Wer beaufsichtigt Krypto-Börsen ab 2028? AMLA, ESMA und BaFin im Check – was die EU-Pläne 2026 für dich bedeuten
Inhaltsverzeichnis (25)
- Wer beaufsichtigt Krypto-Börsen ab 2028? AMLA, ESMA und BaFin im Check – und was die EU-Pläne 2026 für dich bedeuten
- Was hat die BaFin im August 2025 eigentlich gefordert?
- Was ist die AMLA – und was darf sie ab 2028?
- Wird meine Krypto-Börse ab 2028 direkt von der AMLA beaufsichtigt?
- Was plant die EU-Kommission mit der ESMA-Aufsicht über Krypto-Börsen?
- Was hat der Rat am 9. Oktober 2026 beschlossen?
- Wer ist für, wer gegen die zentrale Krypto-Aufsicht?
- Was ist der Unterschied zwischen AMLA, ESMA und BaFin?
- Wie viele Krypto-Börsen haben eine MiCA-Lizenz?
- Wie prüfe ich, ob meine Börse eine MiCA-Lizenz hat?
- Warum gelten Krypto-Börsen als Geldwäsche-Risiko?
- Was ändert sich am 10. Juli 2027 für Krypto-Nutzer?
- Werden Monero und andere Privacy Coins 2027 verboten?
- Was passiert mit meinen Coins, wenn meine Börse die Lizenz verliert oder die EU verlässt?
- Ist eine Börse mit EU-Aufsicht automatisch sicher?
- Wird die Verifizierung (KYC) durch die AMLA strenger?
- Was bedeutet die zentrale Aufsicht für Gebühren und Angebot?
- Bleibt die BaFin für deutsche Anleger zuständig?
- Wann ist die ESMA-Aufsicht realistisch – 2028, 2029 oder 2030?
- Was solltest du jetzt konkret tun?
- Quiz: Weißt du, wer deine Börse beaufsichtigt?
- Häufige Fragen zur Aufsicht über Krypto-Börsen
- Weiterlesen auf KryptoZukunft.com
- Quellen
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Wer beaufsichtigt Krypto-Börsen ab 2028? AMLA, ESMA und BaFin im Check – und was die EU-Pläne 2026 für dich bedeuten
Im August 2025 forderte die BaFin, große Krypto-Börsen unter die direkte Aufsicht der neuen EU-Geldwäschebehörde AMLA zu stellen. Seitdem ist viel mehr passiert: Die EU-Kommission will die gesamte MiCA-Aufsicht an die ESMA in Paris verlagern, der Rat hat das am 9. Oktober 2026 auf die größten Anbieter zusammengestutzt, und am 10. Juli 2027 kommt das EU-Geldwäsche-Regelbuch. Wir sortieren, wer ab wann für deine Börse zuständig ist – und was sich für dich als Anleger konkret ändert.
Unsere ursprüngliche Fassung vom 14. August 2025 hatte zwei Schwächen, die wir ehrlich benennen wollen. Erstens stand dort, die AMLA nehme „ab 2026 schrittweise ihre Arbeit auf“. Tatsächlich hat die Behörde ihre Befugnisse bereits am 1. Juli 2025 übernommen. Zweitens haben wir Geldwäscheaufsicht und MiCA-Lizenzaufsicht vermischt: Die AMLA prüft nur, ob Börsen Geldwäsche verhindern. Wer die Börse zulässt und laufend beaufsichtigt, ist eine andere Frage – und genau um die tobt seit Dezember 2025 der eigentliche Streit, nämlich um eine zentrale Aufsicht durch die Wertpapierbehörde ESMA. Außerdem haben wir einen Quellenlink entfernt, der nicht mehr erreichbar war.
Neu in dieser Version: der Kommissionsvorschlag vom 4. Dezember 2025, die Stellungnahme der EZB vom 9. April 2026, das Ende der MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli 2026, die Ratsposition vom 9. Oktober 2026, ein Aufsichts-Check für deine Börse, ein Fristen-Rechner, ein Klumpenrisiko-Rechner und 18 Antworten auf häufige Fragen.
Was hat die BaFin im August 2025 eigentlich gefordert?
Im August 2025 forderte Birgit Rodolphe, bei der BaFin seit November 2021 Exekutivdirektorin für Abwicklung und Geldwäscheprävention, in einem Handelsblatt-Interview, dass Krypto-Börsen und Zahlungsdienstleister zu den Instituten gehören sollen, die ab 2028 unabhängig vom Sitzland direkt von der EU-Geldwäschebehörde AMLA beaufsichtigt werden.
Wichtig ist, was diese Forderung war und was nicht. Die BaFin wollte keine neue Lizenzbehörde in Brüssel und sie wollte Krypto auch nicht strenger behandeln als Banken. Ihr Argument war ein praktisches: Große Börsen bedienen Kunden in fast allen EU-Staaten, haben ihren Lizenzsitz aber in einem einzigen Land. Wenn dieses Land die Geldwäschekontrollen locker handhabt, hat die BaFin wenig Hebel, obwohl deutsche Kunden betroffen sind. Rodolphe sprach damals von einer zunehmenden Fragmentierung im Zahlungsverkehr, die die Geldwäschebekämpfung erschwere. Das Interview selbst liegt hinter der Handelsblatt-Paywall, die Funktion von Rodolphe ist bei der BaFin dokumentiert. BaFin, Leitung Abwicklung & Geldwäscheprävention, abgerufen 31.10.2026
Im Mai 2026 legte Rodolphe nach: Die AMLA solle die Verbindungen zwischen nationalen Aufsehern besser nutzen, die Datenbanken der Financial Intelligence Units nannte sie „echte Schätze“. Deutsche Institute bereiteten sich auf das neue EU-Regelwerk vor, seien aber unterschiedlich weit. AML Intelligence, 12.05.2026
Unsere Einschätzung: Die Forderung war berechtigt, aber sie hat sich als zu klein herausgestellt. Wenige Monate später ging die EU-Kommission weit darüber hinaus und schlug vor, nicht nur die Geldwäscheaufsicht, sondern die komplette Zulassung und Aufsicht über Krypto-Dienstleister nach Paris zu verlagern. Darum dreht sich dieser Artikel im Kern.
Was ist die AMLA – und was darf sie ab 2028?
Die AMLA (Anti-Money Laundering Authority) ist die EU-Behörde gegen Geldwäsche mit Sitz in Frankfurt am Main; sie hat ihre Befugnisse am 1. Juli 2025 übernommen und soll ab dem 1. Januar 2028 rund 40 grenzüberschreitend tätige Finanzgruppen mit hohem Geldwäscherisiko direkt beaufsichtigen.
Die AMLA ist eine Aufsicht über Aufseher. Für die allermeisten Banken, Zahlungsdienste und Krypto-Börsen bleibt die nationale Behörde zuständig, in Deutschland also die BaFin. Die AMLA setzt einheitliche Standards, prüft, ob die nationalen Behörden ordentlich arbeiten, und koordiniert die Finanzermittler der Mitgliedstaaten. Nur bei einer kleinen Spitzengruppe greift sie selbst durch. Ihre Vorsitzende ist Bruna Szego. Schon im Juli 2025, zwei Wochen nach dem Start, widmete die Behörde dem Kryptosektor eine eigene Mitteilung: Krypto-Dienstleister trügen wegen ihrer Technologie, ihres grenzüberschreitenden Geschäfts und anonymitätsfördernder Funktionen erhebliche Geldwäscherisiken, und die AMLA erwarte wirksame Kontrollen ab dem ersten Tag der Zulassung. AMLA, 15.07.2025
Wie klein die Behörde noch ist, zeigt eine Zahl aus ihrem Tätigkeitsbericht für 2025: 119 Beschäftigte und ein Budget von 12,9 Millionen Euro. Nach Berechnung von KryptoZukunft.com sind das gut 108.000 Euro pro Kopf – für eine Behörde, die einmal Konzerne mit Hunderten Compliance-Mitarbeitern prüfen soll. Szego selbst beschrieb die Lage im September 2026 mit dem Bild, man baue das Flugzeug, während man es fliege. Die Angleichung der nationalen Geldwäscheaufsicht sei derzeit gering, vor allem außerhalb des Finanzsektors. Lovguiden, 07.10.2026
Wird meine Krypto-Börse ab 2028 direkt von der AMLA beaufsichtigt?
Ob eine Krypto-Börse ab dem 1. Januar 2028 unter direkte AMLA-Aufsicht fällt, entscheidet ein Auswahlverfahren ab dem 1. Juli 2027: Infrage kommen nur Institute, die in mindestens sechs EU-Staaten tätig sind, und von ihnen werden insgesamt nur 40 Gruppen mit dem höchsten Geldwäscherisiko ausgewählt.
Das Verfahren hat zwei Stufen. Zuerst die geografische Hürde: mindestens sechs Mitgliedstaaten, über eine Niederlassung oder grenzüberschreitende Dienstleistungen. Dann der Risikotest nach einer einheitlichen Methodik, deren Details in technischen Standards festgelegt werden. Die Auswahl läuft sechs Monate ab dem 1. Juli 2027, die Aufsicht wechselt am 1. Januar 2028, und die Liste wird alle drei Jahre überprüft. Krypto-Dienstleister werden in der Fachliteratur ausdrücklich als wahrscheinliche Kandidaten genannt, neben E-Geld-Instituten, Zahlungsinstituten und Fonds. Eine Garantie, dass eine bestimmte Börse auf der Liste landet, gibt es nicht. Jones Day, Juli 2025
Laut Szego kann weder die AMLA noch eine nationale Behörde das Ergebnis im Alleingang verändern. Beaufsichtigt wird dann von gemeinsamen Teams aus AMLA-Leuten und nationalen Experten. Für nicht ausgewählte Institute kann die AMLA nur ausnahmsweise übernehmen, etwa wenn eine nationale Behörde darum bittet, weil ihre eigene Aufsicht nicht wirkt. Lovguiden, 07.10.2026
Aus der Praxis: Für dich als Kunde ändert sich durch die AMLA-Auswahl im Alltag kaum etwas, das du siehst. Du wirst keine neue App installieren und keinen neuen Vertrag unterschreiben. Spürbar wird sie indirekt – über strengere Nachfragen zur Mittelherkunft, über die Verifizierung (KYC) bei Krypto-Börsen und über die Frage, welche Anbieter sich den Aufwand in der EU überhaupt noch leisten wollen.
Wähle aus, welche Art Anbieter du nutzt und in wie vielen EU-Staaten er aktiv ist. Das Ergebnis zeigt die Zuständigkeit heute, ab 2028 (Geldwäsche) und im Basisszenario der ESMA-Reform. Vereinfachte Orientierung, keine Rechtsauskunft.
Ab 1. Januar 2028: Kandidat für die direkte AMLA-Geldwäscheaufsicht (aktiv in 10 Staaten, also über der 6-Staaten-Hürde). Ob er unter die 40 ausgewählten Gruppen fällt, entscheidet der Risikotest.
Nach der ESMA-Reform (Basisszenario ab ca. 2030): wahrscheinlich direkte ESMA-Aufsicht, weil die Ratsposition die bedeutendsten Anbieter nach Paris verlagert.
Was plant die EU-Kommission mit der ESMA-Aufsicht über Krypto-Börsen?
Die EU-Kommission hat am 4. Dezember 2025 im Paket zur Marktintegration und Aufsicht (MISP) vorgeschlagen, die Zulassung und laufende Aufsicht aller Krypto-Dienstleister nach MiCA von den nationalen Behörden auf die Pariser Wertpapieraufsicht ESMA zu übertragen.
Das ist ein Systemwechsel. Bisher funktioniert die MiCA-Verordnung nach dem Pass-Prinzip: Eine Behörde in einem Mitgliedstaat erteilt die Lizenz, und mit dieser Lizenz darf der Anbieter in der gesamten EU tätig werden. Genau das hat zu dem geführt, was Aufseher Forum Shopping nennen – große Börsen suchen sich das Land mit dem schnellsten oder freundlichsten Verfahren. Die Kommission will das beenden. Nach ihrem Vorschlag würde die ESMA Krypto-Dienstleister zulassen, überwachen und bei Marktmissbrauch einschreiten. Finanzunternehmen mit anderer Lizenz, die nebenbei Krypto anbieten, kämen nur dann zur ESMA, wenn Krypto ihr Hauptgeschäft ist. Banken bleiben in der Bankenaufsicht. Gleichzeitig soll die ESMA ein Exekutivgremium aus unabhängigen Vollzeitmitgliedern bekommen, das Aufsichtsentscheidungen trifft. Bird & Bird, 2026
Für Deutschland hätte das handfeste Folgen. Die BaFin hat Krypto-Geschäft schon vor MiCA nach nationalem Recht beaufsichtigt und entsprechend Know-how aufgebaut. Nach dem Kommissionsentwurf würde sie die Zuständigkeit für alle Anbieter mit einer MiCA-Lizenz nach Artikel 62 verlieren. Banken und Wertpapierfirmen, die Krypto über das Anzeigeverfahren nach Artikel 60 anbieten, blieben zunächst bei BaFin und Bundesbank, müssten der ESMA aber jährlich ihren Umsatzanteil aus Krypto melden. Der Kapitalmarktanwalt Lutz Auffenberg warnte im Februar 2026, eine Aufsicht aus Paris sei für kleine und mittlere Anbieter kaum praktikabel, die Kommunikation liefe weitgehend auf Englisch, und Kunden hätten es schwerer, Beschwerden bei einer internationalen Behörde loszuwerden als bei deutschsprachigen Ansprechpartnern. FIN LAW, 23.02.2026
Was hat der Rat am 9. Oktober 2026 beschlossen?
Die EU-Finanzminister haben sich am 9. Oktober 2026 auf die Kernelemente ihrer Verhandlungsposition geeinigt: Nur die bedeutendsten Krypto-Dienstleister sollen unter direkte ESMA-Aufsicht kommen, alle anderen bleiben bei ihrer nationalen Behörde, und die ESMA soll zwei Jahre Übergangszeit für die neuen Aufgaben bekommen.
Damit hat der Rat den Kommissionsvorschlag deutlich zurückgeschnitten. Nach neun Monaten Verhandlungen unter den Mitgliedstaaten bleibt außerdem der Rat der Aufseher, in dem die nationalen Behörden sitzen, das wichtigste Entscheidungsgremium der ESMA. Das neue Exekutivgremium kommt zwar, aber nicht als alleiniger Machtzentrum. Regulation Tomorrow, Oktober 2026
Wichtig für die Einordnung: Das ist kein Gesetz, sondern eine Verhandlungsposition. Der Europäische Rat hat am 15. und 16. Oktober 2026 zwar gefordert, die Verhandlungen bis Ende 2026 abzuschließen – das ist aber ein politisches Ziel, kein Datum, ab dem für Börsen irgendetwas gilt. Die Trilog-Verhandlungen mit dem Parlament können erst beginnen, wenn das Parlament seine eigene Position beschlossen hat. PwC Legal, 26.10.2026
Im Parlament zeichnet sich übrigens dieselbe Richtung ab. Der Berichterstatter Markus Ferber (EVP) hat im Juni 2026 einen Entwurf vorgelegt, der nur bedeutende Krypto-Dienstleister zur ESMA verlagert und kleine bei den nationalen Behörden lässt. Regulation Tomorrow, Juni 2026 Die nationalen Parlamente Tschechiens und Italiens haben zudem Subsidiaritätsrügen eingelegt, also formell bemängelt, dass Brüssel hier zu viel an sich ziehe. PwC Legal, 14.07.2026
Unsere Einschätzung: Ein gestuftes Modell ist inzwischen der wahrscheinlichste Ausgang. Offen ist die entscheidende Detailfrage, was „bedeutend“ heißt – Nutzerzahl, verwahrtes Vermögen, Zahl der Länder? Solange das nicht feststeht, kann niemand seriös sagen, welche Börsen genau nach Paris wandern. Wer dir heute eine Liste verspricht, rät.
Wer ist für, wer gegen die zentrale Krypto-Aufsicht?
Für eine zentrale EU-Aufsicht über Krypto-Börsen haben sich im September 2025 die Marktaufseher Frankreichs (AMF), Österreichs (FMA) und Italiens (CONSOB) ausgesprochen, die EZB unterstützt den Plan seit ihrer Stellungnahme vom 9. April 2026; die maltesische Finanzaufsicht MFSA lehnt ihn ab.
Die Fronten verlaufen entlang von Interessen, und das darf man ruhig so deutlich sagen. Frankreich, Österreich und Italien veröffentlichten im September 2025 ein gemeinsames Papier für einen stärkeren europäischen Rahmen. Malta, wo unter anderem OKX seit 2021 beaufsichtigt wird, hält strukturelle Änderungen für verfrüht, weil MiCA gerade erst voll gilt. Legalink, 30.09.2025 Dazu kommt eine Episode, die die Debatte befeuert hat: Eine Schnellprüfung der ESMA zu einer maltesischen Lizenzerteilung, die Berichten zufolge OKX betraf, kam im Juli 2025 zu dem Schluss, die Zulassung hätte gründlicher ausfallen sollen. Kritiker in Malta halten dagegen, die Zentralisierung zersplittere die Aufsicht zwischen ESMA, nationalen Behörden und AMLA. Cointelegraph, 03.04.2026
Die EZB hat am 9. April 2026 ihre formelle Stellungnahme CON/2026/13 zum Paket veröffentlicht. EUR-Lex, Stellungnahme der EZB vom 09.04.2026 Darin unterstützt sie die Verlagerung der Krypto-Aufsicht zur ESMA, möchte für Krypto-Fragen als nicht stimmberechtigtes Mitglied im neuen Exekutivgremium sitzen und warnt, die ESMA brauche dafür ausreichend Personal und Geld. Yahoo Finance, 13.04.2026
Was ist der Unterschied zwischen AMLA, ESMA und BaFin?
Die BaFin ist die deutsche Finanzaufsicht, die heute in Deutschland Krypto-Börsen zulässt und auf Geldwäsche prüft; die ESMA ist die EU-Wertpapieraufsicht in Paris, die nach den Reformplänen die größten Krypto-Börsen zulassen soll; die AMLA in Frankfurt prüft ab dem 1. Januar 2028 bei bis zu 40 ausgewählten Gruppen nur die Geldwäscheabwehr.
Man kann es sich wie bei einem Restaurant vorstellen. Die Gewerbeerlaubnis, die Hygienekontrolle und die Steuerprüfung kommen von verschiedenen Stellen. Bei Krypto-Börsen ist das ähnlich: Wer darf überhaupt öffnen? Wer schaut, ob das Kundenvermögen sauber getrennt ist? Und wer prüft, ob über die Plattform schmutziges Geld fließt? Die folgende Tabelle ordnet das ein.
| Behörde | Sitz | Zuständig für | Stand 31.10.2026 |
|---|---|---|---|
| BaFin | Bonn/Frankfurt | MiCA-Zulassung, laufende Aufsicht und Geldwäscheaufsicht für in Deutschland lizenzierte Anbieter | voll zuständig; deutsche Übergangsfrist endete Ende Dezember 2025 |
| ESMA | Paris | heute Register, Leitlinien und Prüfungen der nationalen Behörden; künftig ggf. direkte Aufsicht über bedeutende Anbieter | Reform in Verhandlung (Kommission 04.12.2025, Rat 09.10.2026) |
| AMLA | Frankfurt am Main | Geldwäsche-Standards, Koordination der Aufseher, ab 2028 direkte Aufsicht über 40 Gruppen | seit 01.07.2025 aktiv, 119 Beschäftigte (2025) |
| EZB | Frankfurt am Main | Bankenaufsicht; Banken mit Kryptoangebot bleiben dort | unterstützt ESMA-Modell (09.04.2026) |
Für dich ist die wichtigste Erkenntnis: Eine Börse kann nach der Reform drei Aufseher gleichzeitig haben – eine Behörde für die Lizenz, eine für die Geldwäsche und eine weitere für Steuer-Meldepflichten wie DAC8 und die Daten, die das Finanzamt erhält. Das klingt bürokratisch, und das ist es auch. Es heißt aber auch, dass eine Börse an mehreren Stellen auffallen kann, wenn sie schlampt.
Wie viele Krypto-Börsen haben eine MiCA-Lizenz?
Rund um das Ende der MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli 2026 verzeichnete das vorläufige ESMA-Register laut einer Auswertung von Elliptic 213 Einträge zugelassener Krypto-Dienstleister aus 23 Ländern, davon 55 aus Deutschland – mehr als aus jedem anderen EU-Staat.
Die Verteilung ist aufschlussreich. Hinter Deutschland mit 55 Einträgen folgen die Niederlande mit 26, Frankreich mit 19, Malta mit 15 sowie Irland und Zypern mit je 12. Die fünf größten Länder vereinen 127 der 213 Einträge, allein im Dezember 2025 kamen 41 Zulassungen hinzu. Elliptic, 2026 Das Register wird wöchentlich aktualisiert, die Zahl ist also eine Momentaufnahme und seither weiter gestiegen.
Unsere Rechnung: 55 von 213 Einträgen entsprechen 25,8 Prozent. Gut jeder vierte zugelassene Krypto-Dienstleister der EU stand damit unter BaFin-Aufsicht. Die Top 5 kommen auf 59,6 Prozent. Das relativiert ein gern verbreitetes Bild. Deutschland ist kein Krypto-Hinterland, sondern der größte Lizenzstandort – allerdings vor allem für Banken-Töchter, Broker und Verwahrer, weniger für die großen globalen Handelsplattformen, die eher Malta, Irland, Zypern oder Luxemburg gewählt haben. Genau deshalb ist die ESMA-Frage für die BaFin so heikel: Sie würde bei den Großen wenig verlieren, beim breiten Mittelfeld aber viel, falls die Kommission sich mit der Komplettverlagerung durchsetzt.
| Mitgliedstaat | CASP-Einträge | Anteil an 213 |
|---|---|---|
| Deutschland | 55 | 25,8 % |
| Niederlande | 26 | 12,2 % |
| Frankreich | 19 | 8,9 % |
| Malta | 15 | 7,0 % |
| Irland | 12 | 5,6 % |
| Zypern | 12 | 5,6 % |
Wie prüfe ich, ob meine Börse eine MiCA-Lizenz hat?
Ob eine Krypto-Börse in der EU zugelassen ist, prüfst du im vorläufigen MiCA-Register der ESMA, das wöchentlich aktualisiert wird; maßgeblich ist der genaue Name der juristischen Person, mit der du deinen Vertrag hast, nicht der Markenname der App.
Das klingt banal, ist aber der häufigste Fehler. Viele Marken betreiben mehrere Gesellschaften, und nur eine davon hat die EU-Lizenz. Schau in die AGB oder ins Impressum der App: Dort steht, welche Gesellschaft dein Vertragspartner ist und in welchem Land sie sitzt. Diesen Namen suchst du im Register. Taucht er nicht auf, bist du womöglich bei einer Schwestergesellschaft außerhalb der EU gelandet. Wie das im Fall eines großen Anbieters praktisch aussah, haben wir zum Verlust des EU-Marktzugangs von Binance aufgeschrieben, ein Beispiel für ein Börsen-Verbot in der EU ist unser HTX-Test zum EU-Transaktionsverbot.
Die ESMA rät Verbrauchern und Geschäftspartnern ausdrücklich, das Register zu prüfen, bevor sie mit einem Anbieter Geschäfte machen. Elliptic, 2026 Ein zweiter Blick lohnt sich bei Lockangeboten: Ein Anbieter, der dir aggressiv Boni verspricht und keine EU-Gesellschaft nennt, ist ein Warnsignal, wie unser Beispiel zur BaFin-Warnung vor Klon-Seiten zeigt.
Warum gelten Krypto-Börsen als Geldwäsche-Risiko?
Krypto-Börsen gelten als Geldwäsche-Risiko, weil an ihnen Kryptowerte in Euro und Dollar getauscht werden: Laut TRM Labs flossen 2025 rund 158 Milliarden US-Dollar an illegale Adressen, ein Rekord, der allerdings nur etwa 1,2 Prozent des zuordenbaren On-Chain-Volumens entspricht.
Beide Teile dieses Satzes sind wichtig. Der Rekord ist real: Nach drei Jahren Rückgang stiegen die illegalen Zuflüsse 2025 wieder deutlich an, vor allem getrieben durch Sanktionsumgehung mit russischem Bezug. Allein der an den Rubel gekoppelte Stablecoin A7A5 kam auf über 72 Milliarden Dollar Volumen. Bei Betrugsfällen machten Stablecoins 84 Prozent der Zuflüsse aus. Gleichzeitig sank der Anteil illegaler Gelder am gesamten Volumen von 1,3 auf 1,2 Prozent, und bei den Zuflüssen an Börsen und andere Dienstleister von 2,9 auf 2,7 Prozent – 2023 waren es noch 6,0 Prozent. TRM Labs, 28.01.2026
Nach Berechnung von KryptoZukunft.com entsprechen 158 Milliarden Dollar zum EZB-Referenzkurs vom 30. Oktober 2026 (1,1172 Dollar je Euro) rund 141 Milliarden Euro. Und wenn 158 Milliarden 1,2 Prozent sind, liegt das zuordenbare Gesamtvolumen bei rund 13 Billionen Dollar. Beides stimmt gleichzeitig: Krypto ist überwiegend legal genutzt, und die absolute Summe krimineller Gelder ist trotzdem riesig. Die Börse ist dabei die Engstelle, an der Kriminelle ihre Coins in Bankgeld umwandeln wollen. Deshalb setzt die Aufsicht genau dort an – und nicht bei deiner privaten Wallet.
Ehrlich gesagt: Die Prozentzahlen sind Schätzungen eines Analysehauses, das Geld mit Compliance-Software verdient. Andere Anbieter kommen auf leicht abweichende Werte. Für die Richtung der Regulierung spielt das kaum eine Rolle, für hitzige Debatten über „Krypto als Kriminellenwährung“ schon. Wer tiefer einsteigen will, wie Betrüger konkret vorgehen, findet das in unserem Ratgeber zu Krypto-Betrug und Scams.
Gib ein Datum ein (voreingestellt: 31. Oktober 2026). Der Rechner zeigt die Tage bis zum EU-Geldwäsche-Regelbuch, bis zum Start der direkten AMLA-Aufsicht und bis zu unserem Basisszenario für die ESMA-Aufsicht.
Direkte AMLA-Aufsicht, 01.01.2028: noch 427 Tage
ESMA-Aufsicht, Basisszenario 01.01.2030: noch 1158 Tage (Szenario von KryptoZukunft.com, kein offizielles Datum)
Was ändert sich am 10. Juli 2027 für Krypto-Nutzer?
Ab dem 10. Juli 2027 gilt die EU-Geldwäscheverordnung (AMLR, Verordnung 2024/1624) unmittelbar in allen Mitgliedstaaten; sie verbietet Krypto-Dienstleistern unter anderem, anonyme Krypto-Konten oder Konten zu führen, die Transaktionen über anonymitätsfördernde Coins verschleiern.
Bisher setzt jeder Staat EU-Geldwäscherichtlinien in eigenes Recht um, in Deutschland über das Geldwäschegesetz. Mit der AMLR gibt es zum ersten Mal ein einheitliches Regelbuch, das direkt gilt. Fehlen bis dahin nationale Begleitregeln, setzt die EU-Kommission die Einhaltung durch. Lovguiden, 07.10.2026
Für Krypto-Nutzer ist Artikel 79 der Kern. Er untersagt Banken, Finanzinstituten und Krypto-Dienstleistern, anonyme Krypto-Konten zu führen oder Konten, die eine stärkere Verschleierung von Transaktionen ermöglichen – ausdrücklich auch über anonymitätsfördernde Coins. Wer heute noch ein altes anonymes Konto hat, muss vor der weiteren Nutzung eine Kundenprüfung durchlaufen. AMLR Art. 79 (ABl. L 2024/1624), Springlex
Ein Alltagsbeispiel: Du hast bei einer europäischen Börse ein Konto und besitzt dort eine kleine Position in einem Privacy Coin. Spätestens zum Stichtag wird deine Börse diesen Coin aus dem Handel nehmen oder zumindest nicht mehr verwahren dürfen. In der Praxis kündigen Börsen solche Delistings Wochen vorher an und geben dir eine Frist, die Coins abzuziehen oder zu verkaufen. Wer die Mails ignoriert, bekommt am Ende oft einen Zwangsverkauf zum dann gültigen Kurs.
Werden Monero und andere Privacy Coins 2027 verboten?
Privacy Coins wie Monero werden ab dem 10. Juli 2027 nicht generell verboten, aber EU-regulierte Krypto-Dienstleister dürfen dann keine Konten mehr führen, die Transaktionen über anonymitätsfördernde Coins verschleiern; Besitz und Nutzung in einer eigenen Wallet bleiben nach der Verordnung selbst nicht verboten.
Das ist eine feine, aber entscheidende Unterscheidung. Die AMLR regelt, was Banken und Krypto-Dienstleister tun dürfen. Sie richtet sich nicht an dich als Privatperson. Praktisch wird es trotzdem deutlich schwerer: Ohne Börse kommst du schlechter in Euro hinein und wieder heraus. Wie sich das auf den Kurs ausgewirkt hat und welche Börsen schon vorab delistet haben, steht in unserer Monero-Analyse mit Blick auf das EU-Verbot 2027.
Unsere Einschätzung: Wer Privacy Coins aus Überzeugung hält, sollte die Verwahrung jetzt planen und nicht im Juni 2027. Wer sie nur als Spekulation auf einer Börse liegen hat, sollte sich fragen, ob ihm das Delisting-Risiko den Platz im Depot wert ist.
Was passiert mit meinen Coins, wenn meine Börse die Lizenz verliert oder die EU verlässt?
Seit dem Ende der MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli 2026 dürfen Krypto-Dienstleister ohne MiCA-Zulassung EU-Kunden nicht mehr bedienen; deine Coins gehören dir weiterhin, aber du musst sie in der Regel innerhalb der vom Anbieter gesetzten Frist abziehen oder verkaufen.
Die Übergangsfrist endete EU-weit ohne Verlängerung und ohne Schonfrist, ein laufender Lizenzantrag schützt nicht. In Deutschland war die Frist schon Ende Dezember 2025 ausgelaufen, die BaFin geht seitdem gegen unerlaubte Anbieter vor. Nach Einschätzung von PwC können Verträge mit unerlaubt tätigen Anbietern nach § 134 BGB nichtig sein, Kunden kommen dann Ansprüche etwa aus § 823 Abs. 2 BGB oder aus ungerechtfertigter Bereicherung in Betracht. PwC Blog, 11.06.2026
Genau diese Phase hält die AMLA für riskant. Am 29. Juni 2026 veröffentlichte sie einen Warnhinweis zu den Geldwäscherisiken rund um das Ende der Übergangsfrist, mit Empfehlungen an nicht zugelassene Anbieter, zugelassene Börsen, Aufseher und Finanzermittler. Regulation Tomorrow, 30.06.2026 Szego wurde später deutlicher: Wenn Firmen den EU-Markt verlassen, wandern Kunden mit unvollständigen Kundenhistorien zu anderen Anbietern, und Kontrollen werden schwächer. Einen strategischen Bericht zum Kryptosektor hat die AMLA für Ende 2026 angekündigt. Lovguiden, 07.10.2026
Aus der Praxis: Wenn du von einer Börse zu einer anderen wechselst, weil deine alte die EU verlässt, rechne mit Rückfragen. Die neue Börse sieht eine Einzahlung von einer Plattform, die gerade aus dem Markt gedrängt wurde, und wird nach Herkunft und Kaufbelegen fragen. Das ist kein Misstrauen gegen dich persönlich, sondern genau der Mechanismus, den die AMLA sehen will. Wenn es hakt, hilft unser Leitfaden für den Fall, dass dein Konto bei der Kryptobörse gesperrt wurde. Und für den Ernstfall Insolvenz erklären wir separat, was mit deinen Coins passiert, wenn die Börse pleitegeht.
Ist eine Börse mit EU-Aufsicht automatisch sicher?
Eine Krypto-Börse mit MiCA-Lizenz ist nicht automatisch sicher: Die Lizenz schreibt Eigenkapital, getrennte Verwahrung von Kundenvermögen und Geldwäschekontrollen vor, schützt aber weder vor Kursverlusten noch vor Hacks, und eine Einlagensicherung wie beim Bankkonto gibt es für Kryptowerte nicht.
Diesen Punkt unterschätzen viele. Aufsicht heißt, dass jemand hinschaut und eingreifen kann. Es heißt nicht, dass jemand haftet. Wenn eine regulierte Börse gehackt wird, hängt dein Schaden davon ab, ob die Börse ausreichend Rücklagen hat, ob die Kundenbestände sauber getrennt waren und ob es eine Versicherung gibt. Bei einer Insolvenz sind getrennt verwahrte Coins zwar grundsätzlich herauszugeben, aber das kann dauern. Wie Börsen in der Vergangenheit gescheitert sind und warum zentrale Plattformen ein anderes Risiko tragen als dezentrale, vergleichen wir in CEX oder DEX 2026.
Eine zentrale ESMA-Aufsicht würde vor allem eines verbessern: die Gleichmäßigkeit. Heute hängt die Strenge der Prüfung teilweise davon ab, in welchem Land die Lizenz beantragt wurde. Genau das war der Kern der Kritik an der maltesischen OKX-Zulassung. Eine einheitliche Behörde würde dieses Gefälle verringern. Sie würde aber nicht verhindern, dass ein gut geführtes Unternehmen Fehler macht. Ein Blick nach Asien zeigt, dass selbst sehr harte Aufsicht keine Pannen ausschließt – unser Bericht darüber, wie streng Südkorea Krypto-Börsen reguliert, ist dafür ein gutes Lehrstück.
Aus der Praxis: Am Beispiel von Bitpanda und seiner MiCA-Lizenz sieht man, dass auch ein lizenzierter, etablierter Anbieter Ärger mit der Aufsicht bekommen kann. Das ist eigentlich ein gutes Zeichen: Das System funktioniert, wenn Aufseher Mängel finden und benennen. Schlecht wäre es, wenn nie etwas gefunden würde.
Egal wer künftig aufsieht: Wenn eine Börse vorübergehend sperrt, ist alles blockiert, was dort liegt. Gib dein gesamtes Krypto-Vermögen und den Betrag auf deiner größten Börse ein.
Einschätzung: hohes Klumpenrisiko. Fällt diese Börse aus oder wird gesperrt, ist mehr als die Hälfte deines Krypto-Vermögens vorübergehend blockiert.
Bei 30 % Obergrenze (unsere Faustregel) lägen höchstens 3.000 € auf dieser Börse; zu verlagern wären 3.000 €.
Die 30-Prozent-Grenze ist keine offizielle Regel, sondern eine Faustregel aus unserer Redaktion. Sie geht davon aus, dass du für den laufenden Handel einen Teil auf der Börse brauchst, den langfristigen Rest aber selbst verwahrst. Wie das technisch geht und welche Variante für wen passt, steht in Cold Wallet oder Hot Wallet 2026.
Wird die Verifizierung (KYC) durch die AMLA strenger?
Die Verifizierung bei Krypto-Börsen wird mit dem EU-Geldwäsche-Regelbuch ab dem 10. Juli 2027 einheitlicher und in vielen Ländern strenger, weil dieselben Sorgfaltspflichten in allen 27 Staaten unmittelbar gelten und die AMLA deren Anwendung überwacht.
Für deutsche Nutzer wird der Sprung kleiner ausfallen als für Kunden in Ländern mit bisher lockerer Praxis, weil die BaFin schon heute vergleichsweise streng prüft. Spürbar werden eher die Nachfragen zur Mittelherkunft bei größeren Beträgen und die Pflicht, alte Konten nachzuprüfen. Die sogenannte Travel Rule, nach der bei Krypto-Überweisungen zwischen Dienstleistern Absender- und Empfängerdaten mitgeschickt werden, gilt bereits. Wenn du wissen willst, was bei der Identitätsprüfung genau abgefragt wird, warum Börsen Selfies verlangen und wie es um den Datenschutz steht, findest du das in unserem KYC-Ratgeber, den wir eingangs verlinkt haben.
Ein Rechenbeispiel aus dem Alltag: Du verkaufst Bitcoin für 25.000 Euro, um eine Wohnung anzuzahlen. Deine Bank fragt nach der Herkunft des Geldes, und deine Börse vielleicht auch schon beim Verkauf. Was hilft: eine einfache Übersicht mit Kaufdatum, Kaufpreis, Börse und Transaktions-IDs, idealerweise als PDF-Export. Das ist dieselbe Dokumentation, die du auch für die Steuer brauchst. Wer sie einmal sauber anlegt, beantwortet beide Fragen in zehn Minuten. Wie das steuerlich zusammenhängt, erklären wir in Krypto-Steuern 2026.
Was bedeutet die zentrale Aufsicht für Gebühren und Angebot?
Eine zentrale ESMA-Aufsicht dürfte das Krypto-Angebot in der EU eher konzentrieren als verbilligen: Große Anbieter profitieren von einer einzigen Behörde für 27 Staaten, kleine Anbieter tragen höhere Compliance-Kosten, und ein Teil der Firmen hat den EU-Markt bereits verlassen.
Ehrlich gesagt gibt es dafür noch keine belastbaren Zahlen, nur plausible Mechanismen. Für einen Anbieter, der heute in mehreren Ländern mit unterschiedlichen Auslegungen kämpft, wäre eine einzige Behörde eine Vereinfachung. Für eine kleine deutsche Plattform mit fünfzig Mitarbeitern wäre ein englischsprachiges Aufsichtsgespräch mit Paris eine zusätzliche Hürde, wie Auffenberg anmerkt. Das gestufte Modell von Rat und Parlament ist genau die Antwort auf dieses Problem: Die Großen gehen nach Paris, der Mittelstand bleibt bei der BaFin.
Was du bereits beobachten kannst, ist die Konsolidierung nach dem MiCA-Stichtag. Einige globale Börsen haben deutsche Neukunden gesperrt, andere den EU-Markt komplett verlassen. Welche Anbieter für dich noch infrage kommen, haben wir in Alternativen zu Binance zusammengestellt. Gleichzeitig kommen neue Anbieter aus dem klassischen Finanzsektor hinzu – etwa die Sparkassen mit ihrem Kryptohandel per App. Für Banken ändert die ESMA-Reform wenig, weil sie in der Bankenaufsicht bleiben. Das könnte ihnen sogar einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, wenn reine Krypto-Börsen mit der Umstellung beschäftigt sind.
Unsere Einschätzung: Wer auf sinkende Gebühren durch die EU-Reform hofft, wird wahrscheinlich enttäuscht. Gebühren entstehen durch Wettbewerb, nicht durch Aufsicht. Regulierung macht das Angebot sicherer und berechenbarer, aber selten billiger. Regulierung ist inzwischen selbst ein Geschäftsfeld, wie der Einstieg der Deutschen Börse bei einem MiCA-Compliance-Anbieter zeigt.
Bleibt die BaFin für deutsche Anleger zuständig?
Die BaFin bleibt nach dem Stand der Verhandlungen vom Oktober 2026 für die meisten in Deutschland lizenzierten Krypto-Anbieter, für Banken und Sparkassen mit Kryptoangebot sowie für Warnungen vor unerlaubten Anbietern zuständig; nur die bedeutendsten Krypto-Börsen würden nach der Ratsposition zur ESMA wechseln.
Das ist eine deutliche Verschiebung gegenüber dem Kommissionsvorschlag, nach dem die BaFin alle Krypto-Dienstleister mit eigener MiCA-Lizenz abgegeben hätte. Mit 55 Registereinträgen zum Stichtag ist Deutschland der größte Lizenzstandort, und der Großteil davon dürfte nach einem gestuften Modell in Bonn und Frankfurt bleiben. Selbst bei einem Anbieter unter ESMA-Aufsicht bleibt die BaFin in Deutschland nicht außen vor: Sie kann vor unerlaubten Angeboten warnen, sie sitzt im Rat der Aufseher der ESMA, und für Geldwäsche bleibt sie bei allen nicht von der AMLA ausgewählten Instituten zuständig.
Für dich als Kunde wichtig: Beschwerden über eine Börse richtest du zunächst immer an die Börse selbst, danach an die zuständige Aufsicht. Welche das ist, steht im Impressum beziehungsweise in den AGB deiner Börse. Wie sich das deutsche Recht rund um Krypto insgesamt sortiert, von Steuern über Geldwäsche bis Verbraucherschutz, findest du in unserer Übersicht Ist Krypto in Deutschland legal?. Und was aus den Plänen der Bundesregierung wurde, beschreibt Kryptoregulierung 2026: CDU, SPD und der Haltefrist-Streit.
Wann ist die ESMA-Aufsicht realistisch – 2028, 2029 oder 2030?
Eine direkte ESMA-Aufsicht über die größten Krypto-Börsen ist nach Berechnung von KryptoZukunft.com frühestens 2029 und im Basisszenario ab etwa 2030 realistisch, weil nach einer Einigung noch ein Inkrafttreten, eine Anwendungsfrist von rund zwölf Monaten und eine zweijährige Übergangszeit für die ESMA folgen.
Unsere Rechnung, Schritt für Schritt: Der Rat hat seine Position im Oktober 2026 abgesteckt. Das Parlament muss seine Position noch beschließen; die Ausschussabstimmung war zuletzt für Ende 2026 angesetzt. Dann folgt der Trilog. Nimmt man an, dass er im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen wird – was ehrgeizig ist –, und rechnet ein paar Monate für die formale Annahme und Veröffentlichung, landet man beim Inkrafttreten gegen Ende 2027. Bird & Bird rechnet nach der Annahme mit einer Übergangszeit von zwölf bis 24 Monaten, also einer Anwendung zwischen 2027 und 2029. Bird & Bird, 2026 Kommt die vom Rat gewünschte zweijährige Übergangszeit für die ESMA hinzu, verschiebt sich die tatsächliche Übernahme der Krypto-Aufsicht ins Jahr 2030.
Die Grenzen dieser Rechnung: Brüssel kann schneller sein, wenn der politische Druck steigt, und deutlich langsamer, wenn sich Parlament und Rat über die Schwellenwerte für „bedeutend“ verhaken. Ein großer Börsenzusammenbruch oder Hack in der EU würde das Tempo vermutlich erhöhen. Dass bis 2028 alles steht, halten wir für unwahrscheinlich.
Was solltest du jetzt konkret tun?
Als Krypto-Anleger in Deutschland solltest du bis Mitte 2027 drei Dinge erledigen: im ESMA-Register prüfen, ob die Gesellschaft hinter deiner Börse eine MiCA-Lizenz hat, Kaufbelege und Transaktionsdaten für Herkunftsnachweise sammeln und den Anteil deines Vermögens auf einer einzelnen Börse begrenzen.
Erstens: Lizenz prüfen. Nicht die Marke, sondern die Gesellschaft. Fünf Minuten Aufwand, und du weißt, ob du bei einem EU-regulierten Anbieter bist. Zweitens: Belege sammeln. Exportiere einmal im Jahr deine Transaktionshistorie von jeder Börse. Diese Dateien brauchst du für die Steuererklärung, für Herkunftsnachweise bei der Bank und im Ernstfall für Ansprüche gegen einen Anbieter. Drittens: Klumpen vermeiden. Der Rechner oben zeigt dir, wie viel du verlagern müsstest. Viertens, falls relevant: Privacy Coins rechtzeitig aus Börsen-Depots holen oder verkaufen, bevor das Regelbuch im Juli 2027 greift.
Was du nicht tun musst: Panik bekommen oder alles von regulierten Börsen abziehen. Die zentrale Aufsicht soll Börsen sicherer machen, nicht unsicherer. Wer bei einem gut regulierten Anbieter handelt und den Langfristbestand selbst verwahrt, ist für alle Szenarien dieses Artikels gut aufgestellt. Ein Blick über den Atlantik zeigt übrigens, dass die Frage „Wer beaufsichtigt Krypto?“ nicht nur in Europa umkämpft ist – mehr dazu in unserem Überblick über die SEC-Regeln 2026. Und weil die EU parallel an einem eigenen digitalen Zahlungsmittel arbeitet, lohnt der Blick auf den Stand beim digitalen Euro.
Laut KryptoZukunft.com-Analyse (Felix Rieger, Oktober 2026) ist die BaFin-Forderung vom August 2025 nach direkter AMLA-Geldwäscheaufsicht über große Krypto-Börsen inzwischen von einer größeren Reform überholt: der geplanten Verlagerung der MiCA-Aufsicht über die bedeutendsten Krypto-Börsen zur ESMA in Paris.
Die AMLA beaufsichtigt ab dem 1. Januar 2028 rund 40 Finanzgruppen direkt, die in mindestens sechs EU-Staaten tätig sind und das höchste Geldwäscherisiko tragen; Krypto-Dienstleister gelten als wahrscheinliche Kandidaten.
Der Rat der EU hat am 9. Oktober 2026 beschlossen, nur die bedeutendsten Krypto-Dienstleister zur ESMA zu verlagern; die übrigen bleiben bei ihrer nationalen Behörde, in Deutschland der BaFin.
Ab dem 10. Juli 2027 dürfen EU-regulierte Krypto-Dienstleister nach Artikel 79 der Geldwäscheverordnung keine anonymen Konten und keine Konten mit anonymitätsfördernden Coins mehr führen.
Nach Berechnung von KryptoZukunft.com ist eine direkte ESMA-Aufsicht über die größten Krypto-Börsen im Basisszenario ab etwa 2030 realistisch.
Ich muss zugeben, dass ich die BaFin-Meldung im August 2025 zu groß verkauft habe. Ich hatte damals das Gefühl, hier passiere die große Zentralisierung der Krypto-Aufsicht, und habe nicht sauber getrennt, was die AMLA darf und was nicht. Die eigentliche Weichenstellung kam erst im Dezember, mit dem ESMA-Vorschlag der Kommission, und sie ist bis heute nicht entschieden. Das hat mich daran erinnert, dass Regulierung in Europa selten mit einem Paukenschlag kommt, sondern in vielen kleinen Schritten mit noch mehr Abkürzungen. Mein persönlicher Blick darauf ist gemischt. Einerseits finde ich es richtig, dass eine Börse, die in 27 Ländern Kunden hat, nicht vom kleinsten und freundlichsten Aufseher abhängen sollte. Andererseits habe ich bei kleineren deutschen Anbietern erlebt, wie wertvoll eine Aufsicht ist, die man anrufen kann und die die eigene Sprache spricht. Das gestufte Modell, auf das es jetzt hinausläuft, halte ich deshalb für einen vernünftigen Kompromiss. Was ich selbst mache: Ich halte auf jeder Börse nur das, was ich zum Handeln brauche, und exportiere meine Daten jedes Jahr. Das ist unspektakulär, schützt aber in jedem Szenario, egal ob die Aufsicht in Bonn, Frankfurt oder Paris sitzt. Dieser Text ist meine persönliche Einordnung und keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
Felix Rieger · Gründer & Chefredakteur · KryptoZukunft.com · 31. Oktober 2026
Quiz: Weißt du, wer deine Börse beaufsichtigt?
1. Seit wann hat die AMLA ihre Befugnisse übernommen?
2. In wie vielen EU-Staaten muss ein Institut mindestens aktiv sein, um für die direkte AMLA-Aufsicht ausgewählt werden zu können?
3. Was hat der Rat am 9. Oktober 2026 zur ESMA-Aufsicht beschlossen?
4. Was verbietet Artikel 79 der EU-Geldwäscheverordnung ab dem 10. Juli 2027?
5. Schützt eine MiCA-Lizenz dein Guthaben wie eine Einlagensicherung?
Punkte: 0 von 5
Häufige Fragen zur Aufsicht über Krypto-Börsen
Was ist die AMLA?
Was hat die BaFin im August 2025 gefordert?
Wird meine Börse ab 2028 von der AMLA beaufsichtigt?
Was ist die ESMA?
Was hat die EU-Kommission am 4. Dezember 2025 vorgeschlagen?
Was hat der Rat am 9. Oktober 2026 beschlossen?
Ab wann beaufsichtigt die ESMA Krypto-Börsen direkt?
Verliert die BaFin die Zuständigkeit für Krypto?
Wie viele Krypto-Börsen haben eine MiCA-Lizenz?
Wie finde ich heraus, ob meine Börse zugelassen ist?
Was passiert, wenn meine Börse keine MiCA-Lizenz hat?
Was ändert sich am 10. Juli 2027?
Werden Privacy Coins wie Monero verboten?
Ist eine Börse mit MiCA-Lizenz sicher?
Wird KYC bei Krypto-Börsen strenger?
Warum gelten Krypto-Börsen als Geldwäsche-Risiko?
Wer ist für, wer gegen die zentrale Krypto-Aufsicht?
Was sollte ich als Anleger jetzt tun?
Weiterlesen auf KryptoZukunft.com
Quellen
- BaFin – Exekutivdirektorin Abwicklung und Geldwäscheprävention (Birgit Rodolphe), abgerufen 31.10.2026
- AML Intelligence – Rodolphe zur AMLA, 12.05.2026
- AMLA – AMLA expects high standards against financial crime in the crypto sector, 15.07.2025
- Lovguiden – AMLA-Vorsitzende Szego zu Konvergenz und Direktaufsicht 2028, 07.10.2026
- Jones Day – Direct supervisory powers of the new European AML Authority, Juli 2025
- Bird & Bird – European Commission introduces Market Integration and Supervision Package, 2026
- FIN LAW – Will ESMA replace BaFin in MiCAR supervision?, 23.02.2026
- Regulation Tomorrow – Council adopts key elements of negotiating position on MISP, Oktober 2026
- PwC Legal – MISP after the October Council political agreement, 26.10.2026
- Regulation Tomorrow – ECON draft reports on MISP, Juni 2026
- PwC Legal – Examining the June 2026 rapporteur reports on MISP, 14.07.2026
- Legalink – Malta opposes centralisation of ESMA supervision, 30.09.2025
- Cointelegraph – Centralizing crypto: why Malta clashes with ESMA, 03.04.2026
- EUR-Lex – Stellungnahme der EZB vom 9. April 2026 (CON/2026/13)
- Yahoo Finance – ECB backs ESMA-led crypto supervision, 13.04.2026
- Elliptic – What the end of MiCA’s transitional period means for crypto businesses, 2026
- TRM Labs – Crypto Crime Report: illicit flows USD 158B in 2025, 28.01.2026
- Springlex – AMLR (Verordnung (EU) 2024/1624), Artikel 79
- Regulation Tomorrow – AMLA advisory note zum Ende der MiCA-Übergangsfrist, 30.06.2026
- PwC Blog – MiCAR-Stichtag 1. Juli 2026, 11.06.2026
- EZB – Euro-Referenzkurs USD, 30.10.2026 (1,1172)
Zitiervorschlag: Rieger, Felix (2026): Wer beaufsichtigt Krypto-Börsen ab 2028? AMLA, ESMA und BaFin im Check – was die EU-Pläne 2026 für dich bedeuten. KryptoZukunft.com, aktualisiert am 31. Oktober 2026. https://kryptozukunft.com/2025/08/14/bafin-fordert-eu-ueberwachung-fuer-krypto-boersen-einheitliche-regeln-ab-2028-im-fokus/
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die beschriebenen EU-Reformen befinden sich zum Stand 31. Oktober 2026 noch im Gesetzgebungsverfahren und können sich wesentlich ändern. Kryptowerte sind hochvolatil; ein Totalverlust ist möglich. Prüfe vor Entscheidungen die aktuelle Rechtslage und hol dir bei Bedarf fachkundigen Rat.