DeFi FAQ 2026: Lohnt sich DeFi noch? 20 Fragen zu Rendite, Risiken, Steuern & EU-Regeln (Stand Oktober 2026)
Inhaltsverzeichnis (23)
- DeFi FAQ 2026: Lohnt sich DeFi noch? Die wichtigsten Fragen zu Rendite, Risiken, Steuern und EU-Regeln
- Wie groß ist DeFi im Oktober 2026 wirklich?
- Warum ist der TVL 2026 gefallen – ist DeFi in der Krise?
- Welche DeFi-Protokolle sind im Oktober 2026 die größten?
- Wie viel Zinsen bekomme ich 2026 auf Stablecoins in DeFi?
- Lohnt sich DeFi-Rendite nach Steuern und Inflation überhaupt?
- Was sind Real-World Assets – und wie groß ist der Markt wirklich?
- Was sind Liquid Staking und Restaking – und was hat der Kelp-Hack gezeigt?
- Was sind Perp-DEXs – und warum verdient Hyperliquid mehr als Aave?
- Wie berechne ich den Impermanent Loss bei einem Liquidity Pool?
- Verdienen Liquidity Provider unterm Strich überhaupt Geld?
- Wie sicher ist DeFi nach 1,18 Milliarden Dollar Hack-Schaden im dritten Quartal 2026?
- Schützt ein Audit vor einem DeFi-Hack?
- Wie prüfe ich ein DeFi-Protokoll, bevor ich Geld einzahle?
- Fällt DeFi unter MiCA – und was plant die EU nach der Konsultation?
- Was bedeutet die MiCA-Überprüfung für mich als DeFi-Nutzer in Deutschland?
- Wie werden DeFi-Erträge in Deutschland 2026 versteuert?
- Was ändert die geplante Abschaffung der Haltefrist für DeFi-Nutzer?
- Sieht das Finanzamt meine DeFi-Transaktionen?
- DeFi oder CeFi – wo liegt mein Geld 2026 sicherer?
- Für wen lohnt sich DeFi im Herbst 2026 überhaupt – und für wen nicht?
- Häufige Fragen zu DeFi 2026
- Ähnliche Beiträge
DeFi FAQ 2026: Lohnt sich DeFi noch? Die wichtigsten Fragen zu Rendite, Risiken, Steuern und EU-Regeln
Dezentrale Finanzen sind 2026 erwachsener, aber nicht einfacher geworden: Der gebundene Kapitalstock ist geschrumpft, die Zinsen auf Stablecoins liegen knapp über der deutschen Inflation, im dritten Quartal wurden 1,18 Milliarden Dollar gestohlen – und die EU sortiert gerade, wo Software aufhört und Finanzdienstleistung anfängt. Hier beantworten wir die Fragen, die Fortgeschrittene im Oktober 2026 wirklich stellen, mit frischen Daten, eigenen Rechnungen und drei Rechnern zum Selbstausprobieren.
Was ist neu – und was war in der alten Version falsch?
Diese Seite erschien erstmals am 19. April 2025 als kurze DeFi-FAQ und wurde zuletzt am 10. Juni 2026 erweitert. Ein paar Aussagen von damals halten dem Stand vom Oktober 2026 nicht mehr stand, deshalb korrigieren wir sie offen: Wir hatten den DeFi-TVL mit „95 bis 140 Milliarden Dollar“ angegeben – heute liegt er laut DefiLlama bei 90,05 Milliarden Dollar, also unter der damaligen Untergrenze. Die Angabe „über 400 Millionen Dollar Exploit-Schaden in 2026“ war schon im Juni zu niedrig gegriffen, denn allein der Kelp-Vorfall vom April kostete rund 292 Millionen Dollar. Die EU-Konsultation zu „MiCA 2.0“ ist inzwischen abgeschlossen, und ESMA sowie EBA haben im September 2026 konkrete Forderungen veröffentlicht. Neu hinzugekommen sind außerdem: aktuelle Zinsdaten vom 19. Oktober 2026, eine Netto-Realrendite-Rechnung nach Steuern und Inflation, der Stand zur geplanten Abschaffung der Haltefrist und ein Protokoll-Check.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst, lies zuerst unsere Grundlagenseite Was ist DeFi? Dezentrale Finanzen 2026 erklärt – dort geht es um Smart Contracts, DEXs und Lending von Grund auf. Diese FAQ setzt eine Stufe höher an. Sie fragt nicht „Was ist das?“, sondern „Was bringt mir das heute, nach Steuern, nach Inflation und nach den Hacks dieses Jahres?“. Die Definition vorneweg trotzdem in einem Satz: DeFi ist laut ethereum.org eine Sammlung offener, erlaubnisfreier Finanzprodukte, die auf einer Blockchain laufen und für jeden mit Internetzugang nutzbar sind ethereum.org, abgerufen 19.10.2026.
Wie groß ist DeFi im Oktober 2026 wirklich?
Der gesamte DeFi-TVL lag laut DefiLlama am 16. Oktober 2026 bei 90,05 Milliarden US-Dollar, wovon 50,36 Milliarden Dollar (55,9 %) auf Ethereum entfielen.
TVL steht für „Total Value Locked“, also den Dollarwert aller Coins, die in DeFi-Protokollen hinterlegt sind. Die aktuelle Zahl ist ernüchternd, wenn man sie mit dem Jahreswert vergleicht: Tokenpost beziffert den Rückgang auf 21,25 Prozent gegenüber 114,36 Milliarden Dollar, und allein in der Woche bis zum 16. Oktober fiel der TVL um 1,18 Prozent Tokenpost/DefiLlama, 16.10.2026. Hinter Ethereum folgen mit großem Abstand Base (6,15 Mrd. $), Solana (6,02 Mrd. $), Tron (5,55 Mrd. $) und BSC (5,35 Mrd. $).
Unsere Rechnung zur Einordnung: Ethereum hält mit 55,9 Prozent mehr als die nächsten vier Chains zusammen (23,07 Mrd. $). Wer DeFi sagt, meint 2026 also immer noch überwiegend Ethereum und sein Ökosystem – inklusive der Rollups, die als eigene Chains gezählt werden. Base hat sich als größtes Layer-2-Netzwerk knapp vor Solana geschoben.
