder eines Teams.
Digital Collectibles
NFTs, die zum persönlichen Gebrauch erworben werden – Sammlerstücke statt Anlageinstrumente.
Digital Tools
Zugangsberechtigungen und Netzwerk-Teilnahmerechte. Der Token ist Werkzeug, nicht Beteiligung.
Payment Stablecoins
Zahlungs-Stablecoins nach der Definition des GENIUS Act. In Europa greift dafür ein eigenes Regime – Details im Beitrag zu Börsen mit Stablecoins.
Digital Securities
Tokenisierte klassische Wertpapiere – Aktien, Staatsanleihen und Ähnliches. Nur diese Kategorie bleibt eindeutig in der Zuständigkeit der SEC. Wie Tokenisierung funktioniert, erklärt unser Beitrag zu Real-World-Assets.
Der Satz, der die Verschiebung zusammenfasst
Atkins formulierte es in einer Rede so, dass die Behörde nicht mehr die „Securities and Everything Commission“ sei. Gemeint ist: Von fünf Kategorien fallen vier aus der direkten Wertpapieraufsicht heraus.
Wichtig für das Verständnis: Die Taxonomie ist prinzipienbasiert und keine feste Liste. Atkins beschrieb es mit einem Bild aus dem Howey-Fall, in dem es um Orangenplantagen ging – es gehe nicht um die Orange selbst, sondern um die Versprechen, die um sie herum gemacht werden.
Was bedeutet das für deutsche Anleger?
Unmittelbar nichts – und diese Einordnung ist die wichtigste des Artikels.
Für dich als deutschen Anleger gilt europäisches Recht. Der Rahmen heißt MiCA, die Aufsicht liegt bei BaFin und ESMA, und die Besteuerung richtet sich nach deutschem Einkommensteuerrecht. Ein US-Regelvorschlag ändert daran nichts – auch dann nicht, wenn er in Kraft tritt.
| Bereich | Was für dich gilt | Ändert sich das? |
|---|---|---|
| Zulassung deiner Börse | MiCA-CASP-Lizenz, ESMA-Register | nein |
| Stablecoins | E-Geld-Token-Regime nach MiCA | nein |
| Besteuerung | § 23 EStG, nach einem Jahr steuerfrei | nein |
| Anlegerschutz | Vermögenstrennung, Beschwerdestelle | nein |
| Verfügbarkeit von Token | hängt von der Börse ab | mittelfristig möglich |
Wo der Vorschlag dich indirekt erreichen könnte
Über die Projekte selbst. Viele Krypto-Teams sind in den vergangenen Jahren ins Ausland ausgewichen, weil in den USA unklar war, ob ihr Token als Wertpapier gilt. Werden die Ausnahmen wirksam, könnten Projekte dorthin zurückkehren – und ein Projekt, das in den USA regulär Kapital aufnehmen kann, entwickelt sich anders als eines, das im rechtlichen Graubereich operiert.
Das ist ein langfristiger, indirekter Effekt. Wer daraus eine kurzfristige Kursprognose ableitet, überdehnt den Befund erheblich.
Was ist der Unterschied zum europäischen Ansatz?
Beide Rechtsräume steuern auf Klarheit zu – aber von entgegengesetzten Seiten.
| EU / MiCA | USA / Regulation Crypto | |
|---|---|---|
| Ansatz | eigenes Regelwerk für Kryptowerte | Ausnahmen vom bestehenden Wertpapierrecht |
| Zulassungspflicht | für Dienstleister zwingend | Ausnahmen für Emittenten |
| Status | seit 2024/2026 in Kraft | Vorschlag, 60 Tage Kommentierung |
| Wirkung bisher | über 1.700 Anbieter müssen einstellen | soll Rückkehr ermöglichen |
| Rechtsform | Verordnung, unmittelbar geltend | Behördenregel, ohne Gesetz umkehrbar |
Details zur europäischen Seite in unserer Einordnung Über 1.700 Kryptoplattformen müssen den EU-Betrieb einstellen.
Der Unterschied, der langfristig zählt
MiCA ist eine Verordnung – beschlossen von Parlament und Rat, unmittelbar geltend und nur durch ein neues Gesetzgebungsverfahren änderbar. Regulation Crypto wäre eine Behördenregel. Sie kann von einer künftigen Kommission zurückgenommen werden, ohne dass der Kongress zustimmen muss.
Atkins selbst hat das benannt: Gesetzgebung bleibe unverzichtbar, um Regeln zu schaffen, die von einem künftigen Regulierer nicht rückgängig gemacht werden könnten. Genau darum geht es beim Clarity Act.
Warum handelt die SEC jetzt selbst?
Weil die Aussichten für das Gesetz schlechter geworden sind.
