Bitcoin Treasury as a Service 2026: Was wurde aus Tap Global und London BTC – und lohnen sich britische Bitcoin-Treasury-Aktien noch?
Inhaltsverzeichnis (25)
- Bitcoin Treasury as a Service 2026: Was wurde aus Tap Global und London BTC – und lohnen sich britische Bitcoin-Treasury-Aktien noch?
- Was ist Bitcoin Treasury as a Service (BTaaS)?
- Was hat Tap Global im Oktober 2025 tatsächlich angekündigt?
- Wer ist London BTC – und wie viele Bitcoin hält die Firma 2026?
- Was ist aus der Partnerschaft zwischen Tap und London BTC geworden?
- Verdient Tap Global mit dem Treasury-Service Geld?
- Wie viele Bitcoin halten börsennotierte Unternehmen im Oktober 2026?
- Was bedeutet mNAV – und warum ist die Kennzahl 2026 so wichtig?
- Warum sind britische Bitcoin-Treasury-Aktien so stark gefallen?
- Wie viel kostet ein Bitcoin-Kauf für ein Unternehmen wirklich?
- Wie bilanzieren Unternehmen Bitcoin nach IFRS und US-GAAP?
- Welche Regeln gelten ab 2027 in Großbritannien für Krypto-Dienstleister?
- Was ändert MiCA für Treasury-Dienstleister in der EU und Deutschland?
- Ist eine Bitcoin-Treasury-Aktie besser als Bitcoin direkt?
- Kann ein Treasury-Unternehmen gezwungen sein, Bitcoin zu verkaufen?
- Welche Risiken übersehen Privatanleger bei Mini-Caps wie London BTC?
- Lohnt sich eine Bitcoin-Treasury für deutsche Mittelständler oder GmbHs?
- Wie werden Gewinne aus Treasury-Aktien in Deutschland versteuert?
- Wie geht es mit Bitcoin-Treasury-Dienstleistern bis 2027 weiter?
- Unsere Einschätzung: Was bleibt von der Geschichte?
- Quiz: Hast du das Treasury-Modell verstanden?
- Häufige Fragen zu Bitcoin Treasury as a Service, Tap Global und London BTC
- Weiterlesen auf KryptoZukunft.com
- Quellen
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Bitcoin Treasury as a Service 2026: Was wurde aus Tap Global und London BTC – und lohnen sich britische Bitcoin-Treasury-Aktien noch?
Vor genau einem Jahr klang es nach Aufbruch: Ein Londoner Krypto-Fintech verkauft börsennotierten Firmen den Bitcoin-Einkauf als Dienstleistung, ein kleiner Bitcoin-Miner wird Kunde. Heute steht Bitcoin rund 35 % unter dem Rekordhoch, viele Treasury-Aktien notieren nahe oder unter ihrem Bitcoin-Wert – und die Frage ist nicht mehr, ob das Modell spannend klingt, sondern ob es trägt. Wir haben die Zahlen nachgerechnet.
Was ist Bitcoin Treasury as a Service (BTaaS)?
Bitcoin Treasury as a Service (BTaaS) ist eine Dienstleistung, bei der ein regulierter Anbieter für ein Unternehmen den Kauf, Verkauf und die Buchhaltungsdokumentation von Bitcoin für die Firmenkasse übernimmt; Tap Global hat sein BTaaS-Angebot am 20. Oktober 2025 für börsennotierte Firmen gestartet.
Stell dir eine mittelgroße börsennotierte Firma vor, die beschlossen hat, fünf Millionen Pfund ihrer Reserven in Bitcoin zu stecken. Der Finanzchef kann nicht einfach eine App öffnen und auf „Kaufen“ tippen. Er braucht ein Geschäftskonto in Pfund oder Euro, eine Gegenpartei, die große Orders ohne heftigen Kursrutsch ausführt, eine saubere Verwahrung, Belege für den Wirtschaftsprüfer und eine Dokumentation für die Börsenmitteilungen. Genau dieses Paket verkauft ein Treasury-Dienstleister.
Laut der offiziellen Börsenmitteilung bündelt Tap dafür Liquidität mehrerer Handelsplätze über eine eigene Middleware, bietet eigene GBP- und EUR-Konten für die Umwandlung zwischen Fiatgeld und Bitcoin und liefert Berichte für Buchhaltung, Prüfung und Pflichtveröffentlichungen Tap Global RNS, 20.10.2025. Gebühren nannte Tap nicht – ein Punkt, auf den wir später noch zurückkommen, weil er für die Bewertung entscheidend ist.
Wichtig für das Verständnis: BTaaS ist kein Fonds und keine Anlageberatung. Die Kundenfirma entscheidet selbst, ob und wie viel sie kauft. Der Dienstleister ist eher ein spezialisierter Broker mit Buchhaltungsservice. Wer das Thema Liquidität und Markttiefe kennt, versteht sofort, warum das bei großen Beträgen überhaupt ein Geschäft ist: Eine Order über mehrere Millionen auf einer einzigen Börse kann den Preis gegen dich verschieben.
Was hat Tap Global im Oktober 2025 tatsächlich angekündigt?
Tap Global hat am 20. Oktober 2025 den Start seines Bitcoin-Treasury-Service gemeldet und am 24. Oktober 2025 die London BTC Company als zweiten börsennotierten Firmenkunden vorgestellt, ohne Volumen oder Gebühren zu nennen.
Die Mitteilung vom 20. Oktober enthielt eine interessante Randnotiz: Der Service sei drei Monate lang von einem der größten britisch notierten Bitcoin-Treasury-Halter getestet und live genutzt worden und habe in dieser Zeit den Großteil von dessen Bitcoin-Käufen abgewickelt. Einen Namen nannte Tap nicht. CEO Arsen Torosian sprach von einem „bedeutenden strategischen Meilenstein“ und einer wiederkehrenden Einnahmequelle mit hohem Wert Tap Global RNS, 20.10.2025.
Vier Tage später folgte die Kundenmeldung: London BTC nutze die Plattform für Teile seiner Treasury-Abläufe, vor allem für die Ausführung von Transaktionen und den Tausch zwischen Fiatgeld und Krypto. Hewie Rattray, damals CEO von London BTC, sagte, Taps Plattform ergänze die eigene Treasury-Infrastruktur Tap Global RNS, 24.10.2025. Auch hier: keine Beträge, keine Laufzeit, keine Preise.