Ein Detail, das in vielen Ranglisten untergeht: DefiLlama führt zentrale Börsen getrennt, und deren Bestände sind mit 307,38 Milliarden Dollar mehr als dreimal so groß wie der gesamte DeFi-TVL. Das ist die ehrlichste Zahl, um die Größenordnung zu verstehen. Die Mehrheit des Krypto-Kapitals liegt nach wie vor bei Börsen, nicht in Smart Contracts.
Warum ist der TVL 2026 gefallen – ist DeFi in der Krise?
Der DeFi-TVL fiel bis zum 16. Oktober 2026 um rund 21 Prozent, vor allem weil die Kurse der hinterlegten Coins sanken – ein großer Teil des Rückgangs ist Preiseffekt und kein Kapitalabzug.
Der TVL ist eine Bewertungszahl. Hinterlegst du 10 ETH in einem Lending-Protokoll und der Ether-Kurs fällt um 20 Prozent, sinkt der TVL um 20 Prozent, obwohl du keinen einzigen Coin abgezogen hast. Weil der größte Block des TVL in Ether und ETH-Derivaten steckt (Liquid Staking allein: 55,63 Mrd. $), bewegt sich die Kennzahl stark mit dem ETH-Kurs.
Aus der Praxis: Wenn du wissen willst, ob Nutzer wirklich gehen, schau nicht auf den TVL, sondern auf Mengen und Einnahmen. Bei Aave zum Beispiel liegen laut DefiLlama am 18. Oktober 2026 immer noch 12,23 Milliarden Dollar an aktiven Krediten bei einem TVL von 17,76 Milliarden Dollar DefiLlama Aave, 18.10.2026. Nach Berechnung von KryptoZukunft.com entspricht das einer Auslastung von 68,8 Prozent – ein Markt in der Krise sähe anders aus, dort bleibt Kapital ungenutzt liegen.
Unsere Einschätzung: DeFi ist nicht in der Krise, aber im Konsolidierungsmodus. Die wilden Renditen der Boom-Jahre sind weg, die Zahl der relevanten Protokolle schrumpft, und das Kapital sammelt sich bei wenigen etablierten Namen. Das ist für dich als Nutzer eher eine gute Nachricht, weil es die Auswahl einfacher macht. Interessant ist auch, welche Kategorien in der Woche bis zum 16. Oktober wuchsen: „Basis Trading“ (+146,79 %) und sogenannte Onchain Capital Allocators (+45,29 %) – also Strategien, die Zinsdifferenzen abschöpfen, statt auf Kurse zu wetten.
Welche DeFi-Protokolle sind im Oktober 2026 die größten?
Die fünf größten DeFi-Protokolle nach TVL waren am 16. Oktober 2026 Lido (23,67 Mrd. $), Aave V3 (17,18 Mrd. $), SSV Network (12,84 Mrd. $), Morpho Blue (11,04 Mrd. $) und Binance staked ETH (9,12 Mrd. $).
Die Rangliste zeigt, wofür DeFi 2026 hauptsächlich genutzt wird: Ether staken und Kredite vergeben. Lido ist der größte Liquid-Staking-Anbieter, Aave das größte Kreditprotokoll, und Morpho hat sich mit einem modularen Ansatz – viele kleine, isolierte Kreditmärkte statt eines großen Pools – auf Platz vier geschoben. Auffällig: Alle fünf Spitzenreiter verzeichneten in der Woche bis zum 16. Oktober Abflüsse, Lido etwa minus 2,77 Prozent Tokenpost/DefiLlama, 16.10.2026.
Klassische dezentrale Börsen wie Uniswap tauchen in den Top 5 nach TVL nicht mehr auf. Das heißt nicht, dass sie unwichtig sind – Börsen brauchen weniger gebundenes Kapital als Kreditmärkte, um viel Volumen abzuwickeln. Es zeigt aber, dass sich die Gewichte verschoben haben: weg vom Spekulieren mit kleinen Token, hin zu Zins und Staking.
| Protokoll | Kategorie | TVL (Mrd. $) | Wochenänderung | Stichtag / Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Lido | Liquid Staking | 23,67 | −2,77 % | 16.10.2026, DefiLlama |
| Aave V3 | Lending | 17,18 | −0,90 % | 16.10.2026, DefiLlama |
| SSV Network | Staking-Infrastruktur | 12,84 | negativ | 16.10.2026, DefiLlama |
| Morpho Blue | Lending | 11,04 | negativ | 16.10.2026, DefiLlama |
| Binance staked ETH | Liquid Staking | 9,12 | negativ | 16.10.2026, DefiLlama |
Wie viel Zinsen bekomme ich 2026 auf Stablecoins in DeFi?
Am 19. Oktober 2026 lag der gewichtete Durchschnittszins für USDC über 23 DeFi-Lending-Pools bei 4,8 Prozent pro Jahr, für USDT über 16 Pools bei 3,6 Prozent und für ETH bei nur 1,2 Prozent.
Die Daten stammen aus einem Tages-Snapshot von DeFi Rate DeFi Rate, 19.10.2026. Die Spanne ist groß: Compound zahlte auf Ethereum 6,86 Prozent für USDC, Aave auf Ethereum 3,77 Prozent, Aave auf Arbitrum nur 2,33 Prozent. Der Unterschied erklärt sich fast vollständig über die Nachfrage. DeFi-Zinsen sind keine Versprechen eines Anbieters, sondern ergeben sich aus dem Verhältnis von Verleihern zu Leihern in jedem einzelnen Pool. Steigt die Nachfrage nach Hebel, steigen die Zinsen, und umgekehrt.
Wichtig für den Vergleich: Einige der höchsten Zahlen enthalten Belohnungen in Projekt-Token. Bei Aave auf Base liegt der Basiszins für USDC laut Snapshot bei 4,26 Prozent, der Rest von insgesamt 6,02 Prozent kommt aus Token-Rewards, die an Wert verlieren können. Wer ehrlich rechnet, nimmt den Basiszins.
Ein Alltagsbeispiel: Du parkst 10.000 Euro, umgetauscht in USDC, zum Durchschnittszins von 4,8 Prozent. Nach einem Jahr hast du rund 480 Dollar Zinsen erwirtschaftet. Das klingt ordentlich, ist aber eine Bruttozahl in einer Fremdwährung. Was davon übrig bleibt, rechnen wir im nächsten Abschnitt und im Rechner direkt darunter. Mehr zu den Unterschieden zwischen USDC, USDT und Euro-Stablecoins findest du in unserem Ratgeber zu Stablecoins.