Die SEC hatte sich lange zurückgehalten, um dem Kongress nicht vorzugreifen. Inzwischen haben sich die Erwartungen verschoben: Galaxy Research senkte die Wahrscheinlichkeit, dass der Clarity Act 2026 Gesetz wird, von 50 auf 30 Prozent. Prognosemärkte lagen zeitweise bei rund 17 Prozent.
Die Rechnung dahinter ist einfach: Republikaner halten 53 Senatssitze, mindestens zwei Abweichler werden erwartet – das ergibt rund 50 Stimmen bei 60 benötigten.
Die Konsequenz
Wenn ein Gesetz absehbar nicht kommt, bleibt der Behörde nur, selbst Regeln zu schreiben. Das erklärt das Timing – und zugleich die größte Schwäche des Ansatzes: Was eine Behörde setzt, kann eine Behörde wieder aufheben.
Die vollständige Einordnung des Gesetzgebungsverfahrens steht in unserem Beitrag zum Clarity Act.
Welche Kritik gibt es?
Sie kommt aus zwei Richtungen und ist substanziell.
Aus dem Senat: Elizabeth Warren und Chris Van Hollen warnten bereits im April 2026, die Richtung der Behörde riskiere Ausnahmen, die jahrzehntelang gewachsenen Anlegerschutz untergraben. Demokratische Abgeordnete kritisieren zudem, dass die SEC unter Atkins Verfahren gegen große Kryptounternehmen zurückgefahren habe.
Aus der Fachwelt: Lynn Turner, früherer Chefbuchhalter der SEC, bezeichnete den Ausnahmerahmen im Clarity Act als erheblich mangelhaft und sah die Gefahr von Betrugsfällen in der Größenordnung des FTX-Zusammenbruchs. Dieselbe Kritik trifft den Vorschlag der Behörde.
Der Kern des Arguments – fair zusammengefasst
Eine Startup-Ausnahme, die es erlaubt, fünf Millionen Dollar mit Whitepaper-artiger Offenlegung einzusammeln, schafft einen legalen Weg für seriöse Projekte – und denselben legalen Weg für unseriöse, die die geringeren Anforderungen nutzen, um wesentliche Risiken zu verbergen.
Das ist kein hypothetisches Risiko. Genau dieses Muster hat den ICO-Boom von 2017 geprägt, und die Aufarbeitung dauerte Jahre. Wer den Vorschlag bewertet, sollte diese Erfahrung mitdenken – ohne daraus abzuleiten, dass jede Erleichterung falsch wäre.
Was sagen die Befürworter?
Kommissarin Peirce beschrieb die Regelsetzung als Ergebnis umfangreicher öffentlicher Beteiligung – Rückmeldungen von Befürwortern und Kritikern hätten den Rahmen geformt. Kommissar Mark Uyeda argumentierte, Regelsetzung könne die Unsicherheit ersetzen, die aus einer durchsetzungsgetriebenen Aufsicht entstehe.
Der Kerngedanke: Klare Regeln vorab sind besser als nachträgliche Verfahren. Wer erst nach Jahren erfährt, dass sein Produkt als Wertpapier gilt, kann sich nicht daran halten.
🧭 Einordnungs-Tool: Betrifft mich das?
Drei Fragen, die zeigen, ob der Vorschlag für dich praktisch relevant ist. Keine Rechts- oder Anlageberatung.
Was bedeutet der Vorschlag für einzelne Coins?
Die Taxonomie sortiert Kategorien, keine konkreten Token – trotzdem lassen sich einige Konsequenzen ableiten.
| Fall | Einordnung nach der Taxonomie | Praktische Folge |
|---|---|---|
| Bitcoin | Digital Commodity | war ohnehin nie strittig |
| Große Netzwerk-Token | Digital Commodity, sofern dezentral | Statusfrage entschärft |
| Token mit laufendem Team-Versprechen | Investmentvertrag möglich | Safe Harbor als Ausweg |
| NFTs zum persönlichen Gebrauch | Digital Collectible | kein Wertpapier |
| Zahlungs-Stablecoins | eigene Kategorie | in der EU eigenes Regime |
| Tokenisierte Aktien und Anleihen | Digital Security | bleibt SEC-Zuständigkeit |
Die Zuordnung ist prinzipienbasiert und im Einzelfall zu prüfen. Details zur Token-Systematik in unserem Beitrag Was ist ein Token?.
Der Fall, der die Systematik illustriert
Das jahrelange SEC-Verfahren gegen Ripple drehte sich genau um diese Frage: Ist der Token selbst ein Wertpapier – oder war nur der Verkauf durch das Unternehmen Teil eines Investmentvertrags? Ein Gericht entschied 2023 differenziert: Verkäufe an normale Anleger seien kein Wertpapierangebot gewesen, institutionelle Direktverkäufe schon.
Genau diese Unterscheidung – Token gegen Vertrieb – ist der Kern des neuen Vorschlags. Was damals jahrelange Gerichtsverfahren brauchte, soll künftig über eine Bescheinigung laufen. Die Einordnung zum Unternehmen steht in unseren Beiträgen zu XRP und dem XRP Ledger sowie zur MiCA-Zulassung von Ripple.