Aus der Praxis: Wenn ein börsennotiertes Unternehmen einen Kundengewinn meldet, aber keine einzige Zahl dazu, ist das kein Skandal – aber ein Hinweis. Bei großen, umsatzrelevanten Verträgen sind Firmen am AIM eher gesprächig. Unsere Lesart damals wie heute: Das war ein Signal an den Markt, kein Umsatztreiber. Das alte Artikelbild vom „Meilenstein der institutionellen Bitcoin-Adoption“ war deshalb zu groß gezeichnet.
Wer ist London BTC – und wie viele Bitcoin hält die Firma 2026?
Die London BTC Company Limited hielt laut Geschäftsbericht zum 28. Februar 2026 genau 80,16 Bitcoin, nach Berechnung von KryptoZukunft.com zum Kurs vom 24. Oktober 2026 rund 5,84 Millionen Euro wert.
London BTC ist eine auf den Britischen Jungferninseln gegründete Firma, die seit dem 13. Januar 2025 am Main Market der London Stock Exchange unter dem Kürzel BTC.L gelistet ist und zusätzlich in den USA am OTCQB gehandelt wird. Vorher hieß sie Vinanz und war an der Aquis Growth Market notiert. Das Geschäft besteht aus zwei Teilen: Bitcoin-Mining mit gemieteten Stellplätzen in Rechenzentren in Indiana, Iowa, Nebraska, Texas und Kanada, und dem Halten von Bitcoin als Firmenreserve London BTC Geschäftsbericht, 30.06.2026.
Die Zahlen des Geschäftsjahres bis Ende Februar 2026 sind lehrreich. Der Bestand stieg von 5,92 auf 80,16 BTC. Dafür flossen etwa 6,5 Millionen Pfund aus neuen Aktienausgaben in Bitcoin, die Platzierung im Juli 2025 lief zu 18,5 Pence je Aktie. Die Mining-Flotte erreichte im Schnitt 91,28 PH/s Rechenleistung und förderte rund 15,52 BTC. Dem standen ein Umsatz von etwa 1,17 Millionen Pfund und ein Vorsteuerverlust von 4,9 Millionen Pfund gegenüber. Am Jahresende lagen nur noch rund 40.000 Pfund in bar auf dem Konto. Die Mining-Maschinen wurden vollständig abgeschrieben, ihr Buchwert steht bei null London BTC Geschäftsbericht, 30.06.2026.
Unsere Rechnung zur Einordnung: 15,52 geförderte Bitcoin sind zum heutigen Kurs von 72.849 Euro gut 1,13 Millionen Euro wert. Das deckt nicht einmal annähernd die laufenden Kosten der Firma. Das Mining ist hier also keine Gelddruckmaschine, sondern eher eine teure Art, an zusätzliche Coins zu kommen – ein Muster, das du aus unserem Ratgeber zum Bitcoin-Mining 2026 kennst, seit das Halving im April 2024 die Blockbelohnung halbiert hat.
Spannend ist auch die Personalie: Laut Geschäftsbericht führt inzwischen David Lenigas als Executive Chairman das Unternehmen, der Bestand liegt bei Fidelity Digital Assets sowie teilweise auf Binance und Base, und seit März 2026 gibt es mit Tethered Gold LLC eine Gold-Explorationstochter in Nevada. Gold als Absicherung für die Bitcoin-Strategie – das ist ein ungewöhnlicher Schwenk, der zeigt, wie sehr kleine Treasury-Firmen nach einer zweiten Geschichte suchen, wenn die erste nicht mehr zieht.
| Kennzahl London BTC | Wert | Stichtag / Quelle |
|---|---|---|
| Bitcoin-Bestand | 80,16 BTC (Vorjahr 5,92 BTC) | 28.02.2026, Geschäftsbericht |
| Wert des Bestands | ≈ 5,84 Mio. € bzw. ≈ 4,89 Mio. £ | eigene Rechnung, Kurs 24.10.2026 |
| Umsatz | ≈ 1,17 Mio. £ | GJ bis 28.02.2026 |
| Vorsteuerergebnis | −4,9 Mio. £ | GJ bis 28.02.2026 |
| Kasse zum Jahresende | ≈ 0,04 Mio. £ | 28.02.2026 |
| Durchschnittliche Hashrate | 91,28 PH/s | GJ bis 28.02.2026 |
| Geförderte Bitcoin | ≈ 15,52 BTC | GJ bis 28.02.2026 |
Was ist aus der Partnerschaft zwischen Tap und London BTC geworden?
Seit der Kundenmeldung vom 24. Oktober 2025 haben weder Tap Global noch London BTC öffentlich Volumen oder Ergebnisse der Zusammenarbeit beziffert; in Taps Geschäftszahlen vom August 2026 taucht der Treasury-Service nicht als eigener Posten auf.
Das ist die ehrliche, etwas ernüchternde Antwort. Wir haben die Mitteilungen beider Firmen aus den vergangenen zwölf Monaten durchgesehen. Bei London BTC drehen sich die Meldungen um Mining, Kapitalerhöhungen, die geplante US-Zweitnotiz und das neue Goldprojekt. Bei Tap dominieren seit dem Frühjahr 2026 zwei andere Themen: das Renditeprogramm „Tap Earn“ und die eigene Profitabilität.
Für dich als Leser heißt das: Die Partnerschaft war real, aber sie ist kein Beweis dafür, dass sich ein Markt für Treasury-Dienstleistungen in Großbritannien breit etabliert hat. Ein Bestand von rund 80 Bitcoin ist für einen Dienstleister ein kleiner Kunde. Zum Vergleich: Strategy kauft manchmal an einem einzigen Tag mehr Bitcoin, als London BTC insgesamt besitzt.
Verdient Tap Global mit dem Treasury-Service Geld?
Tap Global meldete am 20. August 2026 für das Geschäftsjahr bis 30. Juni 2026 einen Umsatz von rund 3,0 Millionen Pfund und einen bereinigten EBITDA-Verlust von etwa 260.000 Pfund; ein separater Umsatz aus dem Bitcoin-Treasury-Service wurde nicht ausgewiesen.