Rechner 1: Was bleibt von deiner DeFi-Rendite nach Steuer und Inflation?
Standardwerte: 10.000 €, 4,8 % Zins (USDC-Durchschnitt am 19.10.2026), 30 % persönlicher Steuersatz plus Soli, 3,3 % Inflation (Destatis, September 2026). Die 256-Euro-Freigrenze ist berücksichtigt, Wechselkursschwankungen nicht.
Bei 4,8 % Zins bleiben nach 31,65 % Steuer (inkl. Soli) 3,28 % – das liegt praktisch genau auf der Inflationsrate von 3,3 %. Deine Kaufkraft wächst also nicht.
Lohnt sich DeFi-Rendite nach Steuern und Inflation überhaupt?
Nach Berechnung von KryptoZukunft.com bleibt von 4,8 Prozent USDC-Zins bei 30 Prozent Steuersatz plus Soli und 3,3 Prozent Inflation im Oktober 2026 eine reale Rendite von etwa null Prozent übrig.
Unsere Rechnung im Detail: 4,8 Prozent Zins, davon gehen 31,65 Prozent an Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag, bleiben 3,28 Prozent. Die Inflationsrate in Deutschland lag im September 2026 bei 3,3 Prozent und damit auf dem höchsten Stand des Jahres Destatis, 13.10.2026. Real, also kaufkraftbereinigt, kommen wir auf minus 0,02 Prozent. Bei Aave auf Ethereum mit 3,77 Prozent liegst du real bei minus 0,7 Prozent, bei ETH-Lending mit 1,2 Prozent bei minus 2,4 Prozent pro Jahr.
Dazu kommt ein Risiko, das in keinem Zinsvergleich auftaucht: Die meisten DeFi-Stablecoins sind an den US-Dollar gekoppelt. Fällt der Dollar gegenüber dem Euro um fünf Prozent, ist deine Jahresrendite in Euro gerechnet weg. Steigt er, gewinnst du zusätzlich. Das ist keine DeFi-Eigenheit, sondern eine Währungswette, die viele nicht bewusst eingehen.
Unsere Einschätzung: Als reine Zinsanlage schlägt DeFi im Herbst 2026 ein deutsches Tagesgeldkonto nicht deutlich genug, um Smart-Contract-Risiko, Hack-Risiko und Währungsrisiko zu rechtfertigen – zumal du beim Tagesgeld eine Einlagensicherung hast. Interessant wird es erst, wenn du ohnehin Stablecoins hältst, zum Beispiel als Trading-Reserve, und sie sonst ungenutzt herumliegen würden. Oder wenn deine gesamten sonstigen Einkünfte unter 256 Euro im Jahr bleiben: Dann ist der Zins nach § 22 Nr. 3 EStG steuerfrei § 22 EStG, gesetze-im-internet.de. Bei 4,8 Prozent entspricht das rund 5.300 Euro Einsatz. Achtung, das ist eine Freigrenze: Ab 256 Euro ist der komplette Betrag steuerpflichtig, nicht nur der Teil darüber.
Was sind Real-World Assets – und wie groß ist der Markt wirklich?
Real-World Assets (RWA) sind tokenisierte reale Vermögenswerte wie US-Staatsanleihen oder Kredite; ihr liquider On-Chain-Wert lag im Juli 2026 bei rund 33,5 Milliarden US-Dollar, wovon etwa 80 Prozent auf Staatsanleihen und geldmarktnahe Produkte entfielen.
Die Idee hinter RWA-Tokenisierung: Ein Fondsanteil oder eine Anleihe wird als Token auf einer Blockchain abgebildet, kann rund um die Uhr übertragen und in DeFi als Sicherheit eingesetzt werden. Laut einer Auswertung von Yellow Research, die sich auf CryptoRank, RWA.xyz und DefiLlama stützt, wuchs der Markt binnen eines Jahres von etwa 11,8 auf 33,5 Milliarden Dollar, ein Plus von 184 Prozent Yellow Research, 10.09.2026.
Der Haken liegt in der Konzentration. Rund 26 bis 28 Milliarden Dollar sind tokenisierte Treasuries und Geldmarktfonds. Tokenisierte Privatkredite über DeFi-Protokolle wie Centrifuge oder Maple kommen zusammen auf nur etwa 850 Millionen Dollar aktives Kreditbuch. Die Vision von „allem tokenisiert“ – Immobilien, Kunst, Mittelstandskredite – ist also noch weit weg. Was heute funktioniert, ist im Kern ein Dollar-Geldmarktfonds mit Blockchain-Schnittstelle.
In der alten Version dieser FAQ hatten wir für RWA einen TVL von rund 17 Milliarden Dollar genannt. Beide Zahlen widersprechen sich nicht: DefiLlama zählt nur den Teil, der in DeFi-Protokollen arbeitet, Marktübersichten zählen den gesamten ausgegebenen Bestand. Wenn du RWA-Zahlen vergleichst, prüfe immer, welche Abgrenzung gemeint ist.
Aus der Praxis: Für Privatanleger in Deutschland sind die meisten tokenisierten Treasury-Fonds gar nicht direkt zugänglich, weil sie Mindestanlagen in Millionenhöhe oder eine Einstufung als professioneller Investor verlangen. Du kommst indirekt in Kontakt, wenn ein Stablecoin oder ein Kreditprotokoll seine Reserven darin anlegt.
Was sind Liquid Staking und Restaking – und was hat der Kelp-Hack gezeigt?
Liquid Staking macht gestakte Coins über einen handelbaren Quittungs-Token beweglich; Restaking setzt dieselbe Sicherheit ein zweites Mal ein – und der Kelp-DAO-Vorfall vom 18. April 2026 mit rund 292 Millionen Dollar Schaden hat gezeigt, wie schnell sich diese gestapelten Risiken auf andere Protokolle übertragen.
Beim Liquid Staking stakst du zum Beispiel ETH und bekommst dafür einen Token wie stETH, der deine Position plus Belohnungen abbildet. Diesen Token kannst du weiterverwenden, etwa als Sicherheit für einen Kredit. Restaking geht einen Schritt weiter: Die bereits gestakten Coins sichern zusätzliche Dienste ab, zum Beispiel Brücken oder Orakel, gegen eine Extra-Rendite. Die ausführliche Mechanik erklären wir im Beitrag zu Auto-Staking, Liquid Staking und Restaking.