Wie verhält sich das zur Durchsetzung in Europa?
Der Vergleich ist aufschlussreich, weil beide Rechtsräume derzeit gleichzeitig handeln – nur in unterschiedliche Richtungen.
| Vorgang | Datum | Richtung |
|---|---|---|
| MiCA-Stichtag, über 1.700 Anbieter betroffen | 01.07.2026 | verschärfend |
| FMA-Sanktion gegen Bitpanda | 14.08.2026 | durchsetzend |
| SEC schlägt Ausnahmen vor | 18.08.2026 | öffnend |
Details in unseren Einordnungen zur Abschaltwelle nach dem MiCA-Stichtag und zur ersten veröffentlichten MiCA-Sanktion der FMA.
Was das über die Marktlage sagt
Europa ist in der Durchsetzungsphase – die Regeln stehen, jetzt wird kontrolliert. Die USA sind in der Regelsetzungsphase – hier entsteht der Rahmen gerade erst. Das erklärt, warum die Meldungen so gegensätzlich klingen, obwohl beide auf dasselbe Ziel zulaufen.
Für die Praxis heißt das: Wer in Europa handelt, muss heute prüfen, ob sein Anbieter zugelassen ist. Wer die US-Entwicklung verfolgt, beobachtet einen Prozess, dessen Ergebnis noch offen ist. Welche Anbieter für deutsche Nutzer verfügbar sind, zeigt der Börsenvergleich 2026 – wer den Stichtag nicht überstanden hat, steht in unseren Tests zu MEXC und in den Binance-Alternativen.
Wie geht es weiter?
Der Ablauf ist absehbar, das Ergebnis nicht.
- 60 Tage Kommentierung. Bis Mitte Oktober 2026 können Marktteilnehmer, Verbände und Kritiker Stellungnahmen einreichen.
- Auswertung und Überarbeitung. Die Behörde prüft die Eingaben – Änderungen am Entwurf sind der Normalfall, nicht die Ausnahme.
- Abstimmung über die endgültige Regel. Zeitpunkt offen; die Behörde spricht von den kommenden Monaten.
- Inkrafttreten mit Übergangsfristen, deren Länge sich erst aus der Endfassung ergibt.
Zwei Unsicherheiten, die man mitdenken sollte
Personell: Das erwartete Ausscheiden von Hester Peirce im November 2026 fällt in genau die Phase, in der aus dem Entwurf eine endgültige Regel werden müsste. Sie ist die intellektuelle Urheberin des Safe-Harbor-Teils.
Rechtlich: Eine Behördenregel ist ohne Gesetz umkehrbar. Solange der Clarity Act nicht beschlossen ist, steht der gesamte Rahmen unter dem Vorbehalt künftiger politischer Mehrheiten.
Was heißt das für dich konkret?
Drei Punkte, die sich aus der Meldung ableiten lassen – und drei, die sich nicht ableiten lassen.
| Lässt sich sagen | Lässt sich nicht sagen |
|---|---|
| Die SEC verschiebt ihre Zuständigkeit deutlich | dass der Bitcoin-Kurs deshalb steigt |
| Vier von fünf Token-Kategorien fallen aus der Wertpapieraufsicht | wann die Regel in Kraft tritt |
| Für EU-Anleger ändert sich unmittelbar nichts | ob sie in dieser Form kommt |
Was tatsächlich sinnvoll ist
Am Handeln ändert die Meldung nichts. Was sich lohnt, ist ein Blick auf die eigene Aufstellung: Steht deine Börse im ESMA-Register? Liegen größere Bestände in der eigenen Wallet? Ist die Steuerdokumentation aktuell?
Die verfügbaren Anbieter listet der Börsenvergleich 2026, ausführliche Tests gibt es zu Bitvavo, OKX und Gate.io. Wie du selbst verwahrst, erklärt die Wallet-Anleitung, welche Hardware passt der Wallet-Vergleich 2026.
Was sich bei Neuprojekten ändern könnte
Hier liegt der einzige Bereich, in dem der Vorschlag für Privatanleger praktisch relevant werden kann.
Wenn Token-Verkäufe in den USA über eine Ausnahme mit reduzierten Offenlegungspflichten laufen, sinkt die Informationsdichte, die vor einer Entscheidung zur Verfügung steht. Für Anleger heißt das: mehr legale Angebote, aber nicht automatisch besser dokumentierte.
Die praktische Konsequenz
Wer an Token-Verkäufen teilnimmt, sollte künftig genauer prüfen, welche Angaben tatsächlich vorliegen – nicht nur, ob ein Angebot legal ist. Rechtmäßigkeit und Informationsqualität sind zwei verschiedene Dinge, und der Vorschlag entkoppelt sie teilweise.
