Was ist IPFS? Dezentrale Speicherung 2026 erklärt – Shipyard-Aus, Gateway-Limits, Pinning-Kosten & Filecoin vs. Arweave
Inhaltsverzeichnis (25)
- Was ist IPFS? Dezentrale Speicherung 2026 erklärt – und was das Shipyard-Aus für deine Daten bedeutet
- Was ist IPFS einfach erklärt?
- Wie funktioniert IPFS technisch – von der Datei bis zum Abruf?
- Was ist eine CID – und woran erkennst du CIDv0 und CIDv1?
- Ist IPFS eine Blockchain oder eine Kryptowährung?
- Speichert IPFS Daten wirklich für immer?
- Was ist Pinning – und wer bezahlt dafür?
- Was ist 2026 bei IPFS passiert – warum hat Shipyard aufgehört?
- Funktionieren ipfs.io und dweb.link 2026 noch?
- Wer pflegt Kubo und Helia nach dem 30. September 2026?
- Was müssen NFT-Besitzer und Projektbetreiber jetzt tun?
- Was kostet es, Daten dauerhaft auf IPFS zu speichern?
- Was ist der Unterschied zwischen IPFS, Filecoin und Arweave?
- Wie steht es 2026 um Filecoin – wächst das Netzwerk noch?
- Was bedeuten die Kurse von FIL und AR für deine Speicherplanung?
- Wie nutzt du IPFS selbst – Schritt für Schritt?
- Was sind IPNS und DNSLink?
- Ist IPFS sicher – und warum nutzen Betrüger IPFS-Links?
- Ist IPFS zensurresistent – und was gilt rechtlich?
- Wofür wird IPFS 2026 tatsächlich genutzt?
- Lohnt sich IPFS 2026 noch?
- Häufige Fragen zu IPFS 2026
- Weiterlesen auf KryptoZukunft.com
- Quellen
- Ähnliche Beiträge
Was ist IPFS? Dezentrale Speicherung 2026 erklärt – und was das Shipyard-Aus für deine Daten bedeutet
IPFS (InterPlanetary File System) ist ein Peer-to-Peer-Protokoll, das Dateien über ihren Inhalt statt über einen Serverstandort findet. 2026 ist das Jahr, in dem sich zeigt, was das in der Praxis heißt: Das Kernteam Shipyard hat seine IPFS-Arbeit am 30. September 2026 beendet, die bekannten Gateways ipfs.io und dweb.link drosseln Zugriffe – und wer NFTs, Website-Dateien oder Archive „im IPFS“ liegen hat, sollte jetzt prüfen, wer diese Daten tatsächlich am Leben hält.
Dieser Artikel erschien ursprünglich am 9. Juni 2025 und wurde zuletzt im Juni 2026 erweitert. Damals schrieben wir, Kubo und Helia würden von der Interplanetary Shipyard gepflegt und ipfs.io sei der Standardweg zum Abrufen. Beides stimmt so nicht mehr: Protocol Labs hat die Finanzierung von Shipyard nicht verlängert, das Team hat seine IPFS-Arbeit zum 30. September 2026 eingestellt, und die öffentlichen Gateways leiten Browser seit August 2026 auf eine In-Browser-Lösung um und begrenzen Hotlinks. Neu sind außerdem ein Speicherkosten-Rechner in Euro, ein Gateway-Risiko-Check, ein CID-Erkenner, aktuelle Filecoin-Netzwerkdaten bis August 2026 sowie FIL- und AR-Kurse zum 23. Oktober 2026. Die Kernaussage bleibt: IPFS macht Inhalte auffindbar, aber nicht automatisch dauerhaft.
Was ist IPFS einfach erklärt?
IPFS (InterPlanetary File System) ist ein offenes Peer-to-Peer-Protokoll, das Dateien über einen kryptografischen Fingerabdruck ihres Inhalts (die CID) adressiert statt über einen Serverstandort – Stand Oktober 2026 wird es vor allem für NFT-Metadaten, Web3-Frontends und verifizierbare Archive genutzt.
Stell dir eine Bibliothek vor, in der du ein Buch nicht über das Regal findest („dritter Gang, oben links“), sondern über einen eindeutigen Code, der aus dem Text des Buches selbst berechnet wurde. Egal, wer eine Kopie dieses Buches hat – Nachbarin, Uni-Bibliothek oder ein Rechenzentrum in Singapur –, du bekommst garantiert genau diesen Inhalt. Genau so arbeitet IPFS. Eine klassische Web-Adresse wie https://beispiel.de/bild.jpg sagt nur, wo etwas liegt. Wird die Datei dort ausgetauscht oder der Server abgeschaltet, zeigt der Link ins Leere oder auf etwas anderes. Eine IPFS-Adresse sagt dagegen, was etwas ist.
Das Prinzip stammt aus dem Jahr 2015, entwickelt von Juan Benet und Protocol Labs. Technisch verbindet IPFS mehrere ältere Ideen: den Hashwert als digitalen Fingerabdruck, verteilte Hashtabellen wie bei BitTorrent und die Versionslogik von Git. Das Ergebnis ist ein Netz aus Rechnern („Knoten“), die Datenblöcke untereinander tauschen, ohne dass ein zentraler Server zuständig ist – ein klassisches Peer-to-Peer-Netzwerk.
Aus der Praxis: Die meisten Menschen benutzen IPFS, ohne es zu merken. Wenn du ein NFT auf einem Marktplatz anschaust, holt die Seite das Bild häufig über eine IPFS-Adresse. Wenn das Bild plötzlich nicht mehr lädt, liegt das fast nie an der Blockchain, sondern daran, dass niemand die Datei mehr im IPFS-Netz bereithält. Dazu gleich mehr – das ist der wichtigste Punkt dieses Artikels.
Wie funktioniert IPFS technisch – von der Datei bis zum Abruf?
IPFS zerlegt eine Datei in Blöcke von typischerweise bis zu 1 MiB, verknüpft sie als Merkle-DAG, berechnet daraus eine CID und kündigt im Netzwerk über eine verteilte Hashtabelle (DHT) an, welcher Knoten welche Blöcke hat; abgerufen wird per Bitswap oder HTTP von jedem Knoten, der die Daten besitzt.