Was beim Kelp-Vorfall passiert ist: Über eine gefälschte Cross-Chain-Nachricht wurden 116.500 rsETH ohne Deckung freigegeben – rund 18 Prozent des Umlaufs und zum Zeitpunkt etwa 292 Millionen Dollar wert. Die Bridge-Konfiguration verlangte nur einen einzigen Prüfer, eine einzige gefälschte Signatur reichte. Der Angreifer hinterlegte die wertlosen rsETH als Sicherheit bei Aave und lieh sich echte WETH. Zurück blieben nach Schätzungen 177 bis 196 Millionen Dollar uneinbringliche Forderungen Defiprime, 18.04.2026.
Die Lehre daraus ist größer als der Einzelfall: In DeFi ist dein Risiko nicht nur das Protokoll, das du nutzt, sondern auch jedes Protokoll, dessen Token es als Sicherheit akzeptiert. Wer im April USDC bei Aave verliehen hatte, war plötzlich indirekt einem Bridge-Fehler bei Kelp ausgesetzt, ohne Kelp je benutzt zu haben. Aave hat für solche Fälle einen Sicherheitsfonds (Umbrella), der auf Ethereum aber nur etwa 56 Millionen Dollar umfasste. Unsere Rechnung: Bei 177 Millionen Dollar Schaden blieb rechnerisch eine Lücke von rund 121 Millionen Dollar.
Was sind Perp-DEXs – und warum verdient Hyperliquid mehr als Aave?
Perp-DEXs sind dezentrale Börsen für unbefristete Hebel-Futures; Marktführer Hyperliquid erzielte laut DefiLlama in den 30 Tagen bis zum 18. Oktober 2026 rund 210,6 Milliarden Dollar Volumen und annualisiert 689 Millionen Dollar Protokoll-Umsatz.
Perpetual Futures sind Terminkontrakte ohne Ablaufdatum, mit denen du gehebelt auf steigende oder fallende Kurse setzen kannst – bisher das Kerngeschäft zentraler Börsen. Hyperliquid hat dieses Geschäft on-chain gebracht und lag im Juni 2026 laut CoinShares bei einem annualisierten Perp-Volumen von rund 2,45 Billionen Dollar und etwa 6 bis 7 Prozent des Volumens zentraler Börsen CoinShares, 02.06.2026.
Spannend wird es beim Vergleich der Geschäftsmodelle. Nach Berechnung von KryptoZukunft.com auf Basis der DefiLlama-Daten vom 18. Oktober 2026 erwirtschaftet Hyperliquid annualisiert 689 Millionen Dollar Umsatz bei 6,93 Milliarden Dollar TVL – das sind 9,9 Cent pro gebundenem Dollar DefiLlama Hyperliquid, 18.10.2026. Aave kommt auf 88 Millionen Dollar Protokoll-Umsatz bei 17,76 Milliarden Dollar TVL, also 0,5 Cent pro Dollar. Hyperliquid ist damit pro gebundenem Kapital etwa 20-mal so ertragreich.
Der Grund ist simpel: Börsen leben von Handelsgebühren und brauchen dafür vergleichsweise wenig Sicherheiten, Kreditprotokolle geben fast alle Zinsen an die Verleiher weiter. Der Großteil der 683 Millionen Dollar Gebühren bei Aave fließt an dich als Einleger, nicht an das Protokoll. Für Nutzer ist das gut, für Token-Halter weniger.
Ehrlicherweise gehört dazu: Hebelhandel ist das riskanteste, was DeFi zu bieten hat. Wer mit 10-fachem Hebel handelt, verliert bei einer Kursbewegung von zehn Prozent gegen sich die gesamte Sicherheit. Perp-DEXs sind ein spannendes Geschäftsmodell, aber kein Einsteigerprodukt.
Wie berechne ich den Impermanent Loss bei einem Liquidity Pool?
Für einen klassischen 50/50-Pool gilt die Formel IL = 2·√r ÷ (1 + r) − 1, wobei r das Preisverhältnis seit der Einzahlung ist; verdoppelt sich ein Token, liegt der Impermanent Loss bei 5,72 Prozent gegenüber dem einfachen Halten.
Der Impermanent Loss, auf Deutsch impermanenter Verlust, entsteht, weil ein automatischer Market Maker seine Bestände ständig umschichtet. Steigt ETH, verkauft der Pool automatisch ETH an Händler und hält am Ende mehr Stablecoins und weniger ETH, als wenn du einfach stillgehalten hättest. Uniswap selbst beschreibt ihn als Wertverlust für den Liquiditätsanbieter, der entsteht, wenn sich die Preise nach der Einzahlung verschieben Uniswap Support, abgerufen 19.10.2026.
Ein Rechenbeispiel in Euro: Du zahlst 5.000 Euro in ETH und 5.000 Euro in einem Stablecoin in einen Pool ein, zusammen 10.000 Euro. ETH verdoppelt sich. Hättest du beides nur gehalten, wären es jetzt 15.000 Euro. Im Pool hast du rechnerisch 14.142 Euro. Die Differenz von 858 Euro ist der impermanente Verlust. Du hast also trotzdem Gewinn gemacht, nur 858 Euro weniger. Diese Lücke müssen die Handelsgebühren erst einmal schließen.
„Impermanent“ heißt der Verlust, weil er verschwindet, wenn der Preis auf den Einstiegswert zurückkehrt. Ziehst du dein Geld aber bei einem anderen Kurs ab, wird er endgültig. Die Formel ist symmetrisch in einem überraschenden Sinn: Ein Preisrückgang auf ein Fünftel kostet genauso viel (25,46 Prozent) wie eine Verfünffachung. Mehr zu Pools, Markttiefe und Preisabweichungen erklärt unser Beitrag zu Slippage und Price Impact.
Rechner 2: Impermanent Loss in Euro
Ein Token im 50/50-Pool ändert seinen Preis, der andere bleibt stabil (z. B. ein Stablecoin). Gebühren sind nicht eingerechnet. Standard: 10.000 € und +100 %.