Grundlagen dazu in unserem Beitrag Was ist ein Token?, zur Bewertung von Neuprojekten im Ratgeber Kryptowährungen für Anfänger. Wie du typische Betrugsmuster bei Token-Verkäufen erkennst, zeigt der Leitfaden Krypto-Sicherheit 2026 – und größere Bestände gehören unabhängig davon in eine eigene Cold Wallet.
Ändert der Vorschlag etwas an meiner Steuer?
Nein – und diese Frage lohnt eine eigene Antwort, weil sie regelmäßig gestellt wird.
US-Wertpapierrecht regelt, wer unter welchen Bedingungen Token ausgeben und vertreiben darf. Die deutsche Einkommensbesteuerung von Kryptowerten folgt einer völlig anderen Logik: Sie behandelt Kryptowerte als private Wirtschaftsgüter nach § 23 EStG.
| Frage | Was gilt für dich |
|---|---|
| Haltefrist | nach einem Jahr steuerfrei |
| Freigrenze innerhalb des Jahres | 1.000 € pro Kalenderjahr |
| Tausch Coin gegen Coin | steuerlich Verkauf plus Kauf |
| Zuordnung | FIFO, je Wallet und Börse getrennt |
| Meldung | über DAC8 seit 2026 |
Vereinfachte Darstellung. Details im Ratgeber Krypto-Steuern 2026, zur Haltefrist im Beitrag Bitcoin steuerfrei nach einem Jahr und zu den Dokumentationspflichten im BMF-Schreiben zu Kryptowerten. Keine Steuerberatung.
Die Freigrenze ist kein Freibetrag
Wird sie überschritten, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig – nicht nur der übersteigende Teil. Wer 1.001 Euro innerhalb der Jahresfrist realisiert, versteuert alle 1.001 Euro. Wer viele Vorgänge hat, braucht dafür eine Steuersoftware, die Konten übergreifend zusammenführt.
Fazit
Der Vorschlag ist bedeutsam, aber nicht wirksam. Regulation Crypto Assets würde zwei Ausnahmen von der Registrierungspflicht schaffen – fünf Millionen Dollar über vier Jahre für Frühphasenprojekte, 75 Millionen pro Jahr für größere Runden – und über einen Safe Harbor einen Weg aus dem Wertpapierstatus eröffnen. Bis Mitte Oktober läuft die Kommentierungsfrist, danach folgt die Überarbeitung.
Für dich als deutschen Anleger ändert sich nichts. Es gilt MiCA, die Aufsicht liegt bei BaFin und ESMA, die Besteuerung folgt § 23 EStG. Ein US-Regelvorschlag berührt das nicht.
Die Kritik ist ernst zu nehmen. Erleichterte Offenlegung schafft Wege für seriöse und unseriöse Projekte gleichermaßen. Wer künftig an Token-Verkäufen teilnimmt, sollte prüfen, welche Angaben tatsächlich vorliegen – nicht nur, ob ein Angebot legal ist.
Und die offene Frage bleibt die Haltbarkeit. Eine Behördenregel kann eine Behörde wieder aufheben. Solange kein Gesetz verabschiedet ist, steht der gesamte Rahmen unter dem Vorbehalt künftiger Mehrheiten – ein Punkt, den der SEC-Chairman selbst benennt.
Häufige Fragen zum SEC-Vorschlag
Was hat die SEC am 18. August 2026 vorgeschlagen?
Regulation Crypto Assets – ein Regelpaket mit zwei Ausnahmen von der Registrierungspflicht des Securities Act von 1933 sowie einem Safe Harbor, über den ein Token den Wertpapierstatus verlassen kann. Der Vorschlag ist noch nicht in Kraft.
Ist der Vorschlag bereits geltendes Recht?
Nein. Die SEC hat eine 60-tägige öffentliche Kommentierungsfrist eröffnet. Erst danach kann sie an einer endgültigen Regel arbeiten. Bis dahin gilt die bisherige Rechtslage.
Wie hoch sind die beiden Ausnahmen?
Die Startup-Ausnahme erlaubt Angebote bis zu 5 Millionen Dollar über einen Zeitraum von vier Jahren. Die Fundraising-Ausnahme erlaubt Angebote bis zu 75 Millionen Dollar je Zwölfmonatszeitraum.
Was ist der Unterschied zwischen den beiden Ausnahmen?
Die Startup-Ausnahme ist für die Frühphase gedacht und einmalig über vier Jahre nutzbar. Die Fundraising-Ausnahme erlaubt deutlich größere Summen jährlich, ist dafür aber an strengere Bedingungen geknüpft.
Was ist der Investment Contract Safe Harbor?
Ein Weg aus dem Wertpapierstatus. Bescheinigt ein Emittent der Behörde, alle zugesagten wesentlichen Managementleistungen erbracht oder dauerhaft eingestellt zu haben, kann der zugrunde liegende Investmentvertrag als beendet gelten – weitere Transaktionen mit dem Token würden dann getrennt vom ursprünglichen Angebot behandelt.