Die Zahlen lagen über den Markterwartungen von 2,8 Millionen Pfund Umsatz und 1,3 Millionen Pfund Verlust, im zweiten Halbjahr war Tap nach eigenen Angaben auf EBITDA-Basis positiv. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet der Markt 3,7 Millionen Pfund Umsatz Share Talk, 20.08.2026. Bei über 400.000 registrierten Nutzern ergibt das nach unserer Rechnung rund 7,50 Pfund Umsatz pro Nutzer und Jahr. Das ist wenig – und es zeigt, dass Tap im Kern ein kleines Retail-Fintech bleibt.
Wachstumstreiber ist derzeit nicht der Treasury-Service, sondern Tap Earn. Am 7. Oktober 2026 lagen dort mehr als 9,0 Millionen US-Dollar Kundengelder, kurz nach dem Start im Mai waren es 3,5 Millionen. Die kumulierte Bruttorendite seit Start beziffert Tap auf etwa 157.000 Dollar Tap Global RNS, 08.10.2026. Tap weist selbst darauf hin, dass die Renditen schwanken, nicht garantiert sind und Tap Earn keine Bankeinlage mit Einlagensicherung ist.
Unsere Einschätzung: Wer 2025 die Tap-Aktie wegen des Treasury-Services gekauft hat, hat auf die falsche Geschichte gesetzt. Das Geschäft lebt von Retail-Kunden, Karten und Rendite-Produkten. BTaaS ist ein Nebenprodukt, das gut in eine Pressemitteilung passt, aber in der Bilanz bislang nicht sichtbar wird. Das kann sich ändern, wenn mehr Firmen Bitcoin kaufen – nur genau das passiert 2026 kaum noch.
Wie viele Bitcoin halten börsennotierte Unternehmen im Oktober 2026?
Börsennotierte Unternehmen hielten laut BitcoinTreasuries.net im Oktober 2026 rund 1,29 Millionen Bitcoin, nach Berechnung von KryptoZukunft.com etwa 6,4 % des umlaufenden Angebots von 20,1 Millionen BTC.
Die Übersicht von BitcoinTreasuries.net listet 201 börsennotierte Firmen mit zusammen 1.289.903 BTC. Dazu kommen private Firmen mit 284.652 BTC, Staaten mit 645.606 BTC sowie ETFs und Börsen mit 1.615.524 BTC BitcoinTreasuries.net, abgerufen 24.10.2026. Zum aktuellen Kurs sind die Firmenbestände rund 94 Milliarden Euro wert. Eine ausführliche Bilanz, wer wie viel hält, findest du in unserem Überblick Wem gehören die Bitcoin 2026?.
Dominiert wird das Feld von einem einzigen Namen. Strategy (früher MicroStrategy) meldete zum 4. Oktober 2026 einen Bestand von 848.000 BTC zu einem Durchschnittspreis von 75.440,7 Dollar inklusive Gebühren SEC Form 8-K, 05.10.2026. Am 12. Oktober kamen weitere 250 BTC hinzu, gleichzeitig kaufte Strategy eigene Vorzugsaktien für 192 Millionen Dollar zurück Strategy, 12.10.2026. Nach unserer Rechnung liegt Strategy beim aktuellen Kurs von 81.540 Dollar nur rund 8 % im Plus – ein dünnes Polster für ein Unternehmen, das sein Geschäftsmodell vollständig an Bitcoin gekoppelt hat. Dass Strategy im August sogar Bitcoin für 213 Millionen Dollar verkauft hat, passt in dieses Bild.
| Britische Treasury-Firma | Kürzel | Bitcoin-Bestand |
|---|---|---|
| The Smarter Web Company | SWC.L | 2.850 BTC |
| B HODL | HODL.AQ | 167 BTC |
| Vaultz Capital | V3TC.AQ | 135 BTC |
| Phoenix Digital Assets | PNIX.AQ | 99 BTC |
| XCE-Connecting Excellence Group | XCE.AQ | 81 BTC |
| London Bitcoin Company (London BTC) | BTC.L | 80 BTC |
| Stack BTC | STAK.AQ | 68 BTC |
Die Tabelle erzählt eine klare Geschichte: Die britische Treasury-Szene ist eine Firma plus viele Zwerge. Smarter Web hält mehr als vier Fünftel aller Bitcoin der sieben größten britischen Treasury-Firmen. London BTC liegt mit 80 BTC auf Platz 108 der weltweiten Rangliste börsennotierter Halter BitcoinTreasuries.net, abgerufen 24.10.2026. Für einen Dienstleister wie Tap ist das ein kleiner Kundenpool – und wenn der größte Kunde einer dieser Firmen ist, hängt viel an einem einzigen Namen.
Was bedeutet mNAV – und warum ist die Kennzahl 2026 so wichtig?
mNAV ist das Verhältnis von Börsenwert eines Unternehmens zum Marktwert seiner Bitcoin-Bestände; bei Strategy fiel diese Kennzahl laut CoinMarketCap von etwa 2,5 im Dezember 2024 auf rund 1,16 im Frühjahr 2026.
Die Logik dahinter ist simpel und erklärt fast alles, was 2025 und 2026 passiert ist. Liegt der mNAV über 1, ist die Aktie teurer als die Bitcoin, die dahinterstehen. Dann kann die Firma neue Aktien ausgeben, mit dem Geld Bitcoin kaufen und dadurch die Bitcoin pro Aktie erhöhen. Liegt der mNAV unter 1, dreht sich der Effekt um: Jede neue Aktie verwässert die Altaktionäre. CoinMarketCap beschreibt, dass die Prämie 2026 „über nahezu den gesamten Sektor“ geschrumpft ist; BitMine lag zuletzt bei etwa 1,01 CoinMarketCap Academy, Juni 2026.
Probier es selbst aus. Die Voreinstellung zeigt eine fiktive Firma mit 1.000 BTC und 100 Millionen Euro Börsenwert.
Rechner 1: mNAV & Verwässerungs-Check
mNAV: 1,37 → Aktie mit 37,3 % Prämie zum Bitcoin-Bestand
Bitcoin pro Aktie nach Kapitalerhöhung: +6,2 % (akkretiv)
Formel: mNAV = Börsenwert ÷ (BTC × Kurs − Netto-Schulden). Veränderung BTC je Aktie = (1 + k × mNAV) ÷ (1 + k) − 1, vereinfachtes Modell ohne Kosten und Kursreaktion. Eigene Modellrechnung von KryptoZukunft.com.