Halten: 15.000 € · Pool: 14.142 € · Die Gebühren müssten mindestens 858 € einbringen, damit sich der Pool gegenüber dem Halten lohnt.
| Preisänderung eines Tokens | Verhältnis r | Impermanent Loss | Verlust auf 10.000 € Halte-Wert* |
|---|---|---|---|
| −50 % | 0,5 | −5,72 % | −429 € von 7.500 € |
| +25 % | 1,25 | −0,62 % | −70 € von 11.250 € |
| +50 % | 1,5 | −2,02 % | −253 € von 12.500 € |
| +100 % | 2 | −5,72 % | −858 € von 15.000 € |
| +200 % | 3 | −13,40 % | −2.679 € von 20.000 € |
| +400 % | 5 | −25,46 % | −7.639 € von 30.000 € |
*Eigene Berechnung KryptoZukunft.com, Stand 19.10.2026: 10.000 € Einsatz, je zur Hälfte in Token A und Stablecoin, ohne Gebühren.
Verdienen Liquidity Provider unterm Strich überhaupt Geld?
Eine Studie zu Uniswap v3 fand, dass 49,5 Prozent der Liquiditätsanbieter in 17 untersuchten Pools schlechter abschnitten als beim reinen Halten, weil 260,1 Millionen Dollar Impermanent Loss nur 199,3 Millionen Dollar Gebühren gegenüberstanden.
Die Studie von Loesch, Hindman, Welch und Richardson stammt zwar aus dem Jahr 2021, ist aber bis heute die meistzitierte Messung dieser Frage arXiv, Loesch et al., 17.11.2021. Zusammen wären die Anbieter um 60,8 Millionen Dollar besser gefahren, wenn sie einfach gehalten hätten. Konzentrierte Liquidität, also das Bereitstellen nur in einer engen Preisspanne, verdient mehr Gebühren, erhöht laut Uniswap aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Impermanent Loss eintritt.
Unsere Einschätzung: Liquidity Providing ist 2026 ein Geschäft für Profis mit Werkzeugen, nicht für Gelegenheitsnutzer. Gegen dich arbeiten Arbitrage-Bots, die jede Preisabweichung zwischen Pool und Börse sofort abschöpfen. Wenn du es trotzdem probieren willst, wähle Paare, deren Preise eng zusammenlaufen (etwa zwei Stablecoins oder ETH gegen stETH) – dort ist der Impermanent Loss gering. Wie sich solche Strategien heute rechnen, zeigt unser Beitrag Lohnt sich Yield Farming 2026 noch?.
Wie sicher ist DeFi nach 1,18 Milliarden Dollar Hack-Schaden im dritten Quartal 2026?
Im dritten Quartal 2026 wurden laut dem Sicherheitsunternehmen Hacken bei 107 Vorfällen 1,18 Milliarden Dollar gestohlen, 55 Prozent mehr als im zweiten Quartal – DeFi ist damit 2026 nicht sicherer geworden.
Laut Hacken stammten 77 Prozent der Verluste aus nicht geprüften Zulieferern und Entwickler-Werkzeugen, und kompromittierte private Schlüssel gehörten zu den häufigsten Angriffswegen Hacken-Report via OneBullEx, 16.10.2026. Diese Zahl umfasst allerdings Börsen und DeFi zusammen; der größte Einzelfall des Quartals, der Bitget-Hack, betraf eine zentrale Börse. Unsere ausführliche Analyse findest du im Beitrag zu den Krypto-Hacks im dritten Quartal 2026.
Für DeFi gilt: Die großen Schäden entstehen 2026 seltener durch einen klassischen Programmierfehler im Hauptvertrag und häufiger an den Rändern – bei Brücken, bei Konfigurationen, bei Admin-Schlüsseln, bei Orakeln. Der Kelp-Fall ist das Lehrbuchbeispiel: Der Code war geprüft, die Einstellung „ein Prüfer reicht“ war das Problem.
Schützt ein Audit vor einem DeFi-Hack?
Nein: Ein Smart-Contract-Audit prüft einen bestimmten Code-Stand zu einem bestimmten Zeitpunkt; 77 Prozent der Q3-2026-Verluste kamen laut Hacken aus nicht geprüften Zulieferern und Werkzeugen außerhalb des geprüften Kerns.
Ein Krypto-Audit ist eine Stichprobe, keine Versicherung. Es sagt nichts darüber, wie ein Protokoll später konfiguriert wird, wer die Admin-Schlüssel hält, welche Brücken angeschlossen werden oder welche externen Token als Sicherheit zugelassen sind. Aus der Praxis: Ein Audit-Siegel ist eine Mindestanforderung. Mehr Aussagekraft haben mehrere Audits verschiedener Firmen, ein aktives Bug-Bounty-Programm, eine Zeitsperre (Timelock) für Änderungen und vor allem: Zeit. Ein Protokoll, das seit Jahren Milliarden verwaltet, ohne dass der Kernvertrag ausgenutzt wurde, hat einen echten Härtetest bestanden.
Wie prüfe ich ein DeFi-Protokoll, bevor ich Geld einzahle?
Prüfe vor jeder Einzahlung mindestens sechs Punkte: Alter des Protokolls, mehrere unabhängige Audits, Timelock bei Admin-Rechten, Höhe des TVL, Herkunft der Rendite und die Abhängigkeit von Brücken oder fremden Sicherheiten.
Der folgende Check ist kein Gütesiegel, sondern eine Denkhilfe. Er bildet ab, worauf wir selbst schauen, bevor wir einen Euro in ein Protokoll legen. Je mehr Punkte du mit „Ja“ beantworten kannst, desto geringer ist das strukturelle Risiko – null wird es nie.
Rechner 3: Protokoll-Check in 60 Sekunden
Hake an, was auf das Protokoll zutrifft, das du nutzen willst.
Hake die zutreffenden Punkte an. Unter 4 Punkten raten wir, nur Beträge einzusetzen, deren Totalverlust du verkraften kannst.
Zum Schutz deiner eigenen Seite gehört außerdem: Token-Freigaben (Approvals) nur in der benötigten Höhe erteilen und alte regelmäßig widerrufen, größere Beträge über eine Hardware-Wallet signieren und nie eine Transaktion bestätigen, deren Wirkung du nicht verstehst. Welche Geräte sich dafür eignen, vergleicht unser Krypto-Wallet-Vergleich 2026, und die allgemeinen Schutzregeln stehen im Ratgeber Krypto-Sicherheit 2026.