Welches Risiko hat der Safe Harbor für Projekte?
Die Einreichung der Mitteilung könnte als Eingeständnis gewertet werden, dass der Token zuvor Teil eines Wertpapiergeschäfts war. Für Projekte, die bislang argumentieren, nie ein Wertpapier gewesen zu sein, ist der Weg damit nicht risikofrei.
Wer hat die Safe-Harbor-Idee entwickelt?
SEC-Kommissarin Hester Peirce. Sie schlug bereits 2020 einen Token Safe Harbor vor, veröffentlicht unter dem Titel „Running on Empty“. Atkins würdigte sie in seiner Erklärung ausdrücklich als intellektuelle Urheberin des Bausteins.
Warum ist Peirces Ausscheiden relevant?
Nach Berichten steht ihr Abschied im November 2026 an – also genau in der Phase, in der aus dem Entwurf eine endgültige Regel werden müsste. Sie ist seit Januar 2018 Kommissarin und leitete ab Januar 2025 die Crypto Task Force.
Was ist Project Crypto?
Die von Chairman Atkins im Jahr 2025 gestartete Initiative, die Wertpapierregeln für Kryptowerte zu modernisieren. Sie umfasst die Token-Taxonomie, die Interpretation zum Investmentvertrag und die nun vorgelegte Regelsetzung.
Was besagt die Token-Taxonomie?
Sie unterscheidet fünf Kategorien digitaler Vermögenswerte, von denen vier keine Wertpapiere sind: Digital Commodities, Digital Collectibles, Digital Tools und Payment Stablecoins nach dem GENIUS Act. Nur Digital Securities – tokenisierte klassische Wertpapiere – bleiben in der Zuständigkeit der SEC.
Was sind Digital Commodities?
Auch Netzwerk-Token genannt: Ihr Wert entsteht aus einem funktionierenden, dezentralen System und nicht aus der Managementleistung einer bestimmten Person oder eines Teams. Nach der Taxonomie sind sie keine Wertpapiere.
Sind NFTs nach der Taxonomie Wertpapiere?
Digital Collectibles – NFTs, die zum persönlichen Gebrauch erworben werden – fallen nach der Taxonomie nicht unter das Wertpapierrecht. Entscheidend bleibt aber der Einzelfall und die Frage, welche Versprechen mit dem Verkauf verbunden waren.
Ist die Taxonomie eine feste Liste?
Nein. Atkins betonte, sie sei prinzipienbasiert. Er beschrieb es mit einem Bild aus dem Howey-Fall: Es gehe nicht um die Orange selbst, sondern um die Versprechen, die um sie herum gemacht werden.
Was ist der Howey-Test?
Ein Prüfmaßstab aus einem US-Gerichtsverfahren, mit dem beurteilt wird, ob ein Investmentvertrag vorliegt. Die Token-Taxonomie und der Safe Harbor bauen ausdrücklich auf dieser Systematik auf.
Was bedeutet der Satz zur Securities and Everything Commission?
Atkins verwendete ihn, um die Verschiebung zusammenzufassen: Von fünf Kategorien fallen vier aus der direkten Wertpapieraufsicht heraus. Die Behörde beschränkt sich damit auf ihren Kernbereich statt auf alles, was gehandelt wird.
Was bedeutet der Vorschlag für deutsche Anleger?
Unmittelbar nichts. Für dich gilt europäisches Recht: MiCA als Rahmen, BaFin und ESMA als Aufsicht, deutsches Einkommensteuerrecht für die Besteuerung. Ein US-Regelvorschlag ändert daran nichts.
Ändert sich etwas an meiner Besteuerung?
Nein. Für private Veräußerungsgeschäfte gilt weiterhin Paragraf 23 EStG mit der einjährigen Haltefrist und der Freigrenze von 1.000 Euro. US-Wertpapierrecht berührt die deutsche Einkommensbesteuerung nicht.
Ändert sich etwas an der Zulassung meiner Börse?
Nein. Maßgeblich bleibt die MiCA-CASP-Zulassung und der Eintrag im ESMA-Register. Ein US-Emittentenregime hat darauf keinen Einfluss.
Wo könnte mich der Vorschlag indirekt erreichen?
Über die Projekte selbst. Viele Krypto-Teams sind ins Ausland ausgewichen, weil in den USA unklar war, ob ihr Token als Wertpapier gilt. Werden die Ausnahmen wirksam, könnten Projekte zurückkehren – ein langfristiger, indirekter Effekt.
Ist das ein Kaufsignal für Bitcoin?
Nein. Aus einem Regelvorschlag zur Emittentenfinanzierung lässt sich keine Kursprognose ableiten. Wer die Meldung so liest, überdehnt den Befund erheblich.
Was ist der Unterschied zwischen dem US- und dem EU-Ansatz?