Setz den Börsenwert einmal auf 60 Millionen Euro. Der mNAV fällt unter 1, und dieselbe Kapitalerhöhung vernichtet plötzlich Bitcoin pro Aktie. Genau dieser Kipppunkt ist der Grund, warum Treasury-Firmen 2026 Aktien zurückkaufen statt neue auszugeben, warum Strategy und Metaplanet unter Druck stehen und warum MSCI neue Regeln für Bitcoin-Treasury-Firmen im Index beschlossen hat. Und es ist der Grund, warum ein Treasury-Dienstleister weniger zu tun bekommt: Wenn niemand mehr akkretiv Kapital einsammeln kann, kauft auch niemand mehr in großem Stil Bitcoin.
Warum sind britische Bitcoin-Treasury-Aktien so stark gefallen?
Die Aktie der Smarter Web Company fiel von rund 500 Pence im Juni 2025 auf 32,5 Pence am 20. Februar 2026, nach Berechnung von KryptoZukunft.com ein Minus von 93,5 %, obwohl die Firma ihren Bitcoin-Bestand im selben Zeitraum stark ausbaute.
Im Juni 2025 erlebte London einen regelrechten Treasury-Rausch. Innerhalb weniger Tage kündigten unter anderem GSTechnologies, TruSpine, Vaultz Capital, Bluebird Mining Ventures und Mendell Helium an, Bitcoin in die Bilanz zu nehmen. Vinanz, das heutige London BTC, hielt damals 56,68 Bitcoin. Smarter Web erreichte zeitweise mehr als eine Milliarde Pfund Börsenwert, nachdem die Aktie im Juni ein Hoch von 500 Pence markiert hatte Morningstar UK / Alliance News, 25.06.2025.
Acht Monate später sah es anders aus. Smarter Web meldete für das Geschäftsjahr bis Ende Oktober 2025 zwar einen Vorsteuergewinn von 2,8 Millionen Pfund, doch der stammte aus Sondereffekten und einer Zeitwertanpassung; ohne diese wäre ein Verlust von 1,5 Millionen Pfund geblieben. Der Umsatz lag bei gerade 70.029 Pfund. Die Firma hielt 2.689 Bitcoin, die Aktie schloss bei 32,5 Pence, der Börsenwert lag bei 148,9 Millionen Pfund AJ Bell / Sharecast, 20.02.2026.
Drei Gründe sehen wir für den Absturz. Erstens hat die Prämie über dem Bitcoin-Wert schlicht keine fundamentale Basis, sobald der Markt dreht – wer im Juni 2025 bei mNAV 5 oder 10 kaufte, hat nicht Bitcoin gekauft, sondern Begeisterung. Zweitens fiel Bitcoin selbst vom Rekord von 126.198 Dollar am 6. Oktober 2025 zeitweise unter 70.000 Dollar. Drittens kam ein Liquiditätsproblem dazu: Kleine Werte am Aquis- oder AIM-Segment haben wenig Handelsvolumen, der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs kann bei solchen Aktien schnell mehrere Prozent betragen. Wenn alle gleichzeitig raus wollen, wird es teuer.
Aus der Praxis: Stell dir einen Anleger vor, der im Sommer 2025 lieber „die britische Microstrategy“ gekauft hat, weil die Aktie „mehr Hebel“ verspricht. Mit dem Hebel lag er richtig – nur in die falsche Richtung. Bitcoin verlor vom Rekordhoch bis heute gut ein Drittel, Smarter Web bis Februar 2026 über 90 %. Das ist kein Pech, das ist die Mechanik einer schrumpfenden Prämie.
Wie viel kostet ein Bitcoin-Kauf für ein Unternehmen wirklich?
Bei einem Bitcoin-Kauf über 5 Millionen Euro kosten 0,25 % Gebühr und 0,15 % Kursabweichung nach Modellrechnung von KryptoZukunft.com zusammen 20.000 Euro, sodass beim Kurs von 72.849 Euro (24. Oktober 2026) rund 68,36 BTC statt 68,64 BTC ankommen.
Tap hat seine Preise nie veröffentlicht, deshalb arbeiten wir hier ausdrücklich mit hypothetischen Werten. Die Größenordnung ist trotzdem lehrreich: Für einen Treasury-Dienstleister ist jede Million Euro Kaufvolumen bei 0,25 % Gebühr 2.500 Euro Umsatz. Um auf eine Million Pfund Jahresumsatz nur aus Gebühren zu kommen, bräuchte ein Anbieter also mehrere hundert Millionen Euro Ordervolumen pro Jahr. Bei Kunden mit 80 oder 135 Bitcoin ist das illusorisch.
Rechner 2: Was kostet der Firmenkauf?
Erhaltene Bitcoin: 68,36 BTC (ohne Kosten: 68,64 BTC)
Umsatz für den Dienstleister (nur Gebühr): 12.500 €
Hypothetische Gebühren- und Slippage-Werte zur Veranschaulichung; Tap Global hat keine Preise veröffentlicht. Eigene Modellrechnung.
Für deine eigene Praxis als Privatanleger gilt übrigens dasselbe Prinzip in klein: Die ausgewiesene Gebühr ist selten die ganze Wahrheit. Kursabweichung und Spread fressen oft mehr als die Gebühr selbst, gerade bei wenig gehandelten Werten.
Wie bilanzieren Unternehmen Bitcoin nach IFRS und US-GAAP?
Nach US-GAAP müssen Unternehmen Bitcoin seit Geschäftsjahren ab dem 15. Dezember 2024 gemäß ASU 2023-08 zum Zeitwert mit Wertänderungen in der Gewinn- und Verlustrechnung bilanzieren, während nach IFRS laut IFRS-Interpretationskomitee vom Juni 2019 meist IAS 38 für immaterielle Vermögenswerte gilt.
Das klingt trocken, erklärt aber, warum Treasury-Firmen so unterschiedlich aussehen. Der US-Standardsetzer FASB hat im Dezember 2023 entschieden, dass bestimmte Krypto-Vermögenswerte zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden, wobei Änderungen in jeder Berichtsperiode direkt ins Ergebnis fließen Deloitte DART, 13.12.2023. Ein US-Treasury-Unternehmen zeigt deshalb in guten Quartalen riesige Gewinne und in schlechten riesige Verluste – ohne einen einzigen Coin verkauft zu haben.
Britische und europäische Firmen bilanzieren meist nach IFRS. Das IFRS Interpretations Committee hat 2019 festgehalten, dass IAS 2 (Vorräte) nur greift, wenn Kryptowährungen im normalen Geschäftsgang zum Verkauf gehalten werden; sonst ist IAS 38 anzuwenden. Bitcoin gilt dabei als immaterieller Vermögenswert, nicht als Finanzinstrument und nicht als Zahlungsmittel IFRS Interpretations Committee, Juni 2019. Je nach gewähltem Modell landen Wertsteigerungen dann teils im sonstigen Ergebnis statt in der GuV. Deshalb kann Smarter Web einen „Gewinn“ ausweisen, der hauptsächlich aus Bewertungseffekten besteht.
Hier liegt übrigens ein echter Mehrwert eines Treasury-Dienstleisters: saubere Belege für jeden Kauf, Zeitstempel, Kurse und Gebühren in einer Form, die ein Wirtschaftsprüfer akzeptiert. Für kleine Firmen ohne eigene Krypto-Buchhaltung ist das tatsächlich hilfreich. Nur: Das allein trägt kein großes Geschäft.
Welche Regeln gelten ab 2027 in Großbritannien für Krypto-Dienstleister?
Die britische Finanzaufsicht FCA nimmt seit dem 30. September 2026 Zulassungsanträge für das neue Krypto-Regime an; wer am ersten Tag zugelassen sein will, muss bis zum 28. Februar 2027 einreichen, und das Regime soll nach Angaben der Kanzlei Lewis Silkin am 25. Oktober 2027 in Kraft treten.
Für Firmen wie Tap ist das der wichtigste regulatorische Termin der nächsten Monate. Unter das neue Regime fallen unter anderem der Betrieb von Handelsplattformen, das Handeln und Vermitteln von Kryptowerten, die Verwahrung, die Ausgabe von Stablecoins und das Vermitteln von Staking Lewis Silkin, 01.07.2026. Bisher reichte in Großbritannien im Wesentlichen eine Registrierung für Geldwäschezwecke. Die FCA stellt klar, dass solche registrierten Firmen nicht automatisch übergeleitet werden, sondern eine vollwertige Zulassung nach dem Finanzmarktgesetz FSMA beantragen müssen. Wer gar nicht beantragt, muss sein britisches Kryptogeschäft vor dem Start abwickeln FCA, Stand 30.09.2026.
Tap hat angekündigt, sich um die Zulassung zu bewerben, sobald die Anträge geöffnet sind. Das europäische Geschäft ist seit sechs Jahren von der Finanzaufsicht in Gibraltar nach deren DLT-Rahmen lizenziert Tap Global RNS, 08.10.2026. Der alte Artikel nannte Tap „einen der ersten voll regulierten“ Treasury-Anbieter – das war zu viel. Reguliert ja, aber das eigentliche britische Vollregime kommt erst noch, und die Zulassung ist kein Selbstläufer.
Unsere Einschätzung: Die FCA-Regeln werden den Markt eher konsolidieren. Kapitalanforderungen, Stresstests und Marktmissbrauchsregeln kosten Geld. Ein kleiner Anbieter mit drei Millionen Pfund Umsatz trägt das schwerer als eine große Börse. Für Kunden ist die Regulierung gut, für kleine Dienstleister ein Härtetest.
Was ändert MiCA für Treasury-Dienstleister in der EU und Deutschland?
Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Krypto-Dienstleister ohne MiCA-Lizenz in der gesamten EU keine Kunden mehr bedienen; in Deutschland hat die BaFin die Übergangsfrist bereits Ende Dezember 2025 auslaufen lassen.
Die EU-Übergangszeit endete ohne Verlängerung und ohne zusätzliche Schonfrist, ein noch laufender Lizenzantrag schützt nicht. Deutschland war sogar ein halbes Jahr früher dran, und die BaFin geht nach Einschätzung von PwC aktiv gegen unlizenzierte Anbieter vor. Verträge mit unlizenzierten Anbietern können nach § 134 BGB nichtig sein PwC Legal, 11.06.2026. Die Details zum Stichtag erklären wir im Ratgeber zur MiCA-Verordnung 2026.
Für ein deutsches Unternehmen, das Bitcoin für die Firmenkasse kaufen möchte, heißt das: Ein britischer Dienstleister mit Gibraltar-Lizenz ist nicht automatisch der richtige Partner. Entscheidend ist, ob der Anbieter eine MiCA-Zulassung für die konkreten Dienste hat, etwa Verwahrung oder Ausführung von Aufträgen. Dazu kommt die übliche Identitätsprüfung für Firmenkunden – die KYC-Verifizierung ist bei Unternehmen deutlich aufwendiger als bei Privatleuten, weil wirtschaftlich Berechtigte offengelegt werden müssen.
Und noch ein Punkt, den Finanzchefs gern unterschätzen: Was passiert, wenn der Verwahrer pleitegeht? Unter MiCA müssen Kundenwerte getrennt gehalten werden, aber die Praxis ist komplizierter als die Theorie. Wir haben das ausführlich in Was passiert mit meinen Coins, wenn die Börse pleitegeht? aufgeschlüsselt.
Ist eine Bitcoin-Treasury-Aktie besser als Bitcoin direkt?
Eine Bitcoin-Treasury-Aktie schlägt Bitcoin direkt nur, wenn ihr mNAV steigt oder stabil bleibt; fällt der mNAV von 1,37 auf 1,00, wird aus 20 % Bitcoin-Gewinn nach Rechnung von KryptoZukunft.com ein Verlust von rund 12 % in der Aktie.
Das ist der Kern, den viele Anleger 2025 übersehen haben. Mit einer Treasury-Aktie kaufst du zwei Dinge auf einmal: Bitcoin und eine Wette auf die Stimmung gegenüber dieser Firma. Wenn die Stimmung kippt, kann die Aktie fallen, obwohl Bitcoin steigt. Der folgende Rechner zeigt das an deinem eigenen Szenario.
Rechner 3: Bitcoin direkt oder Treasury-Aktie?
Treasury-Aktie: 876 €
Unterschied: −324 € zugunsten von Bitcoin direkt
Vereinfachtes Modell: Aktienwert = Betrag × (1 + BTC-Änderung) × mNAV Ende ÷ mNAV heute; ohne Kosten, Steuern, Verwässerung, Schulden. Eigene Modellrechnung.
Spiel ruhig mit den Werten. Steigt der mNAV von 1,0 auf 1,5, gewinnt die Aktie deutlich. Genau das hat 2024 Strategy-Aktionären die Traumrenditen beschert. Die Frage ist nur, wer dir garantiert, dass das wieder passiert. Wer schlicht Bitcoin-Exposure will, ist mit dem Coin selbst oder einem physisch hinterlegten Produkt besser bedient. Über die Varianten haben wir in unserem Stück zu Bitcoin-Spot-ETFs 2026 geschrieben; spannend ist auch, dass die Schweiz gerade einen echten Bitcoin-ETF zugelassen hat, der aus Deutschland aber nicht handelbar ist.
Ein faires Gegenargument gibt es trotzdem: Manche Anleger dürfen in ihrem Depot oder über ihren Arbeitgeber nur Aktien halten. Für sie kann eine Treasury-Aktie der einzige Weg zu Bitcoin sein. Dann aber bitte mit Blick auf den mNAV beim Kauf – eine Aktie mit Abschlag zum Bitcoin-Wert ist ein anderes Risiko als eine mit 300 % Aufschlag.
Kann ein Treasury-Unternehmen gezwungen sein, Bitcoin zu verkaufen?
Ja, ein Treasury-Unternehmen kann zum Verkauf gezwungen sein, wenn Schulden fällig werden oder die Kasse leer ist; der Miner MARA verkaufte 2026 laut CoinMarketCap 15.133 BTC für rund 1,1 Milliarden Dollar, Riot 3.778 BTC für 289,5 Millionen Dollar.
Die Verkäufe von MARA und Riot standen im Zusammenhang mit Schulden und dem Umbau ihrer Rechenzentren in Richtung KI-Rechenleistung CoinMarketCap Academy, Juni 2026. Unsere Einordnung des MARA-Falls findest du im Beitrag MARA verkauft 15.133 Bitcoin. Auch der Mining-Wert American Bitcoin zeigt, wie hart der Wind für Miner-Aktien geworden ist – unsere ABTC-Analyse beschreibt einen Absturz von 96 %.
Bei London BTC ist das Risiko konkret greifbar: rund 40.000 Pfund Kasse zum Geschäftsjahresende, ein Jahresverlust von 4,9 Millionen Pfund, Mining-Maschinen mit Buchwert null. Die Firma meldet zwar, schuldenfrei zu sein, nachdem eine Kreditlinie über Direktorendarlehen und Aktienausgaben abgelöst wurde London BTC Geschäftsbericht, 30.06.2026. Aber laufende Kosten müssen bezahlt werden. Die Optionen sind dann: neue Aktien ausgeben (bei niedrigem Kurs stark verwässernd), Bitcoin verkaufen oder eine neue Geschichte erzählen. Das Goldprojekt in Nevada wirkt auf uns wie Letzteres.
Das Gegenbeispiel ist Strategy: Die Firma hält eine Dollar-Reserve von 4,88 Milliarden Dollar, um Dividenden und Zinsen zu bedienen, ohne Bitcoin verkaufen zu müssen Strategy, 12.10.2026. Das zeigt den Unterschied zwischen einem Schwergewicht mit Kapitalmarktzugang und einem Zwerg mit fast leerer Kasse.
Welche Risiken übersehen Privatanleger bei Mini-Caps wie London BTC?
Die größten übersehenen Risiken bei Bitcoin-Treasury-Mini-Caps sind Verwässerung durch ständige Kapitalerhöhungen, geringe Handelsliquidität, fehlende Gewinne aus dem operativen Geschäft und die Abhängigkeit von wenigen Personen; London BTC wies zum 28. Februar 2026 nur rund 40.000 Pfund Kasse aus.
Erstens Verwässerung. Jede Platzierung zu niedrigen Kursen erhöht die Zahl der Aktien. Wenn eine Firma ihre Bitcoin ausschließlich über neue Aktien finanziert und der mNAV unter 1 liegt, sinken deine Bitcoin pro Aktie mit jeder Runde. Zweitens Liquidität: Bei kleinen Werten an Nebensegmenten kann schon eine Order über ein paar tausend Euro den Kurs bewegen. Drittens die Volatilität: Bitcoin schwankt ohnehin stark, eine gehebelte Kleinaktie schwankt noch stärker. Viertens Governance. Der Geschäftsbericht von London BTC räumt selbst ein, die Diversitätsziele der Londoner Börse nicht zu erfüllen, der Vorstand besteht aus vier Männern. Das ist kein Bitcoin-Thema, aber ein Hinweis darauf, wie klein und personenabhängig diese Firmen sind.
Fünftens – und das wird am häufigsten übersehen – die Verwahrung. London BTC hält Teile des Bestands bei Fidelity Digital Assets, aber auch auf Binance und Base. Wer als Aktionär nicht weiß, welcher Anteil wo liegt, kann das Gegenparteirisiko nicht einschätzen.
- mNAV berechnen: Börsenwert ÷ (Bitcoin-Bestand × Kurs − Netto-Schulden).
- Kasse und laufende Kosten vergleichen: Wie viele Monate reicht das Geld ohne neue Aktien?
- Letzte drei Kapitalerhöhungen prüfen: zu welchem Kurs, mit welcher Verwässerung?
- Verwahrer nennen lassen: Wer hält die Coins, und gibt es Prüfberichte?
- Handelsvolumen und Spread ansehen, bevor du kaufst – nicht erst, wenn du verkaufen willst.
Lohnt sich eine Bitcoin-Treasury für deutsche Mittelständler oder GmbHs?
Für die meisten deutschen Mittelständler lohnt sich eine Bitcoin-Treasury nur als kleiner, bewusst begrenzter Anteil der Reserven, weil Bitcoin am 24. Oktober 2026 rund 35 % unter seinem Rekordhoch von 126.198 Dollar lag und Kursschwankungen direkt die Bilanz und die Kreditwürdigkeit treffen.
Die Frage stellen sich vor allem Inhaber, die privat seit Jahren Bitcoin halten und nun überlegen, ob die GmbH mitziehen sollte. Die ehrliche Antwort ist: Es kommt auf den Zweck an. Liquidität, die du in den nächsten 24 Monaten für Gehälter, Material oder Steuern brauchst, gehört nicht in Bitcoin. Punkt. Eine kleine Beimischung von freiem Überschusskapital kann man diskutieren – mit klarer Obergrenze, Beschluss der Gesellschafter und Absprache mit Steuerberater und Hausbank.
Ein Rechenbeispiel: Eine GmbH hat 2 Millionen Euro Reserven und steckt 5 % davon, also 100.000 Euro, zum Kurs von 72.849 Euro in Bitcoin. Das sind gut 1,37 BTC. Fällt Bitcoin um 50 %, verliert die Firma 50.000 Euro – schmerzhaft, aber nicht existenzbedrohend. Hätte sie 50 % der Reserven investiert, wären es 500.000 Euro. Genau diese Rechnung sollte jeder Geschäftsführer vor dem Beschluss durchgehen.
Und dann die Bilanzierung: In der deutschen Handelsbilanz gilt grundsätzlich das Niederstwertprinzip, Wertsteigerungen über die Anschaffungskosten hinaus werden nicht als Gewinn gezeigt, Wertverluste aber schon. Das ist das Gegenteil der US-Logik. Lass dir das von deinem Steuerberater konkret für deine Rechtsform erklären – hier hören allgemeine Artikel auf, sinnvoll zu sein.
Wie werden Gewinne aus Treasury-Aktien in Deutschland versteuert?
Gewinne aus Bitcoin-Treasury-Aktien unterliegen in Deutschland als Kapitalerträge der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, während Gewinne aus direkt gehaltenen Bitcoin nach aktuellem Stand (Oktober 2026) nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei sind.
Dieser Unterschied ist für Privatanleger oft wichtiger als jede mNAV-Diskussion. Bei der Aktie zieht deine Bank die Steuer automatisch ab, egal wie lange du hältst. Beim Bitcoin direkt gilt derzeit die Regel für private Veräußerungsgeschäfte mit einjähriger Haltefrist. Allerdings wird in Berlin über eine Reform diskutiert. Den aktuellen Stand, inklusive der Frage, was für Altbestände gelten soll, fassen wir in Kryptowährungen versteuern 2026 zusammen.
Ein Beispiel: Du investierst 10.000 Euro, Bitcoin und Aktie steigen beide um 40 % und du verkaufst nach 14 Monaten. Beim Bitcoin bleiben dir nach heutiger Rechtslage 4.000 Euro Gewinn steuerfrei. Bei der Aktie zahlst du auf 4.000 Euro Gewinn (abzüglich eventuell freiem Sparer-Pauschbetrag) rund 26,4 % inklusive Soli, ohne Freibetrag also etwa 1.055 Euro. Dieser Unterschied kommt zu allen Risiken der Aktie noch obendrauf.
Wie geht es mit Bitcoin-Treasury-Dienstleistern bis 2027 weiter?
Nach Einschätzung von KryptoZukunft.com hängt das Geschäft von Bitcoin-Treasury-Dienstleistern bis Ende 2027 vor allem davon ab, ob Treasury-Aktien wieder einen mNAV deutlich über 1 erreichen; im Oktober 2026 lag die Prämie im gesamten Sektor nahe null.
Wir sehen drei Szenarien. Im positiven Szenario erholt sich Bitcoin Richtung alter Hochs, die Prämien kehren zurück, neue Firmen kaufen wieder. Dann profitieren Dienstleister überproportional, weil jede Kapitalerhöhung wieder Ordervolumen bringt. Für Tap wäre das die Chance, BTaaS endlich als eigenen Umsatzposten zu zeigen. Wann ein neuer Aufschwung beginnen könnte, diskutieren wir im Bullenmarkt-Check.
Im Basisszenario, das wir für am wahrscheinlichsten halten, bleibt der Markt seitwärts. Große Treasury-Firmen konsolidieren, kaufen Aktien zurück oder fusionieren, kleine verschwinden oder suchen sich neue Geschäftsfelder – Gold, KI-Rechenzentren, Staking. Bei Ethereum-Treasuries ist dieser Wandel schon sichtbar, wie unsere Analyse zu BitMine und anderen Ether-Treasury-Firmen zeigt. Dienstleister leben dann von Retail-Kunden und Rendite-Produkten, BTaaS bleibt eine Randnotiz.
Im negativen Szenario fällt Bitcoin deutlich, mehrere Kleinwerte müssen Bestände verkaufen, und die FCA-Zulassung wird für kleine Anbieter zur Kostenfalle. Dann wäre ein Teil der britischen Treasury-Szene Geschichte, bevor das neue Regime am 25. Oktober 2027 überhaupt startet. Skeptiker, die Bitcoin grundsätzlich für überbewertet halten, sehen sich bestätigt – ob zu Recht, prüfen wir im Faktencheck Gold vs. Bitcoin und die Bitcoin-Kritik 2026.
Unsere Einschätzung: Was bleibt von der Geschichte?
Die Partnerschaft zwischen Tap Global und London BTC vom 24. Oktober 2025 war nach Bewertung von KryptoZukunft.com ein kleines Signal in einer Hochphase, kein Wendepunkt; ein Jahr später sind beide Firmen mit anderen Themen beschäftigt.
Wir haben uns mit der ersten Version dieses Artikels mitreißen lassen. Die Idee, dass Bitcoin über spezialisierte Dienstleister in die Bilanzen ganz normaler Unternehmen wandert, ist nicht falsch. Aber sie wird nicht von zwei britischen Kleinwerten getragen, sondern von Kapitalmarktbedingungen, die sich 2026 deutlich verschlechtert haben. Wer daraus etwas für das eigene Depot ableiten will, nimmt am besten drei Dinge mit: Bitcoin direkt ist meist die sauberere Wahl. Treasury-Aktien nur mit Blick auf den mNAV. Und Mini-Caps mit leerer Kasse sind Spekulation, keine Bitcoin-Anlage.
- Laut KryptoZukunft.com-Analyse (Felix Rieger, Oktober 2026) hat der Bitcoin-Treasury-Service von Tap Global seit dem Start am 20. Oktober 2025 keinen eigenen, öffentlich ausgewiesenen Umsatz erzeugt; Tap setzte im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2026 insgesamt rund 3,0 Millionen Pfund um.
- London BTC hielt zum 28. Februar 2026 genau 80,16 Bitcoin, bei einem Jahresverlust von 4,9 Millionen Pfund und rund 40.000 Pfund Kasse.
- Börsennotierte Unternehmen hielten im Oktober 2026 rund 1,29 Millionen Bitcoin, etwa 6,4 % des umlaufenden Angebots; Strategy allein besaß zum 4. Oktober 2026 848.000 BTC.
- Die Smarter Web Company verlor zwischen Juni 2025 und Februar 2026 rund 93,5 % ihres Aktienwerts, obwohl der Bitcoin-Bestand wuchs – Ursache war vor allem die geschrumpfte mNAV-Prämie.
- In Großbritannien startet das neue FCA-Krypto-Regime voraussichtlich am 25. Oktober 2027; Anträge für die Zulassung zum Start sind bis 28. Februar 2027 einzureichen.
Ich muss zugeben, dass ich diese Meldung vor einem Jahr zu euphorisch eingeordnet habe. Damals schien jede Woche ein neues Unternehmen Bitcoin in die Bilanz zu nehmen, und ein Dienstleister, der genau dafür die Infrastruktur liefert, wirkte wie die klassische Schaufel im Goldrausch. Dazu kamen Fehler bei Namen und Börsensegment, die mir heute unangenehm sind und die wir oben offen korrigiert haben. Was ich aus dem Jahr gelernt habe: Eine Pressemitteilung ohne Zahlen ist eine Absichtserklärung, kein Geschäftserfolg. Und eine Aktie, die doppelt so viel kostet wie die Bitcoin dahinter, ist kein cleverer Hebel, sondern eine Wette auf die gute Laune anderer Anleger. Wer Bitcoin besitzen will, ist aus meiner Sicht mit dem direkten Besitz besser bedient als mit Treasury-Aktien, weil man dann genau weiß, was man hat und wer die Schlüssel hält. Für Unternehmer, die über eine Firmen-Treasury nachdenken, wünsche ich mir vor allem eines: kleine Beträge, klare Grenzen, und lieber einmal mehr mit dem Steuerberater sprechen. Wenn du anderer Meinung bist oder selbst Erfahrungen mit britischen Treasury-Werten gemacht hast, schreib mir gern – ich lese jede Nachricht. Alles hier ist meine persönliche Einschätzung und keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.Felix Rieger · Gründer & Chefredakteur · KryptoZukunft.com · 24. Oktober 2026
Quiz: Hast du das Treasury-Modell verstanden?
1. Was bedeutet ein mNAV von 0,8?
2. Wann startete Tap Global seinen Bitcoin-Treasury-Service?
3. Wie viele Bitcoin hielt London BTC zum 28. Februar 2026?
4. Wie werden Gewinne aus Treasury-Aktien in Deutschland besteuert?
5. Wann soll das neue britische FCA-Krypto-Regime in Kraft treten?
Dein Ergebnis: 0 von 5 richtig – beantworte die Fragen oben.
Häufige Fragen zu Bitcoin Treasury as a Service, Tap Global und London BTC
Was ist Bitcoin Treasury as a Service?
Wer ist Tap Global?
Wer ist London BTC?
Wie viele Bitcoin hat London BTC?
Hat Tap Global Volumen der Partnerschaft mit London BTC genannt?
Wie viel Umsatz macht Tap Global?
Was ist Tap Earn?
Was ist mNAV?
Warum ist ein mNAV unter 1 ein Problem?
Wie viele Bitcoin halten börsennotierte Unternehmen?
Wie viele Bitcoin besitzt Strategy?
Welche ist die größte britische Bitcoin-Treasury-Firma?
Warum ist die Smarter-Web-Aktie so stark gefallen?
Wie bilanzieren Unternehmen Bitcoin?
Wann startet das neue britische Krypto-Regime?
Darf ein deutscher Anbieter ohne MiCA-Lizenz Krypto-Dienste anbieten?
Ist eine Treasury-Aktie besser als Bitcoin direkt?
Wie werden Treasury-Aktien in Deutschland versteuert?
Sollte meine GmbH Bitcoin kaufen?
Kann ein Treasury-Unternehmen pleitegehen?
Weiterlesen auf KryptoZukunft.com
Quellen
- Tap Global Group plc: Launch of Institutional Bitcoin Treasury Service (RNS), 20.10.2025
- Tap Global Group plc: Bitcoin Treasury Service Customer Win (RNS), 24.10.2025
- London BTC Company Limited: Publication of Annual Report (RNS), 30.06.2026
- Tap Global Group plc: Tap Earn Update (RNS), 08.10.2026
- Share Talk: Tap Global Beats FY26 Forecasts, 20.08.2026
- BitcoinTreasuries.net: Übersicht Bitcoin-Bestände, abgerufen 24.10.2026
- BitcoinTreasuries.net: London Bitcoin Company, abgerufen 24.10.2026
- CoinMarketCap Academy: Are Bitcoin Treasury Companies Losing Their Financing Edge in 2026?, Juni 2026
- CoinMarketCap: Bitcoin-Kurs und Allzeithoch, abgerufen 24.10.2026
- Europäische Zentralbank: Euro-Referenzkurs USD, 23.10.2026
- SEC: Strategy Inc. Form 8-K, 05.10.2026
- Strategy: Strategy Acquires 250 BTC and Repurchases $192 Million of STRC, 12.10.2026
- Morningstar UK / Alliance News: More London-listed companies pile into bitcoin, 25.06.2025
- AJ Bell: Smarter Web swings to profit as bitcoin holdings grow, 20.02.2026
- Deloitte DART: FASB Releases Standard on Crypto Assets (ASU 2023-08), 13.12.2023
- IFRS Interpretations Committee: Holdings of Cryptocurrencies, Juni 2019
- Lewis Silkin: FCA finalises core crypto rules, 01.07.2026
- Financial Conduct Authority: How the gateway will operate, Stand 30.09.2026
- PwC Legal: MiCAR-Stichtag 1. Juli 2026, 11.06.2026
Zitiervorschlag: Rieger, Felix (2026): Bitcoin Treasury as a Service 2026: Was wurde aus Tap Global und London BTC – und lohnen sich britische Bitcoin-Treasury-Aktien noch? KryptoZukunft.com, aktualisiert am 24. Oktober 2026. https://kryptozukunft.com/2025/10/24/tap-global-und-london-btc-ein-neuer-schritt-in-richtung-institutioneller-bitcoin-adoption/
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Kryptowährungen und Aktien von Bitcoin-Treasury-Unternehmen sind hochspekulativ und können bis zum Totalverlust an Wert verlieren. Alle Kurse, Bestände und Rechnungen beziehen sich auf die genannten Stichtage; eigene Modellrechnungen von KryptoZukunft.com sind vereinfacht und ersetzen keine individuelle Prüfung.