Fällt DeFi unter MiCA – und was plant die EU nach der Konsultation?
Vollständig dezentral erbrachte Krypto-Dienste sind von der MiCA-Verordnung ausgenommen, und die EU-Kommission schlägt in ihrer Konsultation vom 20. Mai 2026 nicht vor, diese Ausnahme zu streichen – sie prüft aber strengere Pflichten für Anbieter, die Kunden Zugang zu DeFi verschaffen.
Die MiCA-Verordnung reguliert Krypto-Dienstleister und Emittenten. Ausgenommen sind Dienste, die „vollständig dezentral ohne Intermediär“ erbracht werden. Die Konsultation der Kommission lief vom 20. Mai bis zum 31. August 2026. Sie fragt, nach welchen Kriterien Dezentralität zu beurteilen ist, ob Krypto-Dienstleister, die Kunden an DeFi-Plattformen anbinden, Sorgfaltspflichten oder sogar eine Haftung für Vorfälle tragen sollen, und ob es Zertifizierungen für Protokolle und Smart Contracts geben sollte Skadden, Juni 2026. Das sind Fragen und Optionen, noch keine Gesetzesvorschläge.
Inzwischen haben sich die Aufseher positioniert. Die Europäische Bankenaufsicht EBA empfahl am 24. September 2026, die Regulierung von Krypto-Krediten zu prüfen – ausdrücklich auch dort, wo Dienstleister Zugang zu dezentralen Kreditprotokollen vermitteln EBA, 24.09.2026. Die Wertpapieraufsicht ESMA forderte am 30. September 2026 klarere Kriterien dafür, was als „wirklich dezentral“ gilt, eine neue lizenzpflichtige Dienstleistung für Firmen, die Nutzern Zugang zu DeFi-Protokollen geben, und verhältnismäßige Offenlegungspflichten für Staking, Lending und Borrowing ESMA, 30.09.2026.
Die Gegenposition aus der Branche formulierte etwa der DeFi Education Fund am 30. September 2026 unter dem Motto „Regulate intermediaries, not code“: Reguliert werden solle, wer Kontrolle über Nutzervermögen hat, nicht nicht-verwahrende Software; eine Zertifizierung von Protokollen lehnt die Organisation ab, weil dezentrale Protokolle keinen verantwortlichen Träger hätten DeFi Education Fund, 30.09.2026.
Was bedeutet die MiCA-Überprüfung für mich als DeFi-Nutzer in Deutschland?
Kurzfristig ändert sich für Nutzer in Deutschland im Oktober 2026 nichts, mittelfristig dürften regulierte Börsen und Apps, die DeFi-Zugang anbieten, mehr Risikohinweise, Prüfpflichten und eventuell eine eigene Lizenz brauchen.
Wenn du direkt über deine eigene Wallet mit einem Protokoll interagierst, betrifft dich die MiCA-Debatte zunächst nicht. Spürbar wird sie dort, wo DeFi über ein Unternehmen läuft: eine Börse mit „Earn“-Produkt, eine App mit eingebautem Swap, eine Wallet, die Lending-Zinsen anzeigt. Nach den Vorschlägen von ESMA und EBA müssten solche Anbieter künftig offenlegen, welche Kosten, Risiken und möglichen Verluste hinter einer Rendite stecken. Unsere Einschätzung: Das ist für Nutzer eher positiv. Die Kehrseite könnte sein, dass einzelne Anbieter den Zugang zu erlaubnisfreien Protokollen für EU-Kunden einschränken, wenn ihnen die Haftung zu heikel wird.
Wie werden DeFi-Erträge in Deutschland 2026 versteuert?
In Deutschland gelten Zinsen aus DeFi-Lending und Liquidity Mining nach Auffassung der Finanzverwaltung in der Regel als sonstige Einkünfte (steuerfrei unter 256 Euro im Jahr), während Tausch und Verkauf von Token als privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG gelten, das nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei ist.
Grundlage ist das BMF-Schreiben zu Einzelfragen der ertragsteuerrechtlichen Behandlung von Kryptowerten vom 6. März 2025. Für dich bedeutet das zweierlei. Erstens: Laufende Erträge wie Lending-Zinsen und Staking-Belohnungen versteuerst du im Zuflussjahr mit deinem persönlichen Steuersatz, sofern deine gesamten sonstigen Einkünfte dieser Art 256 Euro im Jahr erreichen. Zweitens: Jeder Tausch eines Tokens in einen anderen ist steuerlich ein Verkauf. Liegen zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr, ist der Gewinn steuerpflichtig, es sei denn, dein Gesamtgewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften bleibt unter 1.000 Euro im Kalenderjahr § 23 EStG, gesetze-im-internet.de.
Ein Beispiel, das viele überrascht: Du tauschst im März ETH in einen Liquidity-Pool-Token, im Juli wieder zurück und hast zwischendurch Gebühren verdient. Steuerlich sind das mindestens zwei Veräußerungsvorgänge plus laufende Erträge. Bei aktivem DeFi-Einsatz kommen pro Jahr schnell Hunderte steuerrelevante Vorgänge zusammen. Ohne Software ist das kaum zu dokumentieren; unser Steuersoftware-Vergleich 2026 zeigt, welche Tools DeFi-Transaktionen sauber auslesen. Die Besonderheiten bei Liquid-Staking-Token behandelt unser Ratgeber zur Krypto-Staking-Steuer 2026. Dies ist keine Steuerberatung.
Was ändert die geplante Abschaffung der Haltefrist für DeFi-Nutzer?
Laut einem im September 2026 bekannt gewordenen Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums sollen Kryptowerte, die nach dem 31. Dezember 2026 angeschafft werden, ohne Haltefrist mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli besteuert werden; zu DeFi-Erträgen enthält die Berichterstattung bislang keine Angaben.
Wichtig ist der Status: Es handelt sich um eine Arbeitsfassung, die noch nicht im Bundestag liegt. Altbestände, die bis zum Stichtag angeschafft wurden, sollen nach Entwurfsstand unter der bisherigen Jahresfrist bleiben. Alle Details und den politischen Stand fasst unser Beitrag Klingbeils Krypto-Steuer zusammen.