MiCA schafft ein eigenes Regelwerk mit Zulassungspflicht für Dienstleister. Der US-Vorschlag schafft Ausnahmen vom bestehenden Wertpapierrecht für Emittenten. Beide zielen auf Rechtssicherheit, kommen aber von entgegengesetzten Seiten.
Welcher Unterschied ist langfristig entscheidend?
Die Rechtsform. MiCA ist eine Verordnung, beschlossen von Parlament und Rat, und nur durch ein neues Gesetzgebungsverfahren änderbar. Regulation Crypto wäre eine Behördenregel, die eine künftige Kommission zurücknehmen kann.
Warum handelt die SEC jetzt selbst statt auf ein Gesetz zu warten?
Weil die Aussichten für den Clarity Act schlechter geworden sind. Galaxy Research senkte die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung 2026 von 50 auf 30 Prozent, Prognosemärkte lagen zeitweise bei rund 17 Prozent.
Warum ist die Mehrheit im Senat schwierig?
Republikaner halten 53 Sitze, mindestens zwei Abweichler werden erwartet – das ergibt rund 50 Stimmen bei 60 benötigten. Ohne Stimmen aus dem anderen Lager kommt das Gesetz rechnerisch nicht durch.
Was sagt Atkins selbst zur Gesetzgebung?
Dass sie unverzichtbar bleibe, um zukunftssichere Regeln zu schaffen, die von einem künftigen Regulierer nicht rückgängig gemacht werden könnten. Er benennt die Schwäche des eigenen Ansatzes damit ausdrücklich.
Welche Kritik gibt es aus dem Senat?
Elizabeth Warren und Chris Van Hollen warnten im April 2026, die Richtung der Behörde riskiere Ausnahmen, die jahrzehntelang gewachsenen Anlegerschutz untergraben. Demokratische Abgeordnete kritisieren zudem zurückgefahrene Verfahren gegen große Kryptounternehmen.
Welche Kritik gibt es aus der Fachwelt?
Lynn Turner, früherer Chefbuchhalter der SEC, bezeichnete den Ausnahmerahmen im Clarity Act als erheblich mangelhaft und sah die Gefahr von Betrugsfällen in der Größenordnung des FTX-Zusammenbruchs. Dieselbe Kritik trifft den Behördenvorschlag.
Was ist der Kern des Kritikarguments?
Eine Ausnahme, die fünf Millionen Dollar mit Whitepaper-artiger Offenlegung erlaubt, schafft einen legalen Weg für seriöse Projekte – und denselben legalen Weg für unseriöse, die geringere Anforderungen nutzen, um wesentliche Risiken zu verbergen.
Gab es dieses Muster schon einmal?
Ja, im ICO-Boom von 2017. Damals wurden große Summen mit minimaler Offenlegung eingesammelt, und die Aufarbeitung dauerte Jahre. Daraus folgt nicht, dass jede Erleichterung falsch ist – aber die Erfahrung gehört in die Bewertung.
Was sagen die Befürworter?
Kommissarin Peirce beschrieb die Regelsetzung als Ergebnis umfangreicher öffentlicher Beteiligung durch Befürworter und Kritiker. Kommissar Uyeda argumentierte, klare Regeln vorab seien besser als die Unsicherheit einer durchsetzungsgetriebenen Aufsicht.
Was ändert sich für Anleger bei Neuprojekten?
Die Informationsdichte könnte sinken. Wer künftig an Token-Verkäufen teilnimmt, sollte prüfen, welche Angaben tatsächlich vorliegen – nicht nur, ob ein Angebot legal ist. Rechtmäßigkeit und Informationsqualität sind zwei verschiedene Dinge.
Verdrängt der Vorschlag einzelstaatliches Recht?
Nach den vorliegenden Angaben würde er bestimmte einzelstaatliche Regeln verdrängen, um einen einheitlichen Rahmen zu schaffen. Die genaue Reichweite ergibt sich erst aus der Endfassung.
Wie läuft das Verfahren weiter?
In vier Schritten: 60 Tage Kommentierung bis Mitte Oktober 2026, Auswertung und Überarbeitung, Abstimmung über die endgültige Regel, danach Inkrafttreten mit Übergangsfristen. Änderungen am Entwurf sind dabei der Normalfall.
Kann der Vorschlag noch scheitern?
Ja. Ein Regelvorschlag ist kein beschlossenes Recht. Er kann überarbeitet, verzögert oder nicht verabschiedet werden. Zudem gilt: Was eine Behörde setzt, kann eine Behörde wieder aufheben.
Worauf baut der Vorschlag auf?
Auf der Interpretation vom 17. März 2026, in der SEC und CFTC gemeinsam dargelegt haben, wie das Wertpapierrecht auf Kryptowerte anzuwenden ist – einschließlich der fünf Kategorien und der Behandlung von Airdrops, Protokoll-Mining und Staking.
Warum wurde die Abstimmung verschoben?