Der Ablauf in vier Schritten: Erstens wird deine Datei in Blöcke geschnitten. Zweitens bekommt jeder Block einen Hash, und die Blöcke werden in einer Baumstruktur verknüpft, dem sogenannten Merkle-DAG. Das Prinzip kennst du vielleicht vom Merkle Tree in Bitcoin: Ein einziger Wurzel-Hash fasst alle Teile zusammen, und jede Änderung an einem Byte ändert die Wurzel. Drittens wird aus der Wurzel die CID (Content Identifier) gebildet – das ist die Adresse, die du teilst. Viertens „verkündet“ dein Knoten über die DHT: „Ich habe Inhalte zu dieser CID.“
Will jemand die Datei laden, fragt sein Knoten die DHT, wer die CID anbietet, verbindet sich mit diesen Knoten und holt die Blöcke über das Tauschprotokoll Bitswap oder inzwischen auch per HTTP. Jeder empfangene Block wird gegen seinen Hash geprüft. Eine manipulierte Kopie fällt sofort auf, weil ihr Fingerabdruck nicht passt. Das ist der Grund, warum man bei IPFS gerne von verifizierbaren Daten spricht: Du musst dem Absender nicht vertrauen, nur der Mathematik dahinter – ähnlich wie bei einem One-Way-Hash, den man nicht zurückrechnen kann.
Die Netzwerkschicht dahinter heißt libp2p, die Datenmodellschicht IPLD. Beide werden auch außerhalb von IPFS eingesetzt, etwa in Ethereum-Clients und bei Filecoin. Wichtig für das Verständnis: Ein Knoten speichert nur, was er selbst hinzugefügt oder abgerufen hat. Es gibt keine automatische Verteilung deiner Datei auf tausend Rechner. Wer das verwechselt, erlebt später böse Überraschungen.
Was ist eine CID – und woran erkennst du CIDv0 und CIDv1?
Eine CID (Content Identifier) ist die inhaltsbasierte Adresse einer Datei in IPFS; alte CIDv0-Adressen beginnen mit „Qm“ und sind 46 Zeichen lang, moderne CIDv1-Adressen in Base32 beginnen meist mit „baf“ und sind seit Jahren der Standard in Kubo und Helia.
CIDv1 hat einen praktischen Vorteil: Weil sie nur Kleinbuchstaben und Ziffern nutzt, passt sie in Subdomains. Gateways können dadurch jede Website in einer eigenen Herkunft (Origin) isolieren, was Cookie-Diebstahl zwischen IPFS-Seiten verhindert. Ein „bafy…“-Präfix deutet auf eine verzeichnis- oder dateistrukturierte Ablage (dag-pb) hin, „bafk…“ auf rohe Datenblöcke (raw). Mit dem kleinen Werkzeug unten kannst du eine CID oder einen Gateway-Link einfügen und sofort sehen, was drinsteckt.
Die Erkennung arbeitet mit Präfix- und Zeichensatzregeln und ersetzt keinen vollständigen Multiformats-Decoder. Nichts wird übertragen – alles läuft lokal in deinem Browser.
Ist IPFS eine Blockchain oder eine Kryptowährung?
Nein: IPFS ist weder Blockchain noch Coin, sondern ein Protokoll für Dateiadressierung und -transport ohne eigenen Token, ohne Konsens und ohne Gebühren; die Kryptowährung Filecoin (FIL) ist ein separates Netzwerk, das bezahlte Speicherung für IPFS-Daten organisiert.
Diese Verwechslung begegnet uns in Leserfragen ständig, und sie ist verständlich: Beide stammen von Protocol Labs, beide nutzen CIDs. Eine Blockchain ist aber ein gemeinsames Kassenbuch, auf das sich alle Teilnehmer per Konsens einigen. IPFS hat kein solches Buch. Jeder Knoten entscheidet selbst, was er speichert. Es gibt auch keine Belohnung dafür – und genau deshalb verschwinden Daten, wenn sich niemand mehr kümmert.
In der Praxis ergänzen sich Blockchain und IPFS: Ein NFT-Vertrag nach dem ERC-721-Standard speichert on-chain nur einen kurzen Verweis wie ipfs://bafy…/1.json. Die eigentlichen Metadaten und das Bild liegen off-chain im IPFS-Netz. Das spart enorme Gebühren, denn ein Megabyte direkt auf Ethereum zu schreiben, wäre unbezahlbar. Wer den Unterschied zwischen beiden Welten vertiefen will, findet ihn in unseren Erklärungen zu On-Chain-Daten und Off-Chain-Lösungen.
Unsere Einschätzung: Wenn dir jemand einen „IPFS-Token“ verkaufen will, sei misstrauisch. Es gibt keinen offiziellen. Der Name wird gern von Trittbrettfahrern genutzt, um seriös zu wirken.
Speichert IPFS Daten wirklich für immer?
Nein: Laut offizieller IPFS-Dokumentation (Stand Oktober 2026) bleiben Inhalte nur verfügbar, solange mindestens ein Knoten sie „pinnt“; nicht gepinnte Daten können von der Garbage Collection gelöscht werden, und wenn der einzige zahlende Sponsor aufhört, kann ein Inhalt vollständig verloren gehen.
Das ist das gefährlichste Missverständnis rund um IPFS, und wir haben es in frühen Versionen dieses Artikels selbst zu weich formuliert. Die Dokumentation ist eindeutig: Knoten löschen per Garbage Collection Daten, die sie für nicht mehr nötig halten; nur gepinnte Inhalte sind davor geschützt IPFS Docs: Persistence, abgerufen 23.10.2026. Content-Adressierung garantiert also Echtheit und Auffindbarkeit – aber nicht Existenz.
Ein Alltagsvergleich: Die CID ist wie die ISBN eines Buches. Die ISBN bleibt für immer gültig. Ob irgendwo noch ein Exemplar im Regal steht, ist eine ganz andere Frage. Wenn alle Bibliotheken das Buch aussortieren, hilft dir die korrekte ISBN nichts mehr.
Viele frühe NFT-Projekte haben genau das erlebt. Die Bilder wurden 2021 bei einem Gratisdienst hochgeladen, der Dienst stellte seinen Betrieb um oder ein, niemand pinnte nach, und heute zeigen Marktplätze graue Platzhalter. Der Token existiert weiter auf der Blockchain, er zeigt nur auf nichts mehr. Für Sammler ist das bitter, weil der Wert eines NFTs eben doch am sichtbaren Inhalt hängt.
Was ist Pinning – und wer bezahlt dafür?
Pinning bedeutet, dass ein IPFS-Knoten einen Inhalt ausdrücklich behält und von der Garbage Collection ausnimmt; bezahlt wird das entweder durch den Betrieb eines eigenen Knotens oder durch Pinning-Dienste wie Pinata (ab 20 US-Dollar im Monat für 1 TB) oder Filebase (7,50 US-Dollar im Monat für 500 GB, Stand Oktober 2026).
Ein Pin ist im Grunde ein Versprechen: „Diese Daten löschst du nicht.“ Auf deinem eigenen Rechner kostet das Festplattenplatz und Strom und setzt voraus, dass der Rechner online ist. Bei einem Pinning-Dienst zahlst du jemanden, der das für dich übernimmt. Pinata bietet einen Gratis-Tarif mit 1 GB und 500 Dateien, der Tarif „Picnic“ kostet 20 US-Dollar monatlich für 1 TB, jedes weitere Gigabyte 0,07 US-Dollar Pinata Pricing, abgerufen 23.10.2026. Filebase verlangt 7,50 US-Dollar im Monat für 500 GB inklusive 250 GB Datenabruf, darüber 0,015 US-Dollar pro GB Filebase IPFS-Rechner, Stand 15.04.2026.
Umgerechnet mit dem EZB-Referenzkurs vom 23. Oktober 2026 (1 € = 1,1193 US-Dollar) EZB-Referenzkurs USD, 23.10.2026 sind das rund 17,87 € pro Monat bei Pinata Picnic und rund 6,70 € bei Filebase. Klingt wenig. Über zehn Jahre summiert es sich aber auf 2.144 € beziehungsweise 804 € – und die Daten sind nur so lange sicher, wie die Kreditkarte läuft und der Anbieter existiert. Das ist kein Argument gegen Pinning-Dienste, aber ein Argument für einen Plan B.
Aus der Praxis: Pinne wichtige Inhalte immer an mindestens zwei unabhängigen Stellen, zum Beispiel bei einem Dienst und auf einem eigenen Knoten oder bei zwei Diensten. Weil die CID überall identisch ist, gibt es dabei kein Durcheinander mit Versionen.
Was ist 2026 bei IPFS passiert – warum hat Shipyard aufgehört?
Am 24. August 2026 kündigte die Interplanetary Shipyard an, ihre gesamte IPFS-Entwicklung, -Wartung und -Infrastruktur zum 30. September 2026 einzustellen, weil Protocol Labs die Finanzierung nach gut zwei Jahren nicht verlängert hat.
Shipyard war 2024 als unabhängiges Kollektiv langjähriger IPFS-Entwickler entstanden, die zuvor bei Protocol Labs gearbeitet hatten. Das Team pflegte die wichtigsten Implementierungen und betrieb die öffentliche Infrastruktur. In der Ankündigung heißt es, die letzte IPFS-bezogene Arbeit erfolge am 30. September 2026; auch die Beiträge zu go-libp2p und js-libp2p sowie die Arbeit an Spezifikationen und Standards enden Interplanetary Shipyard, 24.08.2026. Nach eigenen Angaben erreichen die kostenlosen Werkzeuge und Integrationen des Teams mehr als 75 Millionen monatlich aktive Nutzer.
Protocol Labs reagierte einen Tag später. Laut Molly Mackinlay, Engineering- und Research-Leiterin bei Protocol Labs, soll IPFS künftig von einer „leichtgewichtigeren“ Betreuung getragen werden, bei der einzelne Maintainer über Förderungen der IPFS Foundation unterstützt werden Cointelegraph, 25.08.2026. Das IPFS-Blog beschreibt die neue Ausrichtung so: Geld fließe stärker in Spezifikationen, Konformitätstests, Interoperabilität, Förderprogramme und Migrationsleitfäden IPFS Blog, 25.08.2026 (aktualisiert 21.10.2026).
Unsere Einschätzung: IPFS wird dadurch nicht abgeschaltet. Ein Protokoll, das auf tausenden unabhängigen Knoten läuft, kann man nicht einfach ausknipsen – das ist ja der Sinn von Dezentralisierung. Aber das Ökosystem verliert seine zentrale Pflegemannschaft. Das ist ungefähr so, als würde bei einer großen Open-Source-Software die Kernfirma gehen: Der Code bleibt, Sicherheitsupdates und neue Funktionen werden aber unsicherer. Für Hobbynutzer ändert sich kurzfristig wenig. Für Unternehmen, die IPFS in Produkte eingebaut haben, ist es ein Weckruf.
Funktionieren ipfs.io und dweb.link 2026 noch?
Teilweise: Seit August 2026 leiten ipfs.io und dweb.link Browser-Besucher auf das In-Browser-Gateway inbrowser.link um und begrenzen Hotlinks sowie Server-Zugriffe per Rate Limiting, das laut IPFS-Blog weiter verschärft wird; Shipyard hat den Betrieb dieser Gateways zum 30. September 2026 abgegeben.
Ein Gateway ist eine Brücke zwischen dem normalen Web und IPFS: Du rufst https://ipfs.io/ipfs/<CID> auf, der Gateway-Server holt die Daten aus dem Netz und liefert sie per HTTP aus. Bequem – aber zentral. Genau das soll sich ändern. Statt die Daten selbst zu liefern, geben die Gateways dem Browser jetzt einen Service Worker, der sich direkt mit Knoten verbindet und die Inhalte selbst prüft. Für normale Besucher sieht das fast gleich aus. Für Apps, die Bilder, JSON-Metadaten oder Skripte direkt von ipfs.io einbinden, gilt das nicht: Sie laufen in Drosselungen IPFS Blog, 25.08.2026.
Das hat Vorgeschichte. Cloudflare hatte sein öffentliches IPFS-Gateway bereits am 14. August 2024 beendet und den Verkehr auf ipfs.io und dweb.link umgeleitet Dr. Web, 24.08.2026. Im selben Monat entfernte Brave den eingebauten IPFS-Knoten mit Version 1.69.153, weil weniger als 0,1 % der Nutzer ihn verwendeten und die Wartung zu teuer war Brave, 22.08.2024. Die bequemen, kostenlosen Zugänge sind also schrittweise weggefallen. Wer heute noch fest verdrahtete ipfs.io-Links in seiner App hat, baut auf einer Brücke, die gerade abgebaut wird.
Wer pflegt Kubo und Helia nach dem 30. September 2026?
Stand 23. Oktober 2026 haben Kubo, Helia, Boxo, Rainbow, IPFS Desktop und IPFS Companion keine fest angestellten Maintainer mehr; Kubo v0.43.1 vom 15. September 2026 ist laut Release-Notes das letzte Release des Shipyard-Teams, Fragen zum Übergang sollen ins Community-Forum discuss.ipfs.tech.
Kubo ist die Go-Implementierung und die meistgenutzte IPFS-Software, früher bekannt als go-ipfs. Helia ist die modulare JavaScript-Variante, die js-ipfs abgelöst hat. In den Release-Notes heißt es unmissverständlich, nach dem Stichtag pflege bei Shipyard niemand mehr Kubo GitHub ipfs/kubo Releases, abgerufen 23.10.2026. Version 0.43.0 vom 3. August 2026 schloss noch vier Sicherheitslücken, v0.43.1 brachte vor allem Fehlerbehebungen und eine wichtige Änderung für Gateway-Betreiber: Der Header „Ipfs-Uri“ ersetzt „X-Ipfs-Path“ Kubo v0.43.1 Release-Notes.
Was heißt das für dich? Kurzfristig nichts Dramatisches: Kubo 0.43.1 funktioniert. Mittelfristig solltest du beobachten, ob sich eine neue Maintainer-Gruppe formiert, ob die IPFS Foundation Förderungen vergibt und ob Sicherheitslücken noch zeitnah geschlossen werden. Ein Knoten, der jahrelang ohne Updates im Internet hängt, ist ein Risiko. Wer das Thema Open-Source-Pflege vertiefen will: In unserem Artikel Was ist GitHub? zeigen wir, wie du Commit-Aktivität und Release-Rhythmus eines Projekts selbst prüfst.
Ehrlich gesagt: Ob die „leichtgewichtige Betreuung“ funktioniert, weiß heute niemand. Open Source kennt beide Verläufe – Projekte, die nach dem Rückzug des Hauptsponsors aufblühen, und solche, die langsam verwaisen. Wir aktualisieren diesen Abschnitt, sobald es belastbare Zeichen in die eine oder andere Richtung gibt.
Hake an, was auf dein Projekt, deine NFT-Sammlung oder deine Website zutrifft.
Was müssen NFT-Besitzer und Projektbetreiber jetzt tun?
NFT-Besitzer sollten im Herbst 2026 prüfen, ob Bild und Metadaten ihrer Token noch abrufbar sind und von wem sie gepinnt werden; Projektbetreiber sollten feste ipfs.io-Links durch ipfs://-URIs ersetzen, Daten bei mindestens zwei unabhängigen Stellen pinnen und für Server-Zugriffe einen eigenen Knoten oder ein bezahltes Gateway nutzen.
Als Sammler kannst du wenig selbst ändern, denn der Verweis im Smart Contract ist meist unveränderlich. Was du aber tun kannst: Schau im Blockexplorer nach, welche URI dein Token hinterlegt hat. Steht dort ipfs://…, ist das gut, denn diese Adresse ist gateway-unabhängig. Steht dort https://ipfs.io/ipfs/…, hängt die Darstellung an einem Gateway, das gerade gedrosselt wird. Im ersten Fall kannst du die Daten sogar selbst pinnen und damit am Leben halten. Genau das ist eine der schönsten Eigenschaften von IPFS: Jeder, der einen Inhalt schätzt, kann ihn bewahren, ohne dass sich die Adresse ändert.
Für Projekte und Entwickler empfiehlt das IPFS-Blog drei Wege: Browser-Anwendungen sollen auf @helia/verified-fetch oder den Drop-in-Service-Worker wechseln, Server und Bots einen eigenen Knoten oder ein eigenes Gateway wie Rainbow betreiben, und wer bezahlten Abruf braucht, nennt das Blog Pinata, Filebase und Lighthouse als Anbieter. Wenn du selbst Bilder als NFT herausgibst, lies vorher unseren Ratgeber zum NFT-Minting und seinen Kosten – dort gehört die Speicherfrage in die Kalkulation, nicht in die Fußnote.
Rechenbeispiel: Eine Sammlung mit 10.000 Bildern à 2 MB umfasst 20 GB. Bei Pinata Picnic zahlst du dafür über 20 Jahre rund 4.288 €, bei Arweave nach dem unten erklärten Richtwert einmalig rund 125 €. Der Unterschied ist so groß, dass er die Wahl der Speicherlösung fast allein entscheidet – vorausgesetzt, du vertraust dem Arweave-Modell. Dazu gleich mehr.
Was kostet es, Daten dauerhaft auf IPFS zu speichern?
Nach Berechnung von KryptoZukunft.com (Stand 23. Oktober 2026, EZB-Kurs 1,1193) kosten 20 GB über zehn Jahre bei Filebase rund 804 €, bei Pinata rund 2.144 €, als einmalige Arweave-Speicherung rund 125 € und auf einem eigenen Mini-Knoten mit 10 Watt rund 457 € inklusive Hardware.
Der Rechner unten nutzt die Listenpreise der Anbieter. Für Arweave verwenden wir den Richtwert von ArDrive, wonach etwa 0,007 US-Dollar pro Megabyte die ersten 200 Jahre Speicherung abdecken ArDrive: Can data really be stored forever?; das entspricht rund 7 US-Dollar oder 6,25 € pro Gigabyte. Weil der Preis in AR-Token berechnet wird, schwankt er mit dem Kurs. Für den eigenen Knoten nehmen wir 150 € Hardware und 35 Cent pro Kilowattstunde an – beides sind unsere Annahmen, keine Messwerte. Ausfallrisiko, Zeitaufwand und Internetanschluss sind nicht eingepreist.
| Variante | Kosten gesamt (EUR) |
|---|---|
| Filebase (7,50 $/Monat bis 500 GB) | 804,07 € |
| Pinata (Free bis 1 GB, sonst 20 $/Monat bis 1 TB) | 2.144,20 € |
| Arweave (Richtwert 7 $/GB, einmalig) | 125,08 € |
| Eigener Knoten (150 € + 10 W bei 0,35 €/kWh) | 456,60 € |
Quelle der Preise: Anbieter-Websites, abgerufen 23.10.2026; Umrechnung zum EZB-Referenzkurs vom 23.10.2026 (1 € = 1,1193 $). Eigene Berechnung, ohne Gewähr.
Was der Rechner zeigt, ist weniger eine Kaufempfehlung als eine Denkhilfe. Abo-Modelle sind bei kleinen Datenmengen teuer, weil du für einen ganzen Tarif zahlst, auch wenn du ihn kaum ausnutzt. Die einmalige Arweave-Zahlung wirkt unschlagbar günstig, verlagert das Risiko aber in die Zukunft: Du musst darauf vertrauen, dass das Netzwerk und sein Stiftungsmodell 2050 noch funktionieren. Und der eigene Knoten ist nur dann günstig, wenn du Zeit und Nerven nicht mitrechnest. Unsere Einschätzung: Für alles, was dir wirklich wichtig ist, kombiniere zwei Modelle – etwa Arweave als Langzeitanker plus einen Pinning-Dienst für schnellen Abruf.
Was ist der Unterschied zwischen IPFS, Filecoin und Arweave?
IPFS adressiert und transportiert Daten kostenlos, garantiert aber keine Speicherung; Filecoin ist ein Blockchain-Marktplatz, auf dem Speicheranbieter gegen FIL-Zahlungen nachweisbar Daten vorhalten; Arweave verkauft mit einer Einmalzahlung in AR Speicherung, die laut Protokoll-Dokumentation 200 Jahre abdecken soll.
| System | Rolle | Persistenz | Bezahlung | Token (Kurs 23.10.2026) |
|---|---|---|---|---|
| Klassisches Web (HTTP) | Adressierung nach Standort | solange der Server läuft | laufendes Hosting | – |
| IPFS | Adressierung nach Inhalt, Transport | solange jemand pinnt | Protokoll gratis, Pinning kostet | kein Token |
| Filecoin | Anreiz- und Nachweisschicht | für die Laufzeit eines Deals | laufende Deals in FIL oder Stablecoins | FIL ≈ 0,99 $ / 0,89 € |
| Arweave | Permanenter Speicher | Ziel: 200+ Jahre | Einmalzahlung in eine Stiftung (Endowment) | AR ≈ 3,72 $ / 3,32 € |
Kurse: CoinMarketCap, abgerufen 23.10.2026; Euro-Umrechnung zum EZB-Referenzkurs 1,1193.
Filecoin wurde ebenfalls von Protocol Labs entwickelt und nutzt intern dieselben CIDs. Speicheranbieter hinterlegen Sicherheiten, schließen Verträge („Deals“) und müssen regelmäßig kryptografisch nachweisen, dass sie die Daten noch haben. Wer betrügt, verliert Sicherheiten. Ausführlich erklären wir das Netzwerk in Was ist Filecoin (FIL)?.
Arweave verfolgt einen anderen Gedanken. Du zahlst einmal, ein kleiner Teil geht sofort an die Miner, der größere Teil in eine Stiftung, aus der künftige Speicherkosten bezahlt werden. Die Arweave-Dokumentation beschreibt, dass Nutzer „200 Jahre replizierter Speicherung zu heutigen Preisen“ bezahlen und das Modell tragfähig bleibt, solange Speicherkosten um mindestens etwa 0,5 % pro Jahr sinken – historisch fielen sie deutlich schneller Arweave Docs, abgerufen 23.10.2026. Die Annahme ist vorsichtig gewählt, bleibt aber eine Annahme. Ändern sich Tokenwert und Datenmenge ungünstig, schrumpft der Puffer.
Aus der Praxis: Viele seriöse Projekte nutzen alle drei. Arweave oder Filecoin sichern die Daten, IPFS sorgt mit derselben CID für schnelle, überprüfbare Auslieferung. Wer nur eines davon versteht, plant meist zu optimistisch.
Wie steht es 2026 um Filecoin – wächst das Netzwerk noch?
Nein, beim Angebot nicht: Laut einer Bitquery-Auswertung vom 22. September 2026 fiel die Zahl der Speicheranbieter mit Speichernachweis von 4.044 (September 2022) auf 517 (August 2026), die Rohkapazität sank um 92 % vom Höchststand und neue Deals im ursprünglichen Speichermarkt gingen seit Juni 2023 um 97 % zurück.
Die Zahlen sind ernüchternd. Bitquery wertet On-Chain-Daten des Filecoin-Netzes aus: Rohkapazität von 17.302 PiB im August 2022 auf 1.416 PiB im August 2026, monatlich neu beanspruchte Fil+-Daten von 164 PiB auf 6,5 PiB. Zwischen September 2025 und August 2026 erhielten Speicheranbieter rund 24,5 Mio. FIL Blockbelohnungen, umgerechnet etwa 31,3 Mio. US-Dollar. Der Warm-Storage-Dienst von Filecoin Onchain Cloud nahm dagegen von November 2025 bis August 2026 gerade einmal 1.676 US-Dollar ein Bitquery, 22.09.2026.
Unsere Rechnung: Auf jeden US-Dollar, den Kunden für den neuen Warm-Storage-Dienst gezahlt haben, kamen rund 18.700 US-Dollar an Blockbelohnungen aus Token-Ausgabe. Selbst wenn man den gesamten Durchfluss über Filecoin Pay von 53.932 US-Dollar ansetzt, bleibt ein Verhältnis von etwa 580 zu 1 – wobei davon laut Bitquery 51.140 US-Dollar aus einer einzigen Wallet stammten. Das Netzwerk wird also weiterhin überwiegend durch Inflation finanziert, nicht durch zahlende Nutzer. Die Filecoin Foundation sieht das selbst: In ihrer Strategie vom 19. Februar 2026 erklärt sie den Fokuswechsel „weg vom Wachstum des Angebots, hin zur Skalierung der Nachfrage“ und will bezahlte On-Chain-Deals sowie Stablecoin-Zahlungen voranbringen Filecoin Foundation, 19.02.2026.
Für dich als Nutzer ist das zweischneidig. Einerseits ist Speicherplatz auf Filecoin nach wie vor reichlich vorhanden. Andererseits zeigt die schrumpfende Anbieterzahl, wie stark das Netz von Subventionen abhing. Wer langfristig auf Filecoin setzt, sollte die Anbieter seiner Deals kennen und nicht alles auf einen einzelnen Speicherdienst legen.
Was bedeuten die Kurse von FIL und AR für deine Speicherplanung?
Am 23. Oktober 2026 notierte Filecoin (FIL) bei rund 0,99 US-Dollar und damit etwa 99,6 % unter dem Allzeithoch von 237,24 US-Dollar (1. April 2021), Arweave (AR) bei rund 3,72 US-Dollar und etwa 95,9 % unter dem Hoch von 90,94 US-Dollar (5. November 2021); beides senkt die Speicherkosten in Euro, erhöht aber das Risiko für die Anbieter.
Laut CoinMarketCap lag die Marktkapitalisierung von Filecoin bei 831 Mio. US-Dollar (rund 742 Mio. €) bei 838,2 Mio. FIL im Umlauf CoinMarketCap Filecoin, 23.10.2026. Arweave kam auf 244,8 Mio. US-Dollar (rund 219 Mio. €) bei 65,65 Mio. AR im Umlauf und einem Maximalangebot von 66 Mio. AR CoinMarketCap Arweave, 23.10.2026. Rund 2 Mio. verbrannte FIL in zwölf Monaten entsprechen nach unserer Rechnung etwa 0,24 % des Umlaufs – zu wenig, um die Ausgabe neuer Token auszugleichen.
Warum das für Speicherkunden relevant ist: Sinkt der Tokenpreis, werden Speicher-Deals in Euro billiger. Gleichzeitig verdienen die Anbieter weniger, manche steigen aus. Bei Arweave hängt die Kaufkraft der Stiftung ebenfalls am AR-Kurs. Ein dauerhaft niedriger Kurs ist für das 200-Jahre-Versprechen also keine gute Nachricht, auch wenn die Protokollregeln vorsichtig kalkuliert sind. Wer FIL oder AR als Anlage betrachtet, sollte diese Kennzahlen nüchtern einordnen; unsere Haltung zu solchen Infrastruktur-Token beschreiben wir im Abschnitt zur Einschätzung weiter hinten.
Wie nutzt du IPFS selbst – Schritt für Schritt?
Der einfachste Einstieg 2026 ist IPFS Desktop oder Kubo installieren, eine Datei hinzufügen, die erzeugte CIDv1 notieren, die Datei pinnen und zusätzlich bei einem Pinning-Dienst ablegen; abrufen lässt sie sich dann über ipfs://, inbrowser.link oder jeden anderen Knoten.
Schritt eins: Lade IPFS Desktop herunter (Windows, macOS, Linux) oder installiere Kubo über die Kommandozeile. Beachte, dass beide seit Oktober 2026 nicht mehr von Shipyard gepflegt werden; installiere nur aus den offiziellen GitHub-Releases. Schritt zwei: Füge eine Datei hinzu. Auf der Kommandozeile reicht ipfs add --cid-version 1 urlaub.jpg. Du erhältst eine CID, die mit „baf…“ beginnt. Schritt drei: Die Datei ist auf deinem Knoten automatisch gepinnt. Läuft dein Rechner nicht durchgehend, ist sie für andere aber nur erreichbar, solange er online ist. Schritt vier: Lade dieselbe Datei bei einem Pinning-Dienst hoch oder übergib dort die CID. Schritt fünf: Teile die Adresse als ipfs://<CID>.
Ein kleiner Haushalt mit Mini-PC verbraucht für einen 10-Watt-Knoten rund 87,6 Kilowattstunden im Jahr, bei 35 Cent also etwa 30,66 € – das ist unsere Beispielrechnung, dein Strompreis kann abweichen. Wer schon einen Rechner für einen Bitcoin-Full-Node betreibt, kann IPFS oft nebenher laufen lassen. Mehr über die verschiedenen Knotenarten findest du in unserem Überblick Was ist eine Node?.
Aus der Praxis: Lade nie private Dokumente unverschlüsselt in IPFS. Jeder, der die CID kennt, kann den Inhalt abrufen, und du kannst ihn nicht zurückholen, wenn andere ihn gepinnt haben. Für Persönliches verschlüssele vorher – oder nutze IPFS dafür gar nicht.
Was sind IPNS und DNSLink?
IPNS (InterPlanetary Name System) und DNSLink sind zwei Verfahren, um einen gleichbleibenden Namen auf wechselnde IPFS-CIDs zeigen zu lassen; IPNS nutzt dafür ein kryptografisches Schlüsselpaar, DNSLink einen TXT-Eintrag im klassischen Domain-System.
Weil jede Änderung an einer Datei eine neue CID erzeugt, bräuchte eine Website bei jedem Update eine neue Adresse. Das ist unpraktisch. IPNS löst das wie ein Namensschild: Der Name bleibt, du hängst ihn nur an eine neue Version. DNSLink macht dasselbe über deine normale Domain, etwa _dnslink.beispiel.de. Viele Web3-Oberflächen, also die Frontends von dApps, werden so ausgeliefert. Der Haken: DNSLink holt die Zentralisierung durch die Hintertür zurück, denn wer die Domain kontrolliert, kontrolliert, wohin sie zeigt. IPNS ist dezentraler, war in der Vergangenheit aber langsamer und weniger zuverlässig.
Ist IPFS sicher – und warum nutzen Betrüger IPFS-Links?
Die Inhalte in IPFS sind fälschungssicher, weil jede CID an einen Hash gebunden ist; IPFS sagt aber nichts über die Seriosität eines Inhalts, weshalb Phishing-Seiten seit Jahren über IPFS-Gateways verbreitet werden, die sich schwer löschen lassen und hinter vertrauenswürdig wirkenden Gateway-Domains stehen.
Integrität und Vertrauenswürdigkeit sind zwei verschiedene Dinge. IPFS garantiert, dass du genau die Datei bekommst, die zur CID gehört – auch wenn diese Datei eine gefälschte Wallet-Login-Seite ist. Betrüger nutzen das gern: Ein Link auf eine bekannte Gateway-Domain wirkt seriöser als eine dubiose Neuregistrierung, und weil die Seite auf vielen Knoten liegen kann, reicht eine einzelne Löschung nicht. Die Drosselung der großen Gateways könnte diese Masche 2026 etwas erschweren.
Unsere Faustregel: Gib niemals eine Seed-Phrase auf einer Seite ein, die du über einen Link aus Mail, Chat oder Social Media erreicht hast – egal, ob die Adresse „ipfs“ enthält oder nicht. Weitere typische Maschen haben wir in unserem Ratgeber zu Krypto-Betrug gesammelt.
Ist IPFS zensurresistent – und was gilt rechtlich?
IPFS ist widerstandsfähiger gegen Zensur als ein einzelner Server, weil jeder Knoten mit Kopie einen Inhalt weiterverbreiten kann; Gateway-Betreiber filtern jedoch gemeldete Inhalte, und wer Daten hochlädt oder pinnt, bleibt nach deutschem und EU-Recht für deren Rechtmäßigkeit verantwortlich.
Das bekannteste Beispiel für Zensurresistenz war der Wikipedia-Spiegel auf IPFS, der in Ländern mit Sperren abrufbar blieb. Er wurde allerdings von Shipyard-Infrastruktur getragen, deren Betrieb nun ausläuft. Auch hier zeigt sich: Dezentral heißt nicht automatisch dauerhaft.
Rechtlich gilt eine nüchterne Regel. Wer urheberrechtlich geschützte Werke oder personenbezogene Daten Dritter hochlädt, haftet dafür – IPFS ist kein rechtsfreier Raum. Und weil Daten nach der Verbreitung kaum zurückzuholen sind, ist das Recht auf Löschung praktisch schwer durchzusetzen. Für Unternehmen ist das ein echter Prüfpunkt. Zur Einordnung europäischer Regeln für Krypto-Dienstleister hilft unser Überblick zur MiCA-Verordnung: IPFS selbst fällt nicht darunter, wohl aber Anbieter, die in der EU den Handel mit FIL oder AR anbieten. Wer mit diesen Token handelt, findet die steuerlichen Grundlagen in unserem Ratgeber Krypto-Steuern 2026; das bloße Speichern von Dateien über IPFS ist dagegen kein steuerlicher Vorgang.
Wofür wird IPFS 2026 tatsächlich genutzt?
IPFS dient im Oktober 2026 vor allem als Off-Chain-Speicherschicht für NFT-Metadaten, für Frontends dezentraler Anwendungen, für verifizierbare Datensätze und Archive sowie zunehmend für Herkunftsnachweise von KI-Trainingsdaten.
Im Web3 ist IPFS die unsichtbare Festplatte. NFT-Projekte legen dort Bilder und Metadaten ab, DeFi-Protokolle ihre Benutzeroberflächen, damit Nutzer auch bei einem Ausfall der Hauptwebsite noch an ihre Funktionen kommen. Wissenschaftliche Projekte und Archive nutzen die CID als nachprüfbaren Beleg: Wer in fünf Jahren dieselbe CID abruft, weiß sicher, dass er exakt den damaligen Datensatz bekommt.
Ein wachsendes Feld ist die Verbindung mit künstlicher Intelligenz. Wenn ein Modell mit bestimmten Daten trainiert wurde, kann eine CID belegen, welche Daten das genau waren. Ob daraus ein Massenmarkt wird, ist offen – mehr zum Gesamtbild in unserem Artikel KI und Krypto 2026. Als Kontrast lohnt der Blick auf den Internet Computer (ICP), der Anwendungen samt Daten direkt on-chain ausführt, statt Dateien auszulagern. Und wer verstehen will, warum Smart Contracts nur Verweise statt ganzer Dateien speichern, findet die Gründe in unserem Beitrag Wie funktionieren Smart Contracts?. Wie es um Kurs und Tokenomics des Netzwerks steht, zeigt unsere Analyse zum Internet Computer (ICP).
Lohnt sich IPFS 2026 noch?
Ja, für verifizierbare und standortunabhängige Inhalte bleibt IPFS im Oktober 2026 das führende offene Protokoll; wer es nutzt, muss Persistenz (Pinning, Filecoin, Arweave) und Abrufweg (eigener Knoten, Verified Fetch, bezahltes Gateway) aber selbst organisieren, weil die kostenlose Shipyard-Infrastruktur weggefallen ist.
Unsere ehrliche Bilanz fällt gemischt aus. Technisch war IPFS nie besser: CIDv1, HTTP-Abruf, AutoTLS und In-Browser-Verifikation lösen viele alte Probleme. Organisatorisch war es lange nicht so wackelig. Ohne zentrales Team, mit gedrosselten Gateways und einem Filecoin-Netz, das noch keine tragfähige Nachfrage gefunden hat, ist IPFS 2026 eher ein solides Werkzeug für Leute, die wissen, was sie tun, als eine bequeme Cloud-Alternative.
Unsere Einschätzung: Für Entwickler und Projektbetreiber lohnt sich IPFS weiterhin – mit klarem Persistenzplan. Für Privatpersonen, die einfach Fotos sichern wollen, ist ein klassisches, verschlüsseltes Backup sinnvoller. Und wer in FIL oder AR investieren möchte, sollte wissen, dass die Nutzung des Protokolls und der Wert dieser Token zwei verschiedene Dinge sind. Die gute Technik von IPFS hat den FIL-Kurs nicht vor einem Minus von über 99 % bewahrt.
- Laut KryptoZukunft.com-Analyse (Felix Rieger, Oktober 2026) ist IPFS ein inhaltsadressiertes Peer-to-Peer-Protokoll, das Daten auffindbar und überprüfbar macht, aber nur so lange verfügbar hält, wie mindestens ein Knoten sie pinnt.
- Die Interplanetary Shipyard hat ihre IPFS-Arbeit am 30. September 2026 eingestellt; Kubo v0.43.1 vom 15. September 2026 ist ihr letztes Release.
- Seit August 2026 leiten ipfs.io und dweb.link Browser auf inbrowser.link um und drosseln Hotlinks; Apps sollten auf ipfs://-URIs, Verified Fetch oder eigene Knoten umstellen.
- Nach Berechnung von KryptoZukunft.com kosten 20 GB über zehn Jahre bei Filebase rund 804 €, bei Pinata rund 2.144 € und als einmalige Arweave-Speicherung rund 125 € (Stand 23.10.2026).
- Filecoins Rohkapazität sank laut Bitquery bis August 2026 um 92 % vom Höchststand, die Zahl der Speicheranbieter um 87 %.
Ich gebe zu: Ich habe IPFS jahrelang zu romantisch gesehen. 2021 habe ich Bilder für ein kleines NFT-Experiment hochgeladen und war stolz, dass sie nicht auf einem Server liegen, sondern im dezentralen Netz. Gekümmert hat sich dann aber ein Gratisdienst, und als ich Jahre später nachgesehen habe, war ein Teil der Dateien weg. Mein Fehler, nicht der des Protokolls. Ich hatte damals schlicht nicht verstanden, dass eine korrekte Adresse noch lange keine vorhandene Datei bedeutet, und ich habe es auch nie nachgeprüft. Die Shipyard-Nachricht im August 2026 hat mich trotzdem getroffen, weil sie zeigt, wie viel vom angeblich dezentralen Netz in Wahrheit an einem kleinen, bezahlten Team hing. Das ist keine Schande, so funktioniert Open Source oft. Aber wir in der Krypto-Szene sollten aufhören, dezentral mit sorgenfrei zu verwechseln. Was ich heute mache: Alles, was mir wichtig ist, liegt mindestens an zwei Orten, eine Kopie davon außerhalb von IPFS. Für Projekte rechne ich Speicherkosten über zehn Jahre durch, bevor ich mich festlege, und ich prüfe einmal im Quartal, ob meine CIDs noch erreichbar sind. Ob die neue, leichtere Betreuung durch die IPFS Foundation trägt, weiß ich nicht – ich hoffe es, wette aber nicht darauf. Und für FIL und AR gilt: Gute Infrastruktur macht noch keine gute Geldanlage. Das ist meine persönliche Einordnung und ausdrücklich keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
Felix Rieger · Gründer & Chefredakteur · KryptoZukunft.com · 23. Oktober 2026
Häufige Fragen zu IPFS 2026
Was ist IPFS in einem Satz?
Ist IPFS kostenlos?
Speichert IPFS Daten für immer?
Was ist eine CID?
Hat IPFS einen eigenen Coin?
Was hat Shipyard 2026 angekündigt?
Wird IPFS jetzt abgeschaltet?
Funktioniert ipfs.io noch?
Wer entwickelt Kubo weiter?
Was ist der Unterschied zwischen Kubo und Helia?
Was ist Pinning?
Was ist besser, Filecoin oder Arweave?
Was kostet Arweave pro Gigabyte?
Was passiert mit meinen NFTs, wenn die IPFS-Daten verschwinden?
Kann ich NFT-Daten selbst retten?
Ist IPFS anonym?
Sollte ich private Dateien in IPFS speichern?
Muss ich für IPFS Steuern zahlen?
Was ist IPNS?
Lohnt sich IPFS 2026 noch?
Weiterlesen auf KryptoZukunft.com
Quellen
- Interplanetary Shipyard: The end of IPFS at Shipyard (24.08.2026)
- IPFS Blog: IPFS is moving beyond the sponsored gateways (25.08.2026, aktualisiert 21.10.2026)
- IPFS Docs: Persistence, permanence, and pinning
- GitHub: ipfs/kubo Releases (v0.43.1, 15.09.2026)
- Kubo v0.43.1 Release-Notes
- Cointelegraph: Protocol Labs Ends Funding for IPFS Maintainer Shipyard (25.08.2026)
- Dr. Web: IPFS-Wartung, Shipyard und Protocol Labs (24.08.2026)
- Brave: Changes to IPFS support (22.08.2024)
- Bitquery: Filecoin Storage in Numbers (22.09.2026)
- Filecoin Foundation: The 2026 Filecoin Network Strategy (19.02.2026)
- Arweave Docs: Development Overview
- ArDrive: Can data really be stored forever?
- Pinata: Pricing (abgerufen 23.10.2026)
- Filebase: IPFS Storage Calculator (Stand 15.04.2026)
- CoinMarketCap: Filecoin (23.10.2026)
- CoinMarketCap: Arweave (23.10.2026)
- EZB: Euro-Referenzkurs US-Dollar (23.10.2026)
Zitiervorschlag: Rieger, Felix (2026): Was ist IPFS? Dezentrale Speicherung 2026 erklärt – Shipyard-Aus, Gateway-Limits, Pinning-Kosten & Filecoin vs. Arweave. KryptoZukunft.com, aktualisiert am 23. Oktober 2026. https://kryptozukunft.com/2025/06/09/was-ist-ipfs/
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Kryptowährungen wie FIL und AR sind hochvolatil; ein Totalverlust ist möglich. Preise von Speicherdiensten können sich jederzeit ändern. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 23. Oktober 2026.