Für DeFi steckt darin eine praktische Falle: Wenn jeder Tausch eine Veräußerung ist, könnte ein Swap nach dem Stichtag einen Altbestand in einen Neubestand verwandeln. Wer heute steuerfreie Alt-ETH besitzt und sie 2027 in einen Pool-Token tauscht, würde dann womöglich einen neu angeschafften, haltefristlosen Kryptowert erhalten. Das ist unsere Ableitung aus der Systematik, keine bestätigte Regel – aber ein guter Grund, Umschichtungen von Altbeständen in DeFi vor einer Gesetzesänderung genau zu durchdenken.
Sieht das Finanzamt meine DeFi-Transaktionen?
Seit dem 1. Januar 2026 müssen Krypto-Dienstleister in der EU unter der Richtlinie DAC8 Transaktionsdaten für das Steuer-Reporting erfassen; reine On-Chain-Transaktionen aus einer selbstverwahrten Wallet werden nicht automatisch gemeldet, sind aber öffentlich nachvollziehbar.
Die Logik ist einfach: Was über eine Börse oder App mit EU-Bezug läuft, landet über DAC8 früher oder später beim Finanzamt. Was du direkt aus deiner eigenen Wallet mit einem Protokoll machst, meldet niemand automatisch. Steuerfrei wird es dadurch nicht. Blockchains sind öffentlich, und spätestens wenn du Geld über eine Börse in Euro zurücktauschst, gibt es eine Verbindung zwischen deiner Identität und deinen Adressen.
Aus der Praxis: Wir sehen immer wieder Leser, die glauben, DeFi sei eine steuerliche Grauzone. Das ist sie nicht. Grau sind höchstens einzelne Einordnungsfragen, etwa bei Restaking-Belohnungen oder exotischen Vault-Token. Die Pflicht zur Erklärung selbst ist eindeutig. Wer heute sauber dokumentiert, spart sich später sehr unangenehme Rückfragen.
DeFi oder CeFi – wo liegt mein Geld 2026 sicherer?
Keines von beiden ist pauschal sicherer: Bei einer MiCA-lizenzierten Börse (CeFi) trägst du das Insolvenz- und Hack-Risiko des Unternehmens, in DeFi das Smart-Contract-, Brücken- und Bedienungsrisiko – und im dritten Quartal 2026 war der größte Einzelschaden ein Börsen-Hack.
Der Unterschied liegt darin, wem du vertraust. Bei einer zentralen Plattform vertraust du einem Unternehmen, seiner Verwahrung und seiner Aufsicht. Was passiert, wenn so ein Unternehmen ausfällt, erklärt unser Beitrag Was passiert mit meinen Coins, wenn die Krypto-Börse pleite geht?. In DeFi vertraust du Code, den Einstellungen der Entwickler und dir selbst. Einen ausführlichen Vergleich beider Welten findest du unter Was ist CeFi?.
Unsere Einschätzung: Für die meisten Privatanleger ist eine Mischung sinnvoll. Kauf und Verkauf laufen über eine regulierte Börse, längerfristige Bestände liegen in einer eigenen Wallet, und nur ein bewusst begrenzter Teil arbeitet in zwei, drei etablierten DeFi-Protokollen. Wer dagegen alles in ein einziges Protokoll mit der höchsten Rendite legt, nimmt die schlechteste Kombination aus beiden Welten.
Für wen lohnt sich DeFi im Herbst 2026 überhaupt – und für wen nicht?
DeFi lohnt sich im Oktober 2026 vor allem für Anleger, die ohnehin Kryptowerte oder Stablecoins halten und diese mit überschaubarem Zusatzrisiko arbeiten lassen wollen; als Ersatz für Tagesgeld oder als Einstieg in Krypto eignet es sich kaum.
Ehrlich gerechnet sieht es so aus: Auf Stablecoins bekommst du im Schnitt knapp fünf Prozent, die nach Steuer und Inflation bei null landen. Auf ETH bekommst du über Staking oder Lending wenige Prozent zusätzlich zu einem Kursrisiko, das um ein Vielfaches größer ist. Liquidity Providing verliert gegen professionelle Arbitrage, und Hebelhandel ist ein Nullsummenspiel mit Gebühren. Das klingt hart, ist aber die Realität von 2026, nachdem die Token-Subventionen der Boom-Jahre ausgelaufen sind.
Trotzdem gibt es gute Gründe für DeFi. Du hältst deine Coins selbst und bist nicht von der Insolvenz eines Unternehmens abhängig. Du kannst rund um die Uhr Kredite gegen deine Coins aufnehmen, ohne sie zu verkaufen – steuerlich ein Unterschied, denn ein Kredit ist kein Verkauf. Und du lernst ein Finanzsystem kennen, in dem inzwischen auch BlackRock, Banken und Börsen experimentieren. Wenn du neu einsteigen willst, ist der sinnvollste erste Schritt nicht die höchste Rendite, sondern ein kleiner Betrag in einem großen Protokoll, um die Abläufe zu verstehen. Unsere Übersicht der algorithmischen und synthetischen Stablecoins hilft dir außerdem, Renditeprodukte wie Ethena einzuordnen, deren Zinsen aus Derivategeschäften stammen.
Die wichtigsten Aussagen auf einen Blick
- Laut KryptoZukunft.com-Analyse (Felix Rieger, Oktober 2026) bleibt von 4,8 Prozent DeFi-Zins auf USDC nach 31,65 Prozent Steuer und 3,3 Prozent Inflation eine reale Rendite von rund null Prozent.
- Der DeFi-TVL lag am 16. Oktober 2026 bei 90,05 Milliarden US-Dollar, rund 21 Prozent unter dem Jahreswert von 114,36 Milliarden Dollar; Ethereum hält 55,9 Prozent.
- Hyperliquid erwirtschaftet pro gebundenem Dollar rund 20-mal so viel Protokoll-Umsatz wie Aave (9,9 Cent gegenüber 0,5 Cent, DefiLlama-Daten vom 18.10.2026).
- Im dritten Quartal 2026 wurden bei 107 Krypto-Hacks 1,18 Milliarden Dollar gestohlen; 77 Prozent der Verluste stammten aus nicht geprüften Zulieferern und Werkzeugen.
- Vollständig dezentrales DeFi bleibt von MiCA ausgenommen, doch ESMA (30.09.2026) und EBA (24.09.2026) fordern Pflichten für Anbieter, die Kunden Zugang zu DeFi-Protokollen verschaffen.