Die für den 14. August angesetzte Sitzung fiel aus; die Veröffentlichung erfolgte wenige Tage später am 18. August. Zu den Gründen liegen keine belastbaren Angaben vor.
Arbeitet die SEC mit der CFTC zusammen?
Ja. Beide Behörden haben im März 2026 eine gemeinsame Interpretation veröffentlicht und ihre Zusammenarbeit formalisiert. CFTC-Chairman Michael Selig war zuvor Chefjurist der SEC-Crypto-Task-Force.
Was sollte ich jetzt tun?
Am Handeln ändert die Meldung nichts. Sinnvoll ist ein Blick auf die eigene Aufstellung: Steht deine Börse im ESMA-Register, liegen größere Bestände in der eigenen Wallet, ist die Steuerdokumentation aktuell?
Wird dieser Artikel aktualisiert?
Ja. Die Kommentierungsfrist läuft bis Mitte Oktober 2026, danach folgt die Überarbeitung. Bei relevanten Entwicklungen wird der Beitrag fortgeschrieben.
Ist dieser Artikel eine Anlage- oder Rechtsberatung?
Nein. Er dient ausschließlich der Information und stellt keine Finanz-, Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Behördenmitteilungen und Berichterstattung mit Stand 19. August 2026.
Ist Bitcoin nach der Taxonomie ein Wertpapier?
Nein. Bitcoin fällt als Digital Commodity in die Kategorie der Netzwerk-Token, deren Wert aus einem funktionierenden dezentralen System entsteht. Diese Frage war in den USA ohnehin nie ernsthaft strittig.
Was gilt für Token mit laufendem Team-Versprechen?
Bei ihnen kann ein Investmentvertrag vorliegen, solange das Team wesentliche Managementleistungen erbringt. Genau für diese Fälle ist der Safe Harbor gedacht: Er soll einen definierten Ausgang schaffen, wenn die zugesagten Arbeiten abgeschlossen sind.
Welcher Fall illustriert die Systematik am besten?
Das SEC-Verfahren gegen Ripple. Ein Gericht entschied 2023 differenziert: Verkäufe an normale Anleger seien kein Wertpapierangebot gewesen, institutionelle Direktverkäufe schon. Genau diese Unterscheidung zwischen Token und Vertrieb ist der Kern des neuen Vorschlags.
Was ändert der Vorschlag gegenüber Gerichtsverfahren?
Er soll ersetzen, was bisher jahrelange Prozesse gekostet hat. Statt im Nachhinein gerichtlich zu klären, ob ein Investmentvertrag bestand, könnte ein Projekt künftig eine Bescheinigung einreichen und damit Klarheit schaffen.
Wie unterscheiden sich EU und USA in der aktuellen Phase?
Europa ist in der Durchsetzungsphase – die Regeln stehen, jetzt wird kontrolliert. Die USA sind in der Regelsetzungsphase – der Rahmen entsteht gerade erst. Das erklärt, warum die Meldungen so gegensätzlich klingen.
Was passierte in Europa im selben Zeitraum?
Am 1. Juli 2026 lief die MiCA-Übergangsfrist aus und über 1.700 Anbieter müssen nach Branchenschätzungen einstellen. Am 14. August veröffentlichte die österreichische FMA ihre erste rechtskräftige MiCAR-Sanktion gegen Bitpanda.
Ändert der Vorschlag etwas an meiner Steuer?
Nein. US-Wertpapierrecht regelt, wer Token ausgeben und vertreiben darf. Die deutsche Besteuerung folgt einer anderen Logik: Kryptowerte gelten als private Wirtschaftsgüter nach Paragraf 23 EStG.
Was gilt steuerlich in Deutschland weiterhin?
Nach über einem Jahr Haltedauer ist ein Verkauf steuerfrei. Innerhalb des Jahres gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro. Jeder Tausch Coin gegen Coin ist steuerlich Verkauf plus Kauf, und FIFO gilt je Wallet und Börse getrennt.
Ist die Freigrenze ein Freibetrag?
Nein. Wird sie überschritten, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig – nicht nur der übersteigende Teil. Wer 1.001 Euro innerhalb der Jahresfrist realisiert, versteuert alle 1.001 Euro.
Brauche ich wegen des Vorschlags eine Steuersoftware?
Wegen des Vorschlags nicht. Wer viele Vorgänge hat, braucht sie ohnehin – sie führt Transaktionen über mehrere Konten hinweg zusammen und ordnet sie der richtigen Anschaffung zu.
Wie erkenne ich unseriöse Token-Verkäufe?
An fehlenden oder vagen Angaben zum Team, zur Mittelverwendung und zur Tokenverteilung, an Renditeversprechen und an Zeitdruck. Rechtmäßigkeit eines Angebots sagt nichts über seine Qualität – beides muss getrennt geprüft werden.
Sollte ich meine Coins auf der Börse lassen?
Unabhängig von dieser Meldung: für größere Beträge nicht dauerhaft. Auf der Börse gehört, was du aktiv handelst. Größere Bestände gehören in eine eigene Cold Wallet mit offline verwahrter Seed-Phrase.
Betrifft der Vorschlag NFTs?
Digital Collectibles – NFTs zum persönlichen Gebrauch – fallen nach der Taxonomie nicht unter das Wertpapierrecht. Entscheidend bleibt der Einzelfall und die Frage, welche Versprechen mit dem Verkauf verbunden waren.
Was gilt für tokenisierte Aktien und Anleihen?
Sie bleiben als Digital Securities eindeutig in der Zuständigkeit der SEC. Das ist die einzige der fünf Kategorien, die vollständig im Wertpapierrecht verbleibt.
Was hat Tokenisierung mit dem Vorschlag zu tun?
Tokenisierte Vermögenswerte sind der Bereich, in dem die Abgrenzung am wichtigsten ist: Eine tokenisierte Aktie bleibt eine Aktie. Atkins formulierte es so, dass die Form die Substanz nicht ändere.
Weiterführende Artikel
- SEC – Statement von Chairman Atkins zu Regulation Crypto Assets, 18.08.2026 (Primärquelle: Startup-Ausnahme 5 Mio. $ / 4 Jahre, Fundraising-Ausnahme 75 Mio. $ / Jahr, Investment Contract Safe Harbor, Verweis auf Peirce 2020)
- SEC – Gemeinsame Interpretation mit der CFTC zur Anwendung des Wertpapierrechts, Token-Taxonomie mit fünf Kategorien · Rede vom 17.03.2026 zur Taxonomie · Grundsatzrede zu Project Crypto, 12.11.2025
- CoinDesk – Erster förmlicher Krypto-Regelvorschlag der SEC, 60 Tage Kommentierung, Atkins zur Unverzichtbarkeit der Gesetzgebung (18.08.2026)
- The Crypto Times – Aufbau auf der März-Interpretation, Verdrängung einzelstaatlicher Regeln, Zielsetzung Kapitalbildung (19.08.2026)
- AMBCrypto – Safe-Harbor-Mechanik und das Risiko, dass die Mitteilung als Eingeständnis gewertet wird (18.08.2026)
- news.bitcoin.com – Statements von Atkins, Peirce und Uyeda zur Zielsetzung des Vorschlags (18.08.2026)
- crypto.news – Kritik von Warren, Van Hollen und Lynn Turner, Einordnung zu Peirces erwartetem Ausscheiden im November 2026 · Innovation Exemption und ACT-Strategie
- Genfinity – Galaxy Research zur Clarity-Act-Wahrscheinlichkeit (50 auf 30 Prozent), Senatsarithmetik, ursprünglich geplante Abstimmung am 14.08.2026
- Morrison Foerster – Juristische Einordnung von Project Crypto und der geplanten Regulation Crypto · Sidley Austin – Analyse zum Stand der Regelsetzung
⚠ Risiko- & Transparenzhinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Finanz-, Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Felix Rieger ist Krypto-Journalist und Börsen-Tester, kein zugelassener Finanz-, Steuer- oder Rechtsberater und kein Experte für US-amerikanisches Wertpapierrecht. Zum Status des Vorschlags: Regulation Crypto Assets wurde am 18. August 2026 als Regelvorschlag veröffentlicht und ist ausdrücklich nicht in Kraft; es läuft eine 60-tägige öffentliche Kommentierungsfrist, nach deren Ablauf die Behörde an einer endgültigen Regel arbeiten kann. Änderungen am Entwurf, Verzögerungen oder ein Scheitern des Verfahrens sind möglich. Die dargestellten Ausnahmen, Schwellenwerte und Safe-Harbor-Bedingungen geben den Entwurfsstand wieder und können sich im weiteren Verfahren ändern; maßgeblich ist ausschließlich der Originaltext der SEC. Für Anleger in Deutschland und der EU gilt unverändert die MiCA-Verordnung, die Aufsicht durch BaFin und ESMA sowie deutsches Steuerrecht; der US-Vorschlag hat darauf keinen Einfluss. Wiedergegebene Äußerungen von Amtsträgern, Abgeordneten und Fachleuten sind deren Positionen und keine Feststellungen der Redaktion. Angaben zu Wahrscheinlichkeiten für die Verabschiedung von Gesetzen stammen von Analysehäusern und Prognosemärkten und sind keine Vorhersagen. Aus diesem Beitrag lässt sich keine Aussage über die künftige Kursentwicklung von Kryptowährungen ableiten. Die steuerlichen Ausführungen beschreiben die allgemeine deutsche Rechtslage und ersetzen keine Prüfung des Einzelfalls durch einen Steuerberater. Kryptowährungen sind hochvolatil; ein Totalverlust ist möglich. Zuletzt aktualisiert: 19. August 2026.

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