- Ein Impermanent Loss von 5,72 Prozent entsteht bereits, wenn sich ein Token in einem 50/50-Pool im Preis verdoppelt oder halbiert.
Ich muss bei diesem Thema ehrlich zu mir selbst sein. Vor zwei Jahren habe ich DeFi-Renditen noch mit leuchtenden Augen beschrieben, und manches davon würde ich heute so nicht mehr schreiben. Als ich für diese Aktualisierung die Zinsen vom 19. Oktober durch den Rechner geschickt habe, kam bei Stablecoins nach Steuer und Inflation eine glatte Null heraus. Das hat mich nicht überrascht, aber es hat mich daran erinnert, wie oft wir in der Krypto-Welt Bruttozahlen feiern, ohne sie zu Ende zu rechnen. Was mich trotzdem an DeFi hält, ist nicht die Rendite, sondern die Unabhängigkeit: Ich kann einen Kredit gegen meine Coins aufnehmen, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen, und meine Bestände liegen nicht in der Bilanz einer Börse. Gleichzeitig hat mir der Kelp-Vorfall im April gezeigt, dass ich Risiken unterschätzt hatte, die ich selbst gar nicht eingegangen war, weil sie über Sicherheiten-Token in Protokolle einsickern, die ich für solide hielt. Seitdem nutze ich weniger Protokolle, prüfe genauer, welche Token dort als Sicherheit zugelassen sind, und halte den DeFi-Anteil bewusst klein. Wenn du nur eine Sache aus dieser FAQ mitnimmst, dann bitte diese: Rechne jede Rendite nach Steuer, Inflation und Währung zu Ende, bevor du sie mit einem Tagesgeldkonto vergleichst. Das ist meine persönliche Einordnung und keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
Felix Rieger · Gründer & Chefredakteur · KryptoZukunft.com · 19. Oktober 2026
Quiz: Wie gut kennst du DeFi im Jahr 2026?
Fünf Fragen, sofortiges Feedback, keine Anmeldung.
1. Wie hoch war der DeFi-TVL laut DefiLlama am 16. Oktober 2026?
2. Wie viel Impermanent Loss entsteht, wenn sich ein Token im 50/50-Pool verdoppelt?
3. Was war beim Kelp-Vorfall im April 2026 die eigentliche Schwachstelle?
4. Wie werden DeFi-Lending-Zinsen in Deutschland in der Regel behandelt?
5. Was fordert die ESMA vom 30. September 2026 für DeFi?
Häufige Fragen zu DeFi 2026
Was ist DeFi in einem Satz?
Wie groß ist DeFi im Oktober 2026?
Warum ist der DeFi-TVL 2026 gesunken?
Welches ist das größte DeFi-Protokoll 2026?
Wie viel Zinsen gibt es aktuell auf USDC in DeFi?
Ist DeFi-Rendite besser als Tagesgeld?
Was ist Impermanent Loss?
Wie berechne ich den Impermanent Loss?
Was sind Real-World Assets in DeFi?
Was ist Restaking und wie riskant ist es?
Was ist beim Kelp-DAO-Hack im April 2026 passiert?
Was ist ein Perp-DEX?
Wie sicher ist DeFi 2026?
Reicht ein Audit, um ein Protokoll als sicher einzustufen?
Fällt DeFi unter die MiCA-Verordnung?
Was fordert die ESMA für DeFi?
Wie werden DeFi-Zinsen in Deutschland versteuert?
Ist ein Token-Tausch in DeFi steuerpflichtig?
Was bedeutet die geplante Abschaffung der Haltefrist für DeFi?
Sieht das Finanzamt meine DeFi-Aktivitäten?
Wie viel meines Vermögens sollte ich in DeFi anlegen?
Quellen
- Tokenpost: DeFi TVL falls 1.2% to $90.05 billion (DefiLlama-Daten), 16.10.2026
- DefiLlama: Hyperliquid TVL, Fees, Revenue & Volume, abgerufen 19.10.2026
- DefiLlama: Aave TVL, Fees & Revenue, abgerufen 19.10.2026
- DeFi Rate: Lending-Snapshot, 19.10.2026
- Destatis: Pressemitteilung Nr. 364, Inflationsrate September 2026, 13.10.2026
- Yellow Research: RWA Tokenization Concentration, 10.09.2026
- CoinShares: Hyperliquid Primer and 5-Year Valuation Framework, 02.06.2026
- Defiprime: The KelpDAO rsETH Exploit, 18.04.2026
- OneBullEx: Hacken – Q3 Crypto Thefts Hit $1.18B, 16.10.2026
- Skadden: Fit for Purpose? European Commission Launches Review of MiCA, Juni 2026
- EBA: The EBA identifies priorities for the review of MiCA, 24.09.2026
- ESMA: ESMA calls for changes to make MiCA clearer, safer and ready for emerging services, 30.09.2026
- DeFi Education Fund: Regulate Intermediaries, Not Code, 30.09.2026
- Uniswap Support: What is Impermanent Loss?, abgerufen 19.10.2026
- Loesch et al.: Impermanent Loss in Uniswap v3, arXiv, 17.11.2021
- § 23 EStG, gesetze-im-internet.de und § 22 EStG
- ethereum.org: Was ist DeFi?, abgerufen 19.10.2026
- BMF-Schreiben „Einzelfragen zur ertragsteuerrechtlichen Behandlung bestimmter Kryptowerte“ vom 6. März 2025 (bundesfinanzministerium.de)
Zitiervorschlag: Rieger, Felix (2026): DeFi FAQ 2026: Lohnt sich DeFi noch? 20 Fragen zu Rendite, Risiken, Steuern & EU-Regeln (Stand Oktober 2026). KryptoZukunft.com, aktualisiert am 19. Oktober 2026. https://kryptozukunft.com/2025/04/19/faq-defi/
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Kryptowerte und DeFi-Protokolle sind hochriskant; ein Totalverlust ist möglich. Zinsangaben sind Momentaufnahmen vom 19. Oktober 2026 und ändern sich laufend. Eigene Berechnungen von KryptoZukunft.com beruhen auf den genannten Quellen und vereinfachenden Annahmen. Für steuerliche Entscheidungen wende dich an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater.